Holzbalken stapeln sich in einer Produktionshalle in Schönecken im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Späne liegen auf dem Boden. Zimmermeister Jochen Floss schneidet mit einer Kreissäge eine Holzplatte klein. Er und seine Mitarbeiter arbeiten an einem neuen Blockhaus.
Jochen Floss führt mit seinem Bruder Martin einen Familienbetrieb, der Blockhäuser und Holzrahmen baut. Die Firma gibt es seit mehr als 100 Jahren. Die Mitarbeitenden haben viel zu tun, die Auftragsliste ist lang. Ganz rund läuft es im Unternehmen trotzdem nicht. Vor fünf Jahren hat das Hochwasser den Betrieb schwer getroffen. Das Unternehmen liegt direkt an der Nims.
Werkstatt überschwemmt, Maschinen unter Wasser
Damals wurde aus dem Flüsschen Nims ein reißender Strom. Jochen Floss kann sich noch gut daran erinnern, als er und die Familie von den Wassermassen überrascht wurden. "Wir standen bis zum Hals im Wasser und hatten versucht, zu retten, was zu retten war", erzählt der Zimmermeister. Holzbalken, Platten und Werkzeuge wurden aus den Hallen gespült. Maschinen standen unter Wasser.
Am nächsten Tag war hier nur noch Schlamm, Dreck und Chaos.
Ein fertiges Blockhaus stand schon auf einem Lkw. Am nächsten Tag sollte es zu einem Kunden gehen. Dann kam die Flut – und zerstörte alles. "Am nächsten Tag war hier nur noch Schlamm, Dreck und Chaos", erinnert sich Floss. Er konnte nicht glauben, was passiert war.
Für die beiden Brüder war klar: Jetzt steht eine riesige Bewährungsprobe an.
Denn versichert waren nur die Gebäude. Die Kosten für die zerstörten Maschinen, die Werkzeuge und das Holz mussten sie selber stemmen. Die Versicherung zahlte dafür nicht. Sie mussten an ihr Erspartes und ihre Rücklagen ran.
Nasse Motoren im Backofen getrocknet
"Wir haben die Maschinen selbst notdürftig repariert, damit sie überhaupt wieder liefen und wir weiterarbeiten konnten", sagt Floss. Eine professionelle Reparatur wäre viel zu teuer gewesen. "Wir haben die Motoren ausgebaut, im Backofen getrocknet und später am Küchentisch wieder zusammengesetzt", berichtet der Eifeler. Manche Geräte waren aber nicht mehr zu retten – und mussten auf den Müll.
Nach der Flut gab es auch Hilfe: "Wir haben von einem Schreiner eine Hobelmaschine bekommen", sagt Jochen Floss. Auch viele Menschen aus dem Ort haben das Familienunternehmen unterstützt. Sein Bruder Martin ist den Helferinnen und Helfern bis heute dankbar. "Sie sind zu uns gekommen und haben unterstützt, das große Chaos zu beseitigen. Wir haben sie nicht mal fragen müssen".
Die Wassermassen sind weg, der Schock sitzt immer noch tief
Das Hochwasser ist inzwischen fünf Jahre her. Die Erinnerungen daran kommen immer wieder zurück. "Das sind kurze Momente, die wie in Zeitlupe ablaufen. Man versucht, es zu verdrängen", sagt Martin Floss.
Ihre Familien unterstützen sie, alles zu verarbeiten. Viel drüber reden helfe. "Das alles braucht Zeit", sagt Floss .
Pläne für Modernisierung stehen
Eigentlich wollten Martin und Jochen Floss ihr Unternehmen fit für die Zukunft machen: eine neue Heizung einbauen, die Hallen sanieren. Dann kam die Flut – und machte alles zunichte. "Das Hochwasser hat uns um Jahre zurückgeworfen", sagt Jochen Floss. Der Betrieb ist noch nicht wieder auf dem Niveau wie vor der Flut.
Jetzt soll die Wende kommen. "Wir können so langsam an den Ausbau und die Modernisierung denken", sagt Floss. Wann auch die letzten Spuren des Hochwassers nicht mehr sichtbar sind, weiß in dem Familienunternehmen niemand. "Das wird bestimmt noch mal fünf Jahre dauern – wenn nicht sogar länger."