Meinung von SWR-Korrespondent Frederik Merx

Besetzung von Lotto-Posten: "Kein Kommunikations-Fail, sondern Instinktlosigkeit"

Noch im Wahlkampf beschworen CDU und SPD Bürokratieabbau und Sparbereitschaft. Mit einer ihrer ersten Personalentscheidung bewies die neue Koalition dann direkt das Gegenteil.

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Von Autor/in Frederik Merx

Dass es erst einen öffentlichen Aufschrei brauchte, um schwarz und rot ihren Fehler bei der Besetzung der Lotto-Geschäftsführung aufzuzeigen, zeigt nach Meinung des landespolitischen SWR-Korrespondenten Frederik Merx vor allem eins: Instinktlosigkeit.

Es bleibt also dabei: Lotto Rheinland-Pfalz wird von nur einem Geschäftsführer geleitet und der wird Christian Baldauf heißen und kommt aus der CDU. Der Plan, auch dem ehemaligen Landtagspräsidenten Hendrik Hering von der SPD einen so lukrativen neuen Job zu verschaffen, ist gescheitert. Die Doppelspitze kommt nicht. Ersparnis: Etwa 200.000 Euro Jahresgehalt, die nun weiterhin für Sport und Ehrenamt ausgegeben werden können. Richtig so.

Alles nur eine Frage der Kommunikation?

Doch der Schaden ist schon angerichtet - und er lässt sich nicht mit falscher Kommunikation erklären, wie man es dieser Tage aus CDU und SPD gleichermaßen hört. Hätte es einen Unterschied gemacht, wenn die Koalitionspartner beide Geschäftsführer gemeinsam der Öffentlichkeit präsentiert hätten? Hätte man die Entscheidung besser begründen können? Mit Regionalität etwa, weil Baldauf aus der Pfalz kommt und Hering aus dem Westerwald? Oder mit besserer Sichtbarkeit und einer Aufwertung für den Sport, wenn man zwei Geschäftsführer hat, die man zu Terminen von Lotto Rheinland-Pfalz schicken kann?

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Wer das glaubt - und das sind einige in CDU und SPD - hat das Gespür dafür verloren, was bei vielen Wählerinnen und Wählern gerade los ist. Dafür, dass sich viele gerade Sorgen um steigende Lebenshaltungskosten und ihre Arbeitsplätze machen. In dieser Zeit teure, neue Versorgungsposten zu schaffen? Instinktlos.

Übrig bleiben am Ende viele Verlierer

Dass SPD-Mann Hering seinen Fehler erkannte und zurückzog, verdient Respekt. Der Schaden am Respekt vor "denen da oben" war da allerdings schon angerichtet. Von SPD und CDU gleichermaßen. Denn die CDU hatte noch im Wahlkampf Vetternwirtschaft und Filz bei der SPD beklagt, Sparwillen und Bürokratieabbau versprochen, falls man die Staatskanzlei erobern sollte. Und nun besetzt man den Lotto-Posten mit einem CDU-Parteifreund und will im Sinne des Koalitionspoporz gleich noch einen neuen für die SPD schaffen? Glaubwürdig ist das nicht.

Und so steht die heutige Wahl von Christian Baldauf zum einzigen neuen Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz am Ende eines Vorgangs, der viele Verlierer kennt: Den Respekt vor politisch Verantwortlichen, Hendrik Hering, der zurückzog und auch das Image von Lotto Rheinland-Pfalz. Dabei fördert Lotto Ehrenamt und Breitensport und sorgt für Sichtbarkeit und Finanzierung von wichtigen Projekten: Kulturcamps für Kinder und Jugendliche, Umweltschutzaktionen für saubere Flüsse. Den Fokus jetzt wieder darauf zu lenken - wohl die erste und wichtigste Aufgabe für Christian Baldauf.

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Frederik Merx
SWR-Redakteur Frederik Merx

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