Hochwasser der Nims hat Firma schwer getroffen

Eifeler Familienbetrieb: Die Flut ist vorbei – der Kampf geht weiter

Viele Menschen in der Eifel waren vom Hochwasser 2021 betroffen. Auch ein Unternehmen in Schönecken wurde von der Nims überflutet. Der Wiederaufbau läuft bis heute.

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Stand

Von Autor/in Daniel Novickij

Holzbalken stapeln sich in einer Produktionshalle in Schönecken im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Späne liegen auf dem Boden. Zimmermeister Jochen Floss schneidet mit einer Kreissäge eine Holzplatte klein. Er und seine Mitarbeiter arbeiten an einem neuen Blockhaus.

Das Hochwasser hat das Unternehmen in Schönecken in der Eifel stark getroffen.
Jochen (l.) und Martin Floss (r.) führen in Schönecken ein Unternehmen, das insgesamt sechs Mitarbeiter beschäftigt. Das Hochwasser vor fünf Jahren hat ihre Existenz fast zerstört.

Jochen Floss führt mit seinem Bruder Martin einen Familienbetrieb, der Blockhäuser und Holzrahmen baut. Die Firma gibt es seit mehr als 100 Jahren. Die Mitarbeitenden haben viel zu tun, die Auftragsliste ist lang. Ganz rund läuft es im Unternehmen trotzdem nicht. Vor fünf Jahren hat das Hochwasser den Betrieb schwer getroffen. Das Unternehmen liegt direkt an der Nims.

Werkstatt überschwemmt, Maschinen unter Wasser

Damals wurde aus dem Flüsschen Nims ein reißender Strom. Jochen Floss kann sich noch gut daran erinnern, als er und die Familie von den Wassermassen überrascht wurden. "Wir standen bis zum Hals im Wasser und hatten versucht, zu retten, was zu retten war", erzählt der Zimmermeister. Holzbalken, Platten und Werkzeuge wurden aus den Hallen gespült. Maschinen standen unter Wasser.

Am nächsten Tag war hier nur noch Schlamm, Dreck und Chaos.

Ein fertiges Blockhaus stand schon auf einem Lkw. Am nächsten Tag sollte es zu einem Kunden gehen. Dann kam die Flut – und zerstörte alles. "Am nächsten Tag war hier nur noch Schlamm, Dreck und Chaos", erinnert sich Floss. Er konnte nicht glauben, was passiert war.

Ein Blick auf die Eingangstore der Lagerhalle zeigt: Das Hochwasser hat im Betrieb in Schönecken in der Eifel ein Chaos hinterlassen.
Ein Blick auf die Eingangstore der Lagerhalle zeigt: Die Werkstatt wurde durch das Hochwasser schwer getroffen. Freiwillige Feuerwehr Schönecken

Für die beiden Brüder war klar: Jetzt steht eine riesige Bewährungsprobe an.
Denn versichert waren nur die Gebäude. Die Kosten für die zerstörten Maschinen, die Werkzeuge und das Holz mussten sie selber stemmen. Die Versicherung zahlte dafür nicht. Sie mussten an ihr Erspartes und ihre Rücklagen ran.

Nasse Motoren im Backofen getrocknet

"Wir haben die Maschinen selbst notdürftig repariert, damit sie überhaupt wieder liefen und wir weiterarbeiten konnten", sagt Floss. Eine professionelle Reparatur wäre viel zu teuer gewesen. "Wir haben die Motoren ausgebaut, im Backofen getrocknet und später am Küchentisch wieder zusammengesetzt", berichtet der Eifeler. Manche Geräte waren aber nicht mehr zu retten – und mussten auf den Müll.

Baumstämme, Möbel und ein Wohnwagen - die Wassermassen der Nims rissen in Schönecken alles mit sich mit.
Das Hochwasser verursacht in Schönecken in der Eifel große Schäden. Freiwillige Feuerwehr Schönecken

Nach der Flut gab es auch Hilfe: "Wir haben von einem Schreiner eine Hobelmaschine bekommen", sagt Jochen Floss. Auch viele Menschen aus dem Ort haben das Familienunternehmen unterstützt. Sein Bruder Martin ist den Helferinnen und Helfern bis heute dankbar. "Sie sind zu uns gekommen und haben unterstützt, das große Chaos zu beseitigen. Wir haben sie nicht mal fragen müssen".

Überflutete Keller und Straßen - die Feuerwehr hatte in Schönecken viel zu tun.
Überflutete Keller und Straßen - die Feuerwehr hatte in Schönecken viel zu tun. Freiwillige Feuerwehr Schönecken

Die Wassermassen sind weg, der Schock sitzt immer noch tief

Das Hochwasser ist inzwischen fünf Jahre her. Die Erinnerungen daran kommen immer wieder zurück. "Das sind kurze Momente, die wie in Zeitlupe ablaufen. Man versucht, es zu verdrängen", sagt Martin Floss.

Kaputte Maschinen, Werkzeuge und Blech - all das ist vom Hochwasser übrig geblieben.
Kaputte Maschinen, Werkzeuge und Blech - all das ist vom Hochwasser übrig geblieben. Jochen Floss will bald alles wegwerfen.

Ihre Familien unterstützen sie, alles zu verarbeiten. Viel drüber reden helfe. "Das alles braucht Zeit", sagt Floss .

Pläne für Modernisierung stehen

Eigentlich wollten Martin und Jochen Floss ihr Unternehmen fit für die Zukunft machen: eine neue Heizung einbauen, die Hallen sanieren. Dann kam die Flut – und machte alles zunichte. "Das Hochwasser hat uns um Jahre zurückgeworfen", sagt Jochen Floss. Der Betrieb ist noch nicht wieder auf dem Niveau wie vor der Flut.

Jetzt soll die Wende kommen. "Wir können so langsam an den Ausbau und die Modernisierung denken", sagt Floss. Wann auch die letzten Spuren des Hochwassers nicht mehr sichtbar sind, weiß in dem Familienunternehmen niemand. "Das wird bestimmt noch mal fünf Jahre dauern – wenn nicht sogar länger."

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Daniel Novickij
Daniel Novickij arbeitet als Korrespondent im Regionalbüro in Gerolstein in der Vulkaneifel.

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