Neuer Mobilfunkpakt angekündigt

Warum gibt es 2025 noch Funklöcher in Rheinland-Pfalz?

Der neue Mobilfunkpakt der Landesregierung soll dazu führen, dass zahlreiche Funklöcher in Rheinland-Pfalz gestopft werden. Aber warum gibt es hier überhaupt noch so viele?

Teilen

Stand

Von Autor/in Verena Lörsch

Am Montag hat die Landesregierung einen neuen Mobilfunkpakt bis 2027 unterzeichnet. Vertragspartner sind neben den vier großen Mobilfunknetzbetreibern Vodafone, Deutsche Telekom, Telefonica/O2 und 1&1 erstmals auch die Betreiber der Funkmasten. Von den im ersten Mobilfunkpakt von 2022 vereinbarten 850 neuen Mobilfunkanlagen sind nach Angaben des Digitalisierungsministeriums etwa 760 gebaut worden.

Die vier beteiligten Netzbetreiber haben sich jetzt bereit erklärt, bis Ende 2027 rund 2.100 weitere Standortmaßnahmen zu realisieren. Dies können aufgrund des fortgeschrittenen Netzausbaus sowohl Neubauten als auch Erweiterungen bestehender Anlagen sein, also von 2G auf 4G oder 5G. Damit soll die Netzqualität spürbar verbessert und der Ausbau insbesondere in ländlichen und schwer zugänglichen Gebieten vorangetrieben werden.

Beim Wandern durch den Pfälzerwald, in der Eifel oder im Hunsrück, aber auch in kleinen Gemeinden in Rheinland-Pfalz – immer mal wieder zeigt das Handy an: "Kein Empfang". Auch wenn die Mobilfunkanbieter in den vergangenen Jahren vielerorts neue Funkmasten aufgestellt haben, finden sich auch im Jahr 2025 noch einige Funklöcher im Land. Und zwar mehr als im Rest Deutschlands, wie die Messwoche der Bundesnetzagentur in diesem Jahr ergeben hat. An 1,12 Prozent der Messpunkte hatten die Menschen kein Netz. Deutschlandweit war das nur bei 0,76 Prozent der Standorte der Fall. Aus verschiedenen Gründen schneidet Rheinland-Pfalz in Sachen Mobilfunk so schlecht ab:

Bad Kreuznach

Start der Mobilfunk-Messwoche Handyempfang im Kreis Bad Kreuznach - Wenn selbst der Notruf schwierig wird

Auch in Rheinhessen/Nahe rufen viele Kommunen dazu auf, an der sogenannten Mobilfunk-Messwoche teilzunehmen. Denn auch hier gibt es einige Orte mit Problemen beim Handyempfang.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Vorgaben der Bundesnetzagentur lassen zu viel Raum

Dass an vielen Orten auf dem Land in Rheinland-Pfalz Handynutzer schlechten oder keinen Mobilfunkempfang haben, hängt laut Experten auch mit den bisherigen Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur zusammen.

Wo keiner wohnt, mussten die Mobilfunkbetreiber kein Netz ausbauen.

Die Auflagen hatten Mobilfunknetzbetreiber bislang dazu verpflichtet, bundesweit 98 Prozent der Haushalte mit einer bestimmten Mindestdatenrate zu versorgen – nicht aber 98 Prozent der Fläche. Das kann im Fall ländlich geprägter Regionen wie Rheinland-Pfalz und kleiner Siedlungen zu Lücken führen. "Platt gesagt: wo keiner wohnt, mussten sie kein Netz ausbauen", sagt Andreas Reinhardt, der in der SWR-Wirtschaftsredaktion für Telekommunikation zuständig ist.

Vor kurzem hat die Bundesnetzagentur den Mobilfunkbetreibern neue Vorgaben beim Netzausbau gemacht: Ab 2030 sollen die Unternehmen bundesweit mindestens 99,5 Prozent der Fläche versorgen, also nicht mehr nur der Haushalte. Das dürfte die Situation auf dem Land in Rheinland-Pfalz in den kommenden Jahren verbessern.

Genehmigungsprozesse für Mobilfunkmasten dauern lang

Ein weiterer Grund für den mancherorts schleppenden Netzausbau: In den vergangenen Jahren dauerte die Genehmigung für einen Funkmast nicht selten sehr lange, "teilweise über 14 Monate", sagt Janine Welsch, Leiterin des Bereichs Telekommunikationspolitik bei Bitkom. Aus Sicht des Telekommunikationsverbands sei der Bürokratie-Abbau ein "großer Hebel".

Eine Frau steht auf dem Land und schaut auf ihr Handy. (Bürger und Bürgerinnen wie Claudia Diesler aus Münstermaifeld-Mörz (Kreis Mayen-Koblenz) müssen nach Mobilfunkempfang in ihrem Ort lang suchen.)
Bürger und Bürgerinnen wie Claudia Diesler aus Münstermaifeld-Mörz (Kreis Mayen-Koblenz) müssen nach Mobilfunkempfang in ihrem Ort lang suchen.

Dass gut 37 Prozent der Flächen hierzulande naturschutzrechtlich geschützt sind und Natur- und Umweltschutzbelange in Genehmigungsverfahren bislang häufig Vorrang hatten, habe die Baugenehmigungen für Funkmasten verlangsamt, befindet Welsch.

Hieran setzte die Bundesregierung mit einer Gesetzesänderung in diesem Sommer an. Durch diese wird dem Mobilfunkausbau "überragendes öffentliches Interesse" beigemessen. Behörden können dadurch dem Mobilfunkausbau vor Ort künftig Vorrang gegenüber anderen Interessen, beispielsweise Naturschutz, einräumen.

Social-Media-Beitrag auf Instagram

Schwierige Suche nach Standorten für Mobilfunkmasten

"Geeignete Standorte für Funkmasten sind sehr knapp", sagt Bitkom-Bereichsleiterin Welsch. In den letzten Jahren komme es mancherorts auch zu einer "Konkurrenz" zwischen dem Ausbau des Mobilfunknetzes und dem Ausbau erneuerbarer Energien. "Teilweise wurden bestehende Mobilfunkmasten gekündigt, weil diese die neue PV-Anlage verschatten würden", berichtet die Bitkom-Bereichsleiterin.

Geeignete Standorte für Funkmasten sind sehr knapp.

Daher wünscht sich der Telekommunikationsverband von Ländern wie Rheinland-Pfalz, aber auch von Kommunen, mehr Flächen für den Bau von Funkmasten zur Verfügung zu stellen.

Mit dem Bau des Funkmasts ist es nicht getan

Der Bau eines Funkmasts ist laut Vodafone-Sprecher Volker Petendorf ein wichtiger, aber "klitzekleiner Schritt" auf dem Weg zur Inbetriebnahme. "Ist ein neuer Mast gebaut, bedarf es meist noch ein bis zwei Jahre harter Arbeit bis zur Inbetriebnahme", so der Sprecher.

Nach dem Bau des Masts müsse die neue Mobilfunkstation an das Stromnetz sowie das weltweite Telekommunikationsnetz angebunden werden. Dazu müsse auch die Antennentechnik aufgebaut und in Betrieb genommen werden – alles in allem ein aufwendiger und langwieriger Prozess.

Mörz

Mobilfunk-Messwoche startet Zum Telefonieren an die Bushaltestelle: Schlechtes Netz in Mörz

Dort, wo Menschen leben, sollte es eigentlich keine Funklöcher mehr geben. Aber dann gibt es Orte wie Mörz - wo man zum Telefonieren an die Bushaltestelle geht.

Ein Beispiel des Vodafone-Sprechers: Der Dienstleister Vantage Towers habe seit April 2024 insgesamt 39 neue Maststandorte in Rheinland-Pfalz gebaut und an Vodafone übergeben. Davon seien rund ein Jahr später lediglich sieben Standorte bereits "on air" gewesen.

Schöne Landschaft - kein Handyempfang. Wer etwa über die Geierlay-Brücke bei Mörsdorf im Hunsrück spaziert, stößt immer wieder auf Funklöcher.
Schöne Landschaft - kein Handyempfang. Wer etwa über die Geierlay-Brücke bei Mörsdorf im Hunsrück spaziert, stößt immer wieder auf Funklöcher.

Netzausbau im hügeligen Rheinland-Pfalz herausfordernd

Beispielsweise beim Spaziergang über die bekannte Geierlay-Brücke bei Mörsdorf im Hunsrück stoßen Handynutzer immer wieder auf "einschlägig bekannte Funklöcher", so der Mörsdorfer Ortsbürgermeister Marcus Kirchhoff. Dass es in den Tälern schwierig ist, eine Verbindung zu bekommen, sei zum Beispiel für Wanderer problematisch, die auf der Geierlay-Schleife unterwegs sind und Hilfe benötigen.

Laut Telekom-Sprecherin Julia della Peruta ist der Mobilfunkausbau in Rheinland-Pfalz wegen der vielen Berge und Täler herausfordernder als in anderen Bundesländern. "So ist es (...) schwieriger, baulich und funktechnisch geeignete Standorte für Mobilfunkmasten zu finden", berichtet die Sprecherin.

Mobilfunkversorgung wird gemessen Wo die Funklöcher in Rheinland-Pfalz liegen

Nicht alle Teile von Rheinland-Pfalz sind vom Mobilfunk abgedeckt. Um einen besseren Überblick zu bekommen, sollen Handynutzer in den nächsten Tagen per App Funklöcher melden.

Dass der Ausbau auch in hügeligem Gelände technisch durchaus möglich ist, zeigt der Blick in die Alpenstaaten Österreich und Schweiz. "Berge, Täler und Wald mit Mobilfunk zu versorgen ist möglich, aber teuer", sagte SWR-Telekommunikationsexperte Andreas Reinhardt. "Das rechnet sich für die Netzbetreiber nicht." Dass die Bundesnetzagentur und der Mobilfunkpakt des Landes auch dünn besiedelte Regionen in den Blick nehmen, dürfte dem Netzausbau in den ländlichen Regionen im Land aber zu Gute kommen.

Bürger protestierten gegen Funkmasten

Heutzutage fordern zwar viele Bürgerinnen und Bürger eine flächendeckende Mobilfunkversorgung ein. Doch immer mal wieder formiert sich auch Protest gegen neu geplante Funkmasten, beispielsweise in den vergangenen Jahren in Schönborn im Rhein-Lahn-Kreis. Hier äußert eine Bürgerinitiative Bedenken über Gefahren der 5G-Technologie. Diese stuft die Bundesärztekammer aktuell als gesundheitlich unbedenklich ein.

Auch Befürchtungen, ihre Häuser in Mastnähe können an Wert verlieren, die Ansicht, dass Masten die Landschaft verschandelten, oder Naturschutz waren in der Vergangenheit bereits Anlässe zu protestieren oder zu klagen.

Storch sitzt auf Funkmast

Bürgerproteste gegen Funkmasten kämen zwar immer wieder vor, sagt SWR-Telekommunikationsexperte Andreas Reinhardt, seien aber in ganz Rheinland-Pfalz eher Einzelfälle – also nicht der Hauptgrund, warum der Netzausbau im Land teilweise schleppend voran geht.

145 Millionen neue Messpunkte Mobilfunk: Im Südwesten gibt es die meisten Funklöcher

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gibt es im Vergleich zu anderen Bundesländern mehr regionale Probleme mit dem Handyempfang. Das ist das Ergebnis einer Messung von Ende Mai.

SWR1 Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Merzalben

Löcher im Funknetz Funkloch-App in der Südwestpfalz getestet

Im Westen der Pfalz haben Handy-Nutzer an vielen Orten mit Funklöchern zu kämpfen. Per App können sie die Orte ohne Netz oder mobiles Internet melden.