Eine kalte Vorspeisenplatte, die Suppe oder das Schnitzel mit Pommes und Salat - auf diese Speisen müssen Restaurantbetreiber künftig nicht mehr 19 Prozent Mehrwertsteuer, sondern nur noch sieben Prozent bezahlen. Eine Erleichterung für die Gastwirte, denn die vergangenen Jahre waren schwierig, erzählt Andreas Röth, Restaurantbetreiber in Bad Kreuznach.
Die Gäste würden sich schon überlegen, ob sie eine Suppe als Vorspeise oder einen Nachtisch nehmen. "Das Weggehen ist schon noch drin, aber die Leute überlegen für was sie Geld ausgeben", so der Gastwirt. Er und sein Partner betreiben in Bad Kreuznach drei Restaurants.
Steuersenkung macht sich auf der Speisekarte kaum bemerkbar
Ihre Gäste werden die Steuersenkung also nur an wenigen Stellen merken: Ein paar Suppen und Salate sollen günstiger werden. Röths Gäste zeigen dafür Verständnis. "Sie (die Gastronomen, Red.) sitzen auf hohen Kosten und haben Mitarbeiter die immer teurer werden, Lebensmittel ebenso, jeder kennt das", sagt ein Mann.
Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Rheinland-Pfalz (DEHOGA), Gereon Haumann, glaubt, dass auch die Gäste von der Steuersenkung profitieren werden. Die Betreiber könnten nun weiter in qualifizierte Mitarbeiter und attraktive Gasträume investieren und die Preise zumindest stabil halten. "Damit werden viele familiengeführte Betriebe gerettet werden können", so Haumann.
Kritik von Ökonomen an Mehrwertsteuersenkung
Während also Schnitzel, Steak, Pizza und Döner durch die Mehrwertsteuersenkung kaum billiger werden, könnte die Hilfe für die Gastronomen den Staat jährlich etwa 3,6 Milliarden Euro an weniger Steuereinnahmen kosten. Deshalb gibt es an der Steuersenkung auch Kritik.
Ökonomen etwa bemängeln, dass von der Entlastung nur eine Branche profitiert. "Denken Sie an Einzelhandel, Handwerk, viele Sektoren, die zu kämpfen haben, mit Kostendruck zu kämpfen haben", sagt Professor Friedrich Heinemann vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung. Es sei deshalb einfach keine Antwort, einer bestimmten Branche eine Subvention zu geben, wo die Interessensvertreter am lautesten rufen.
Und die Verbraucherorganisation foodwatch kritisiert, dass von der Steuersenkung nicht nur Gaststätten und Restaurants profitieren würden, sondern auch große Fast-Food-Ketten: "Während Verbraucher unter hohen Lebensmittelpreisen ächzen, bekommen Fast-Food-Konzerne ein Steuergeschenk", heißt es in einer Pressemitteilung.
Ob dieses Jahr durch die reduzierte Mehrwertsteuer wirklich auch mehr Menschen ins Restaurant gehen werden, ist offen. Wer sich gerne Essen liefert lässt, für den gilt ohnehin schon lange der niedrige Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, der nur im Coronajahr 2020 für sechs Monate auf fünf Prozent gesenkt wurde.