Sebastian Hamann (SPD) ist ein Politiker, der seine Worte mit Bedacht wählt. Angesprochen auf Angela Merkels Satz "Wir schaffen das!" kommt seine Antwort schnell: "Wir müssen es schaffen, aber wir haben es nicht geschafft!"
Die Kommunen seien nach wie vor vor große Herausforderungen gestellt, viele Probleme seien nicht gelöst. In Bingen sei besonders eine Frage aktuell: fehlender Wohnraum.
Geflüchtete müssen lange in Sammelunterkünften bleiben
Für viele Geflüchtete bedeutet das, dass sie in einer Sammelunterkunft bleiben müssen, obwohl sie längst anerkannt wurden, einen Job haben und Deutsch können.
So wie der Afghane Resvan Nazari. Er arbeitet bei einer Fast-Food-Kette, verdient genug Geld, um sich eine Wohnung leisten zu können. Aber seit zwei Jahren findet er keine.
Das Leben im Doppelzimmer in der Sammelunterkunft belastet ihn. Er hat den Eindruck, dass die Wohnungssuche für ihn schwerer ist, weil er keinen deutschen Namen hat.
Da steht, ich bin Afghane und dann habe ich leider keine Chance.
40 Geflüchtete suchen aktuell eine Wohnung in Bingen
Aktuell leben in Binger Flüchtlingseinrichtungen 100 Asylbewerber, sagt Sozialdernent Hamann. Dazu müsse die Stadt noch 40 ehemalige Asylbewerber unterbringen, weil sie alle keine Wohnung finden.
"Wir wollen und können die Leute nicht auf die Straße werfen", sagt Hamann, "aber natürlich ist Integration schwierig, wenn die Menschen jahrelang in Unterkünften leben müssen und kaum Kontakt nach außen haben."
Zehn Jahre "Wir schaffen das!" Geflüchtet und was dann? Ein (Rück-)Blick nach Rheinland-Pfalz
Vor zehn Jahren, als viele Flüchtlinge kamen, sagte die damalige Kanzlerin Merkel (CDU) den berühmten Satz: "Wir schaffen das!" Ein SWR-Doku fragt, ob wir es wirklich geschafft haben.
Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt in Bingen ist groß
Der Wohnungsmarkt in Bingen ist, wie in vielen Städten im Rhein-Main-Gebiet, äußerst angespannt. Neben Geflüchteten sind in Bingen auch viele Studierende auf Wohnungssuche, so der Dezernent.
Hinzu kommen Menschen, die wenig Geld haben: zum Beispiel Rentner und Geringverdiener. Sie alle konkurrierten um bezahlbaren Wohnraum.
Sebastian Hamann sagt, es gebe hier durchaus auch Spannungen: "Es entsteht tatsächlich eine gewisse Konkurrenz, die auch spürbar ist, die man auch zu hören bekommt, was dann auch teilweise zu Unmut führt. Wichtig ist, dass man die einzelnen Gruppen nicht gegeneinander ausspielt."
Integration der Geflüchteten noch nicht gelungen
Gelöst werden könne das Problem langfristig nur, indem die Bundesregierung sozialen Wohnungsbau vorantreibt. Auch bei der Integration hätten die Kommunen noch viel Arbeit vor sich, so Hamann.
In Summe muss man sagen, dass die Integration noch lange nicht gelungen ist.
Arbeit und Wohnung sind Schlüssel zur Integration
In Kindergärten und Schulen werde schon viel für die Sprachförderung von Geflüchteten getan, sagt Hamann. Erzieher und Lehrerinnen machten "großartige Arbeit" und leisteten einen erheblichen Beitrag zur Integration.
Für Erwachsene sei der Schlüssel zur Integration Arbeit - und im zweiten Schritt der Einzug in eine eigene Wohnung, raus aus den Unterkünften. Hier sei noch ein weiter Weg zu gehen.