AfD gegen Verfassungsänderung

Alter Landtag, neue Regeln: Wer kontrolliert künftig wen in RLP?

Im rheinland-pfälzischen Landtag spitzt sich ein Machtkonflikt zu. Noch vor der Konstituierung des neuen Parlaments könnten die Spielregeln politischer Kontrolle geändert werden.

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Von Autor/in Olaf Kapp

Im rheinland-pfälzischen Landtag spitzt sich ein politischer Konflikt zu. Der Zeitplan für die von CDU, SPD und Grünen geplante Änderung der rheinland-pfälzischen Landesverfassung steht. Der Ältestenrat hat an diesem Dienstag zwei Sondersitzungen beschlossen. Der Landtag kommt noch vor dem Zusammentritt des neuen Parlaments in seiner bisherigen Zusammensetzung am Mittwoch nächster Woche (29.4.) und am Mittwoch in der darauf folgenden Woche (6.5.) zusammen.

Im Kern geht es um die Frage, wie leicht Untersuchungsausschüsse eingesetzt werden können - ein wichtiges Kontrollinstrument der Opposition. Bislang reicht dafür ein Fünftel (20 Prozent) der Abgeordneten. Künftig soll die Schwelle auf 25 Prozent festgelegt werden. Was technisch klingt, ist politisch brisant.

AfD im Fokus der geplanten Verfassungsänderung

Hintergrund ist vor allem die gestärkte AfD. Mit 24 Abgeordneten wäre sie künftig allein stark genug, um dieses Instrument regelmäßig zu nutzen. Die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen wollen das verhindern und argumentieren, dass Untersuchungsausschüsse so gezielt als politisches Druckmittel eingesetzt werden könnten. Die AfD hatte auch schon angekündigt, das zu tun - zum Beispiel mit einem U-Ausschuss zur Corona-Politik.

Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Damian Lohr, sprach von einem "politisch höchst fragwürdigen Vorgang" und warf den anderen Fraktionen vor, mit dieser "koordinierten Aktion" die eigenen Interessen absichern zu wollen. "Eine derart kurzfristige und grundlegende Änderung zentraler Oppositionsrechte ist eine politisch motivierte Machtsicherung", kritisierte Lohr.

Mehr als Parlamentspolitik: AfD-Strategie in der Fläche

Der Konflikt ist Teil einer größeren Entwicklung. Die AfD arbeitet daran, ihre Stärke nicht nur im Parlament auszubauen. Mit Bürgerbüros, Veranstaltungen und gezielten Angeboten will sie stärker in der Fläche präsent sein und Menschen langfristig an sich binden.

Untersuchungsausschüsse sind dabei mehr als ein politisches Werkzeug. Sie bieten Aufmerksamkeit, schaffen Themen und können öffentliche Debatten prägen. Genau das macht sie so umkämpft.

Gab es Sitzungen vom "alten Landtag" schon einmal?

Sitzungen eines "alten" Landtags nach einer Wahl sind nicht neu. In Rheinland-Pfalz kam das mehrfach vor - etwa 1963 bei einer Trauersitzung für einen verstorbenen Abgeordneten oder später bei Sachentscheidungen in den 1970er- und 80er-Jahren.

Allerdings: So politisch aufgeladen wie jetzt war die Situation selten. Damals ging es meist um Formalien oder einzelne Themen - heute um die Spielregeln politischer Macht. Es geht nicht nur um eine Formalie. Sondern um die Frage, wie politische Macht künftig ausgeübt - und begrenzt - wird.

Warum die geplante Verfassungsänderung Sie betrifft

Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Streit unter Politikern. Tatsächlich geht es aber um Grundfragen, die den Alltag vieler Menschen betreffen:

  • Kontrolle der Regierung: Untersuchungsausschüsse können Missstände aufdecken, etwa bei Behördenversagen oder politischen Fehlentscheidungen
  • Politische Stabilität: Häufige oder strategisch eingesetzte Ausschüsse können das politische Klima verschärfen
  • Vertrauen in Politik: Der Eindruck, ob Regeln fair sind oder gezielt verändert werden, beeinflusst das Vertrauen in demokratische Institutionen

Kurz gesagt: Es geht darum, wie Politik künftig funktioniert - und wie stark Opposition und Regierung sich gegenseitig kontrollieren können.

Rheinland-Pfalz

Pläne von CDU, SPD und Grünen Verfassungsänderung: Hürden für U-Ausschuss sollen höher werden

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RLP

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Die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im rheinland-pfälzischen Landtag soll schwerer werden. Die Änderung richtet sich vor allem gegen die AfD. Eine Analyse.

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