Jemand spaziert über die Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden und sieht einen Menschen im Rhein treiben. Sobald der Spaziergänger die 112 wählt und der Notruf in der Feuerwehrleitstelle in Mainz eingeht, läuft eine riesige Maschinerie an.
Der Disponent, der in der Leitstelle den Notruf annimmt, geht sofort an eine fast zwei mal zwei Meter große Karte mit dem Mainzer Rheinabschnitt. Sie ist entscheidend für den weiteren Rettungsprozess.
Auf den Ort, an dem die Person im Wasser gemeldet wurde, legt der Disponent je nach Pegelstand und damit auch Fließgeschwindigkeit eine sogenannte Sektoren-Folie. Sie gibt verschiedene Bereiche an, bis wohin die Person beim Eintreffen der Rettungskräfte abgetrieben sein könnte.
Diese Sektoren und mögliche weitere Beobachtungspunkte gibt der Disponent dann bei der Alarmierung an die Einsatzkräfte weiter, sodass die Kolleginnen und Kollegen wissen, wo sie hin müssen. Außerdem werden sofort der Rettungsdienst und die Polizei alarmiert und die Schifffahrt über den Einsatz informiert.
Sportboot abgeschleppt Rettungseinsatz auf dem Rhein bei Mainz
Ein Sportboot hat am Samstag auf dem Rhein bei Mainz einen großen Rettungseinsatz ausgelöst. Das Boot konnte wegen eines technischen Defekts nicht mehr weiterfahren.
Wasserrettungs-Konzept von der Feuerwehr Wiesbaden entwickelt
"Entwickelt wurde das Konzept für die Wasserrettung von der Feuerwehr Wiesbaden", erzählt Jens Olschewski. Er leitet den sogenannten Tauchdienst der Feuerwehr Mainz. "Wir haben es dann an unsere Gegebenheiten angepasst. Aber wir haben die gleichen Abläufe, sodass wir bei den Einsätzen quasi auch eine Sprache sprechen."
Denn oft werden bei solchen Einsätzen die Feuerwehren beider Städte parallel alarmiert. Schließlich sei nicht ganz sicher, wohin die Person getrieben wird. Wenn allerdings klar sei, dass sich die Person nah am Wiesbadener Rheinufer befinde, dann würden auf der Mainzer Seite weniger Kräfte alarmiert.
Feuerwehr Mainz hat auch 30 Taucherinnen und Taucher
Olschewskis Team besteht aus 30 Taucherinnen und Tauchern und ist zuständig für den Rheinabschnitt von Eich (Kreis Alzey-Worms) bis nach St. Goar (Rhein-Hunsrück-Kreis). Dort übernehmen die Berufsfeuerwehren Ludwigshafen beziehungsweise Koblenz.
Neben Wasserrettung sind die Taucherinnen und Taucher auch für Kanal- und Eisrettung zuständig. "Das ist aber eher die Ausnahme", sagt Olschweski. Um in sein Team aufgenommen zu werden, müssen die Feuerwehrleute extra eine eineinhalbjährige Tauchausbildung absolvieren.
Auch Feuerwehrboote bei Wasserrettung im Einsatz
Während ein Teil der Rettungskräfte zu den auf der Karte ausgemachten Stellen unterwegs ist, fährt der größte Teil der Einsatzkräfte aber erstmal an den Ereignisort, erzählt Olschweski. "Es kommt ja auch vor, dass jemand ins Wasser gefallen ist und sich vielleicht noch an irgendetwas festhält." Der Bereich rheinabwärts werde dann mit den Feuerwehrbooten abgefahren. "Und an der Seite stehen dann auch noch Fahrzeuge, die den Uferbereich beobachten."
Die Feuerwehren in Mainz und Wiesbaden teilen sich ein gemeinsames Feuerlöschboot, das im Hafen in Wiesbaden-Schierstein liegt. Außerdem hat die Feuerwehr Mainz noch drei kleine Boote, die im Zollhafen und Winterhafen liegen. "Die werden auch alarmiert und kommen dann stromaufwärts, sodass sie dem Verunfallten eventuell entgegen kommen." Außerdem sei bei der Wasserrettung oft auch ein Hubschrauber im Einsatz. "Er kann von oben wesentlich besser auf die Wasseroberflächen schauen und kann so auch eine Person im Wasser besser erkennen."
Seine Taucherinnen und Taucher gehen allerdings nicht bei jedem Wasserrettungseinsatz ins Wasser. Sie werden laut Olschweski eingesetzt, wenn wegen der Zeugenaussagen zum Beispiel vermutet wird, dass sich die Person in einem bestimmten Bereich unter der Wasseroberfläche befindet. Dann würden die Taucher diesen Bereich absuchen.
In einem Drittel der Fälle finden und retten die Rettungskräfte tatsächlich eine Person im Rhein, schätzt Olschweski. In den anderen Fällen kann es sich zum Beispiel um einen Fehlalarm handeln oder die Person wurde möglicherweise schon weiter abgetrieben. "Es ist auch ganz oft so, dass die Wasserschutzpolizei die Person schon rausgezogen hat, weil sie sowieso mit ihren Booten schon auf dem Wasser ist und deshalb als Erstes vor Ort ist."
40 bis 50 Einsatzkräfte an einer Wasserrettung beteiligt
Der personelle Aufwand bei solchen Einsätzen ist groß. Olschweski schätzt, dass bei einer Wasserrettung auf dem Rhein insgesamt 40 bis 50 Einsatzkräfte beteiligt sind. 20 bis 25 Mal pro Jahr komme es zu solchen Wasserrettungseinsätzen.
Der Klassiker ist das Johannisfest. Da kann man die Uhr nach stellen, dass wir jemanden aus dem Rhein retten müssen.
Gerade im Sommer hat sein Team mehr Einsätze, erzählt Olschweski, wie etwa beim Mainzer Johannisfest. Da gebe es regelmäßig Menschen, die aus dem Wasser gerettet werden müssten.
Die Zahl der Wasserrettungseinsätze sei in den vergangenen Jahren aber recht konstant. "Einen Peak nach oben gibt es, wenn wir mal eine lange heiße Periode haben. Aber ansonsten ist es relativ konstant."
Schwimmen im Rhein rund um Mainz verboten
Dabei ist das Schwimmen und Baden im Rhein rund um Mainz verboten. Dass es trotzdem immer wieder Leute gibt, die im Rhein schwimmen gehen und solche Einsätze auslösen, sei natürlich ärgerlich, sagt Olschweski. "Sie sind sich ihrer Sache sicher und sagen dann: Warum seid ihr da? Das mache ich jeden Tag, dass ich von hier nach Wiesbaden rüberschwimme", so der Leiter des Tauchdienstes weiter. "Aber was sollen wir machen? Man kann die Leute ja nicht zuhause festbinden."
Von Wasserschutzpolizei aus Wasser geholt Betrunkene Schwimmer im Rhein in Mainz müssen Polizeieinsatz bezahlen
Zwei betrunkene junge Männer sind am Donnerstagabend am Mainzer Winterhafen in den Rhein gesprungen. Für ihre Rettung müssen sie bezahlen.
Bei Fahrlässigkeit könnte die Feuerwehr den Schwimmerinnen und Schwimmern die Kosten des Einsatzes aber manchmal in Rechnung stellen, ergänzt der Pressesprecher der Feuerwehr Mainz, Michael Ehresmann. Und die Kosten könnten bei so einem großen Einsatz auch mal schnell mehrere tausend Euro betragen.