Ein Mensch, der da ist und hilft, wenn erstmal alles fremd erscheint - das sollen die Ehrenamtlichen für Kinder und Jugendliche sein, deren Eltern ihr Sorgerecht nicht ausüben können.
Eine von ihnen ist Birgit Zeller. Seit ein paar Monaten betreut die Mainzerin eine 15-Jährige aus Somalia. Von dort musste das Mädchen allein flüchten, weil sie zu Hause geschlagen wurde und zuletzt auch zwangsverheiratet werden sollte.
Sympathie auf den ersten Blick
Seit dem vergangenen Sommer ist die junge Geflüchtete nun in Mainz. Ihre neue Vormundin Birgit Zeller erinnert sich noch gut an ihr erstes Treffen: "Da ist eine Dolmetscherin dabei und man spricht dann miteinander. Und sie kriegt ja überhaupt mal erst erklärt, wer ich so bin", erzählt die Rentnerin.
Dem Mädchen sei erklärt worden: "Sie kümmert sich um dich wie eine Mutter." Und dass sie jemand sei, der sie vertritt und an den sie sich wenden könne.
Die erste Begegnung sei sehr schön gewesen, berichtet Zeller. "Es war eine Sympathie auf den ersten Blick da."
Gemeinsam lernen und Freizeitaktivitäten
Die Mainzerin und das somalische Mädchen haben schnell eine gute Beziehung zueinander aufgebaut. Ein- bis zweimal die Woche treffen sie sich - entweder im Wohnheim, in dem die 15-Jährige lebt, oder bei der Rentnerin zu Hause.
Zuletzt hätten sie zusammen vor allem Deutsch geübt: "Sie ist total lerninteressiert. Sie war so scharf darauf, in die Schule zu kommen. Sie will keine anderen Sachen machen. Sie will lernen. Nein, wir sollen keine Ausflüge machen", sagt Birgit Zeller und lacht.
"Natürlich machen wir aber außer Lernen noch ein paar andere Sachen: Wir gehen auch mal in den Buchladen oder in eine Ausstellung."
Ehrenamtliche Vormundin vertritt Mädchen auch rechtlich
Neben gemeinsamen Freizeitaktivitäten und diverser Hilfe im Alltag vertritt die Vormundin das Mädchen auch in rechtlichen Belangen. Was das bedeutet, erläutert Gerburg Rizzi vom Mainzer Jugendamt - sie kümmert sich federführend um die ehrenamtlichen Vormundschaften: "Man entscheidet in wichtigen Gesundheitsfragen, darüber, wo das Kind lebt, wer es erzieht. Man entscheidet über die Wahl der Schule, der Ausbildung. Alles, was Eltern für ihre Kinder machen müssen, wo es um rechtliche Vertretung geht."
Deswegen sei es auch wichtig, dass die Ehrenamtlichen sich regelmäßig mit ihren Mündeln treffen, um sie gut kennenzulernen und so beurteilen zu können, was das Beste für sie sei.
Ehrenamtliche Vormundschaft braucht Zeit
Das erfordert natürlich Zeit. Zeit, die Ehrenamtliche meistens deutlich mehr haben als die Mitarbeitenden vom Jugendamt. Normalerweise übernehmen sie in solchen Fällen die Vormundschaft von Minderjährigen, als Amtsvormundschaft.
Die hat aber ihre Grenzen, sagt Rizzi: "Amtsvormunde haben in der Regel zwischen 30 und 50 Mündel pro Vollzeitstelle. Das heißt, hier können Ehrenamtliche sich ganz anders kümmern und sich einbringen."
Insbesondere unbegleitete Geflüchtete würden von einer ehrenamtlichen Vormundschaft profitieren. Außerdem könnten sie bei der Zuteilung jeweils schauen, welches Kind zu welchem Ehrenamtlichen passen könnte sowie individuelle Interessen und Umstände berücksichtigen.
Vor allem Menschen in Rente übernehmen das Ehrenamt
Etwa drei Viertel der ehrenamtlichen Vormundinnen und Vormunde in Mainz sind nicht mehr berufstätig. Auch für Birgit Zeller war der Eintritt in den Ruhestand der richtige Zeitpunkt für diese neue Aufgabe: "Ich wollte nicht in Rente gehen und nur noch Freizeitaktivitäten nachgehen. Ich möchte was Sinnvolles mit Menschen machen, das gleichzeitig für mich was zurückgibt. Und das erfüllt dieses Ehrenamt in perfekter Weise."
Vormundschaft in Mainz gut angelaufen
Das Mainzer Jugendamt freut sich über das Engagement von Zeller und der anderen Ehrenamtlichen. Bisher sei die Resonanz sehr gut und es gebe immer neue Interessierte, freut sich Gerburg Rizzi.
Seit dem Start der ehrenamtlichen Vormundschaft in Mainz hätten sie bereits 20 Menschen geschult, knapp die Hälfte habe bereits eine Vormundschaft übernommen. Das seien vergleichsweise hohe Zahlen.
Es gehe unterm Strich ja nicht darum, die Arbeit des Jugendamtes zu ersetzen: "Die Kinder, die Vormundschaften benötigen, können alle über das Amt versorgt werden. Die Idee der ehrenamtlichen Vormundschaft ist, den Kindern was Gutes zu tun, sie besonders unterstützen zu können." Und das gelinge in Mainz bereits hervorragend. "Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf", fügt Rizzi hinzu und lächelt zufrieden.
Informationen für Interessierte an ehrenamtlicher Vormundschaft
Für Interessierte an einer ehrenamtlichen Vormundschaft in Mainz bietet das Jugendamt regelmäßig Informationsveranstaltungen an. Die nächste findet am 25. Februar um 17 Uhr in der Mainzer Volkshochschule statt.
Die nächste Schulung für potenzielle neue Vormundinnen und Vormunde ist im März geplant. Für beides ist eine vorherige Anmeldung notwendig.