Verkehrsministerin und Wirtschaft fordern Ausbau

Finanzlücke gefährdet A1-Ausbau – Industrie und Anwohner schlagen Alarm

Durch das kleine Eifeldorf Dreis-Brück rauschen tagtäglich pro Stunde tausende Fahrzeuge. Der A1 Lückenschluss sollte Entlastung bringen, doch nun steht er auf der Kippe.

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Die Autos fahren durch den kleinen Ort, weil wenige Kilometer entfernt die Autobahn abreißt. Auf der A1 klafft zwischen Kelberg und Blankenheim eine 25 Kilometer lange Lücke. Seit Jahrzehnten warten Menschen in der Region auf den Lückenschluss. Doch statt über die Autobahn rollen viele Lkw und Pendler durch die Dörfer.

Immer wieder haben Naturschutzverbände gegen den Ausbau geklagt. Ende des Jahres wird ein entscheidendes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erwartet. Sollte es gegen die Umweltschützer ausfallen, könnten die Bauarbeiten beginnen – so die Hoffnung vieler Anwohnerinnen und Anwohner. Doch nun steht auch hinter der Finanzierung ein großes Fragezeichen. Medienberichten zufolge will die Bundesregierung aus Kostengründen auf einige geplante Verkehrsprojekte verzichten. Bundesweit geht es um 74 Planungsprojekte zum Aus- und Neubau von Autobahnen, einige betreffen auch Rheinland-Pfalz, wie etwa der Lückenschluss der A1.

Familien in Dreis-Brück halten es nicht mehr aus

Nicole Heinrichs wohnt mit ihrem Sohn direkt an der Hauptstraße. Ein hoher Zaun soll die Kinder schützen, falls sie doch einmal allein hinausgehen. "Fenster öffnen ist hier kaum möglich, im Haus wackeln die Wände, wenn Lkw vorbeidonnern. Abends gibt es oft Kopfschmerzen – das ist unser Alltag", schildert sie.

Wann kommt der Lückenschluss der A1?
Ein kleiner Zaun - das einzige Hindernis zwischen Haus und Straße

Auch Familie Schwunn klagt, als sie ihr Haus vor mehr als zehn Jahren kauften, sei die Situation noch deutlich entspannter gewesen. "Heute können die Kinder nicht mehr allein zur Bushaltestelle gehen. Der Lkw-Verkehr ist extrem – und das Tag und Nacht", sagt der Familienvater.

Wirtschaft im Land reagiert geschockt

Die rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Verkehrsministerin Daniela Schmitt (FDP) lud zu einem Infrastrukturgipfel ein. Auch dort war der A1 Lückenschluss ein zentrales Thema, ebenso wie der Ausbau der A643 bei Mainz. Wichtige Verkehrsprojekte müssten trotz Finanzlücke beim Bund umgesetzt werden, forderte die Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU). Eine funktionierende Infrastruktur sei entscheidend für Pendler, Unternehmen und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Sollten diese Projekte erneut ins Stocken geraten, wäre das nach Ansicht der LVU ein massiver Vertrauensverlust in die Politik.

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Auch die Industrie- und Handelskammer Koblenz warnt vor den Folgen. "Dass ein so lange geplantes und für die Region wichtiges Projekt womöglich nicht mehr umgesetzt werden kann, sorgt für große Verunsicherung", heißt es von IHK-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel.

Wachsende Ungeduld

In Dreis-Brück selbst wächst die Wut. Viele fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Wir haben keine Lebensqualität mehr. Es ist nur noch Lärm, Abgase – und das mitten zwischen unseren Häusern.

Im Ort habe man sich auf das Wort von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) verlassen. Demnach würden nach einem Urteil gegen die Umweltschützer die Bagger rollen, berichtet Ortsbürgermeisterin Löhr-Hoffmann. Wenn nun doch kein Geld da sein sollte, sei das eine Katastrophe für Dreis-Brück.

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SWR

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