Als mit Patrick Schnieder ein Politiker aus Rheinland-Pfalz Verkehrsminister in der neuen schwarz-roten Bundesregierung wurde, knüpften sich daran große Hoffnungen in der Landespolitik, dass er helfen würde, wichtige Verkehrsprojekte im Land voran zu bringen. Doch wie sieht es auf den Großbaustellen im Land derzeit aus? Wie ist der Stand der Dinge?
- Ausbau der A643 zwischen Mainz und Wiesbaden stockt
- Autobahnkreuz Mainz-Wiesbaden soll bald fertig werden
- Lückenschluss an der A1 in der Eifel kommt nicht voran
- Beim Ausbau der Moselschleusen hakt es
- Auch Rheinvertiefung lässt seit langem auf sich warten
- Fernverbindungen von Trier nach NRW kommen doch nicht
- Wieder stündliche Verbindung Wittlich-Luxemburg
- Ahrtalbahn soll Ende des Jahres wieder fahren
Das ländliche geprägte Rheinland-Pfalz ist ein Land der Berufspendler. Viele wohnen in kleineren Dörfern und Städten auf dem Land und fahren zur Arbeit in die großen Ballungszentren im Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Raum. Und nicht überall sind die Ziele zügig mit Bus und Bahn zu erreichen. Daher sind viele Menschen auf das Auto und auf ein gut ausgebautes Straßennetz angewiesen.
Ausbau der A643 zwischen Mainz und Wiesbaden stockt
Eine der wichtigsten Verkehrsachsen ist sicher die A643 zwischen Mainz und Wiesbaden über die Schiersteiner Brücke. Seit Jahren ist der sechsspurige Ausbau umstritten. Umweltschützende weisen daraufhin, dass die vielbefahrene Strecke am Naturschutzgebiet "Mainzer Sand" mit seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt vorbeiführt. Wirtschaftsvertreter betrachten den Ausbau dagegen als dringend erforderlich, um Staus zu vermeiden sowie Berufspendler und Transportwege zu entlasten.
Nun hat die EU-Kommission vorerst "Nein" zu einem sechsspurigen Ausbau der Strecke gesagt. Denn der "Mainzer Sand" sei ein einzigartiges europäisches Naturschutzprojekt. Die geplanten Ausgleichsmaßnahmen reichten nicht aus, um die "erheblichen Schäden" zu kompensieren. Zudem verweist die EU-Kommission auf die schon in anderen Regionen erfolgreich getestete 4+2-Variante. Sie sei für den Abschnitt noch nicht ausreichend erprobt worden. Dabei werden bei starkem Verkehrsaufkommen die beiden Standspuren zusätzlich für den Verkehr freigegeben. Wie es jetzt weitergeht, ist noch unklar. Neue Pläne von Bundesverkehrsminister Schnieder mit einem angeblich geringeren Flächenverbrauch beim Ausbau blieben vage.
Naturschutzgebiet Mainzer Sand Vorerst kein Ausbau der A643 bei Mainz - EU sagt Nein
Der sechsspurige Ausbau der Autobahn 643 durch das Naturschutzgebiet Mainzer Sand scheint erstmal vom Tisch. Die EU-Kommission stimmt dem nicht zu. Unklar ist, wie es weitergeht.
Autobahnkreuz Mainz-Süd soll bald fertig werden
Seit 2017 müssen Berufspendelnde, die von der A63 aus Kaiserslautern kommen, am Autobahnkreuz Mainz-Süd Umleitungen in Kauf nehmen. Grund für die Verzögerungern der Dauerbaustelle sind vor allem die Brückenkonstruktionen. Nun die gute Nachricht: Im September soll das Autobahnkreuz fertig sein - falls das Wetter mitspielt.
Am Autobahnkreuz Mainz-Süd laufen mit der A60 und der A63 wichtige Verkehrsadern aus Rheinland-Pfalz in Richtung Rhein-Main-Gebiet zusammen. Auf der A60 sind laut Autobahn GmbH täglich um die 100.000 Fahrzeuge unterwegs. Auf der A63 sind es etwa 80.000.
Grund für die Fahrbahnverengungen, Sperrrungen und Tempolimits sind zwei marode Brücken. Die überspannen die A63 und die A60. Eine Baufirma hatte geschludert, sodass sich an der neuen Brücke auf der A60 in Richtung Frankfurt Risse gebildet hatten. Die Bauarbeiten mussten daraufhin neu ausgeschrieben werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 43 Millionen Euro.
Dauerbaustelle verschwunden Autobahnkreuz Mainz-Süd nach rund acht Jahren wieder frei
Die Baustelle auf der A60/A63 in Mainz gab es fast ein Jahrzehnt. Aber das ist jetzt Geschichte! Das Autobahnkreuz Mainz-Süd kann wieder voll genutzt werden.
Lückenschluss der A1 in der Eifel lässt seit Jahren auf sich warten
Der Lückenschluss der A1 in der Eifel ist auch im übertragenen Sinn eine Dauerbaustelle. Im November 2023 klagte die Umweltschutzorganisation BUND gegen das Projekt vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. "Diese seit 85 Jahren geplante Autotransit-Piste quer durch intakte Eifellandschaft ist angesichts der sich verschärfenden Klima- und Biodiversitätskrise völlig aus der Zeit gefallen." Die Klage wird vom Naturschutzbund (NABU) und von anderen Verbänden sowie Privatpersonen unterstützt.
Für den Abschnitt zwischen Adenau im Kreis Ahrweiler und Kelberg im Kreis Vulkaneifel wurde im Sommer 2023 ein Planfeststellungsbeschluss erlassen. Landesverkehrsministerin Daniela Schmitt (FDP) hatte den Erlass als "wichtigen Meilenstein für dieses Projekt" bezeichnet. Die A1 verbindet den Raum Köln/Bonn mit Trier und wird an dieser Stelle in der Eifel unterbrochen - zum Leidwesen von Berufspendlern und Spediteuren.
Wasserstraßen in Rheinland-Pfalz
Aber auch auf dem Wasser gibt es in Rheinland-Pfalz viele Wege, die für den Tourismus, aber auch den Gütertransport lebenswichtig sind - insbesondere auf den großen Flüssen Mosel und Rhein. Neben den Frachtern verkehren dort viele Tourismus-Schiffe.
Ausbau der Moselschleusen kommt nicht voran
Nach dem Schleusenunfall in Müden im Dezember auf der Mosel wurden deutlich, wie wichtig der Ausbau der Schleusen wäre. Manches Projekt dauert schon Jahre. Warum geht es nicht voran? Damals hatte ein Schiff das Schleusentor so stark beschädigt, dass es ersetzt werden musste. Um die Schiffe dennoch moselabwärts Richtung Rhein zu schleusen, musste eine aufwändige Notschleusung betrieben werden.
Im Sommer 2025 beschädigte ein weiteres Schiff die Schleuse in Sankt Aldegund. Allerdings konnte dieses Schleusentor weiter genutzt werden, so dass die Problematik nicht ganz so groß war.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) fordert seit langen einen Ausbau der Moselschleusen. Dabei geht es vor allem um den Bau einer zweiten Schleusenkammer. Der Wirtschaft in der ganzen Region leide. Auch Umweltschutzorganisation wie der NABU sind für den Ausbau. Die Bundespolitiker machen sich gegenseitig für den schleppenden Ausbau in den vergangenen 30 Jahren verantwortlich.
Aktuell geht es um den Ausbau der Schleuse in Lehmen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministerium hätten in Zeiten knapper Kassen andere Infrastrukturprojekte Vorrang. Bisher gibt es nur in Trier, Zeltingen und Fankel jeweils eine zweite Schleusenkammer.
Am Beispiel der Schleuse in Lehmen Darum dauert der Ausbau der Moselschleusen so lange
Nach dem Schleusenunfall in Müden auf der Mosel wird deutlich, wie wichtig der Ausbau der Schleusen wäre. Manches Projekt dauert schon Jahre. Warum geht es nicht voran?
Auch Rheinvertiefung lässt seit langem auf sich warten
Während es auf der Mosel immerhin Schleusen gibt, die den Wasserstand bei Hoch- bzw. Niedrigwasser ausgleichen können, und so die Schifffahrt ermöglichen, ist dies auf dem Rhein nicht möglich. Angesichts der immer größeren Hitze- und Trockenperioden bereitet vor allem Niedrigwasser der Binnenschifffahrt große Sorgen.
Wirtschaftsministerin Schmitt fordert daher mehr Tempo bei der Rheinvertiefung. Die Fahrrinne des Rheins soll zwischen Budenheim bei Mainz und Sankt Goar um 20 Zentimeter vertieft werden. Jedes Binnenschiff soll damit künftig rund 200 Tonnen mehr an Ladung aufnehmen können. Niedrigwasserphasen würden die Ladekapazität der Binnenschifffahrt einschränken und könnten die Transportkosten für die Industrie so um ein Mehrfaches in die Höhe treiben, befürchtet Schmitt.
Die Schifffahrt auf dem Rhein ist vor allem für die Chemie-Industrie von großer Bedeutung. Allein die BASF am Standort Ludwigshafen wickele rund 40 Prozent des gesamten Warenein- und ausgangs per Schiff ab, so Schmitt: "Die Anpassung der Wasserstraßeninfrastruktur an die Auswirkungen des Klimawandels und damit die Sicherstellung der Leistungsfähigkeit der Binnenschifffahrt hat daher für den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz einen sehr hohen Stellenwert." Die BASF setzt inzwischen auf spezielle Schiffe für Niedrigwasser. Die Schiffe sind ein Teil der Maßnahmen, die die BASF nach dem extremen Niedrigwasser im Jahr 2018 angestoßen hat.
Bei seinem Besuch auf dem Rhein bei Sankt Goar betonte Patrick Schnieder am Mittwoch die Bedeutung der wichtigsten Wasserstraße Deutschlands: "Sie hat ungeheure Bedeutung für die Wirtschaft und wir müssen uns mit den Gegebenheiten hier befassen, um diese Bedeutung des Rheins auch weiterhin zu behalten." Zu Beginn der Projekts 2019 war man von einer Fertigstellung bis 2030 ausgegangen, 2022 hieß es dann "Anfang der 2030er Jahre". Heute wird klar: 2033 sollen die Arbeiten für die Rheinvertiefungen beendet sein. Allein die Vorplanung wird etwa doppelt so lange dauern wie die eigentliche Arbeit selbst.
Schifffahrt auf dem Rhein RLP-Wirtschaftsministerium fordert schnellere Rheinvertiefung wegen Niedrigwasser
Angesichts des aktuellen Niedrigwassers im Rhein fordert die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) mehr Tempo bei der Rheinvertiefung.
Viel Kritik an der Deutschen Bahn
Auch bei uns beklagen sich Urlaubsreisende, Berufspendler sowie Schülerinnen und Schüler über unpünktliche und überfüllte Züge, viele Ausfälle und Umleitungen und eine schlechte Informationspolitik der Bahn. Das liegt am Personalmangel, an technischen Problemen, etwa in Stellwerken, aber auch an der gerade laufenden Generalsanierung vieler Strecken - wie zuletzt der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Nun gibt es eine weitere schlechte Nachricht.
Fernverbindungen von Trier nach Nordrhein-Westfalen kommen vorerst nicht
Seit mehreren Jahren ist Trier vom Fernverkehr der Deutschen Bahn abgeschnitten. Mit einer schnelleren Verbindung in Richtung Köln sollte sich das ändern. Ab Ende 2025 sollte es dreimal täglich mit dem Zug von Luxemburg über Trier nach Köln und weiter nach Düsseldorf gehen. Dazu sollten neue, sogenannte Expresszüge, eingesetzt werden, wie der Zweckverband Schienenpersonen-Nahverkehr (SPNV) Nord mitteteilte. Bisher gab es lediglich einmal täglich eine Direktverbindung zwischen Luxemburg und Düsseldorf. Doch nun wird diese im Dezember 2025 eingestellt.
Auch die neuen Züge zum Fahrplanwechsel Ende Dezember kommen nicht zum Einsatz, wie der SPNV Nord auf seiner Homepage mitteilte. Grund sind Baumaßnahmen, die sich auch überregional auswirken. Im ersten Halbjahr 2026 kommt es auf der linken Rheinseite und an der Moselstrecke zu vielen Baustellen, im zweiten Halbjahr wird die rechte Rheinseite generalsaniert.
Mehr direkte Verbindungen zwischen Trier und Köln werde es nun erst mit der kompletten Elektrifizierung der Eifelstrecke geben. Ab 2029 soll dann der RE 12 alle zwei Stunden zwischen Trier und Köln verkehren.
"Weststrecke" zwischen Wittlich und Luxemburg reaktiviert
Erfreuliche Informationen gibt es dagegen für viele Berufspendler nach Luxemburg. Seit Anfang März fahren wieder stündlich Züge auf der sogenannten Weststrecke zwischen Wittlich und Luxemburg-Stadt. Es handelt sich dabei um Doppelstock-Elektrozüge der luxemburgischen Bahngesellschaft CFL. Seit 1983 fuhren nur noch Güterzüge auf der linken Moselseite.
Reaktivierung der Weststrecke Pendler aus Trier froh über neue Zugverbindung nach Luxemburg
Drei Tage ist die Weststrecke in Betrieb. Erste Pendlerinnen und Pendler nutzen sie bereits. Die Strecke wurde reaktiviert und zählt zu den größten ÖPNV-Projekten im Land.
Außerdem fährt täglich im Stundentakt eine Regionalbahn vom Haltepunkt Trier-Hafenstraße nach Konz und zum Teil weiter nach Saarburg.
Leider fahren aber auf dem Streckenabschnitt Trier-Luxemburg ab 23. August für drei Wochen keine Züge. Die Ersatzbusse sind deutlich länger unterwegs. Nach Angaben der Luxemburger Bahngesellschaft CFL wird ein Streckenabschnitt von 13 Kilometern bis Mitte September saniert. Dort müssen 22.000 Schwellen ausgetauscht werden.
Ahrtalbahn soll Ende des Jahres wieder fahren
Vor vier Jahren wurden bei der Flutkatastrophe im Ahrtal auch viele Bahnstrecken und -brücken völlig zerstört. Auch die Ahrtalbahn von Remagen nach Ahrbrück war betroffen. Mittlerweile sind bereits alle Brücken fertiggestellt. Bis Ende August sollen auch die Gleise verbaut sein.
Seit der Flut im Juli 2021 ist die Bahnverbindung auf dem 14 Kilometer langen Abschnitt zwischen Walporzheim und Ahrbrück unterbrochen. Neben den Brücken wurden fünf Tunnel umfassend saniert. In ihnen wurde außerdem Stein weggesprengt, um die Tunnelröhre zu vergrößern. Damit ist nun Platz für die Elektrifizierung der Ahrtalbahn - ein Beitrag für den Klimaschutz. Vorher fuhren die Züge mit Diesel.
Strecke soll bis Ende 2025 wieder in Betrieb sein Wiederaufbau der Ahrtalbahn: Alle Brücken fertig
Vier Jahre nach der Flut: Der Wiederaufbau der Ahrtalbahn läuft planmäßig. Alle Brücken sind fertig - ab Ende 2025 sollen auf ganzer Strecke wieder Züge fahren.
Fazit: Vor allem auf der Straße und den Flüssen bleibt noch einiges zu tun in Rheinland-Pfalz. Lichtblicke gibt es ausgerechnet bei der sonst so stark kritisierten Bahn.