Im ehemaligen Gasthof Christoffel in Ediger-Eller im Kreis Cochem-Zell hat sich vor Jahren das ganze Dorfleben abgespielt: Von der Tauffeier über die Hochzeit bis zum Leichenschmaus. Doch wo früher gelacht, getanzt und gefeiert wurde, klackern heute Tastaturen und es rauscht die Kaffeemaschine.
Aus der Gaststätte ist 2022 das sogenannte Moselwerk geworden. Ein Bürokomplex, der von Ortsgemeinde und Verbandsgemeinde gemeinsam vermietet wird.
Günstigere Miete dank Coworking an der Mosel
Katrin Hegewald aus Bullay leitet eine Bootsschule. Sie bucht seit zwei Jahren das Moselwerk regelmäßig, um dort zu arbeiten. Ihr gefällt die Ruhe an ihrem Arbeitsplatz, denn die dicken Mauern des Gebäudes schirmen viele Geräusche von draußen ab. "Wenn ich hier reinkomme, dann ist es für mich Entspannung. Ich habe hier keinen Straßenlärm und kann mich wunderbar auf die Arbeit konzentrieren."
Für ihre Lehrgänge nutzt sie den Konferenzraum mit dem langen Tisch und einem Bildschirm für Präsentationen. Einzelgespräche führt sie in einem der kleineren Büros. Der Vorteil des Coworking-Spaces: Die Kunden können die Räume spontan anmieten und zu vergleichsweise niedrigen Preisen. Hegewald spart sich damit die Kosten für die Miete eines dauerhaften Büros.
Selbstständige nutzen das Angebot
Der Coworking-Space in Ediger-Eller ist einer von 13 sogenannten Dorfbüros in Rheinland-Pfalz. Die Entwicklungsagentur des rheinland-pfälzischen Innenministeriums hat in den vergangenen Jahren geholfen, sie mit aufzubauen, um attraktive Arbeitsplätze auch in kleinen Gemeinden zu schaffen.
Und das Angebot komme auch gut an, sagt Patrick Weirich, einer der Betreuer im Moselwerk - bei Selbstständigen aus der Region wie Katrin Hegewald und bei internationalen Expats auf der Durchreise - zum Beispiel Softwareentwickler aus Asien, die einen Zwischenstopp an der Mosel einlegen.
Mosel ist beliebt für Teamausflüge
Aber auch bei großen Firmen aus Großstädten wie Köln, Mainz oder Frankfurt werde der Coworking-Space immer beliebter, sagt Weirich: "Die nutzen die Räume für mehrtägige Teamausflüge. Die fahren dann Kanu und machen Weinproben und dann wird ein paar Tage zusammengearbeitet."
Die Unternehmen verbinden also Arbeit und Urlaub. "Workation" heißt das in der Fachsprache. Und gerade dieses Modell könnte eine Chance für Kommunen und Betriebe in der Region sein, die ohnehin vom Tourismus leben.
"Workation" im Weingut
Ein privater Betrieb, der darauf setzt, ist das Weingut „Staffelter Hof“ in Kröv (Kreis Bernkastel-Wittlich). Jan Klein verkauft dort nicht nur seinen Wein und vermietet Ferienwohnungen, sondern auch Arbeitsplätze im Büro in der Scheune und auf dem Hof.
Mit Erfolg, wie der Winzer sagt: "Im Hauptbüro haben wir einen Arbeitsplatz, der ist meistens vermietet." Der Mann komme alle paar Tage mit seinem Laptop vorbei. "Der gehört fast schon zum Team", sagt Klein.
Urlaub und Arbeit verbinden: Neue Zielgruppen
Bisher ist "Workation" für den "Staffelter Hof" nur ein Nebenerwerb. Die Idee dahinter ist es aber, neue Zielgruppen zu erreichen, sagt Laura Alt, die dafür im Betrieb zuständig ist. Im Blick hat sie Menschen, die von überall mit dem Laptop arbeiten können. "Die brauchen vielleicht einen Tapetenwechsel, wollen mal raus aus der Stadt und auf dem Land ein bisschen durchatmen", erklärt sie.
Und das am Besten an Werktagen, wenn im "Staffelter Hof" und an der Mosel wenig los ist. Die meisten Touristen kommen für einen Kurztrip am Wochenende. Das heißt: Von montags bis freitags sind viele Ferienwohnungen und Restaurants leer. Wenn es gelingt, Berufstätige und ihre Laptops an die Mosel zu locken, könnte sich das ändern, glaubt Alt.
200.000 Euro für 22 Nutzer: Wenn Coworking scheitert
Doch dafür müssen Betriebe und Kommunen auch etwas bieten. In Minheim (Kreis Bernkastel-Wittlich) zum Beispiel sind die Pläne für einen Coworking-Space gescheitert. Das Projekt hatte viel mehr gekostet als es eingebracht hatte. Deshalb hatte der Gemeinderat es eingestellt.
Der Bund der Steuerzahler Rheinland-Pfalz kritisierte damals öffentlich: "Für das Coworking-Space-Projekt wurden bis zum Abbruch rund 208.000 Euro aufgewendet. Auf der Habenseite stehen wiederum magere Einnahmen von insgesamt rund 5.200 Euro durch die Vermietung des Coworking-Space an 22 Nutzer. Was für ein finanzieller Flop!"
Nicht alle Coworking-Spaces sind ausgelastet
Und nicht nur dieses Beispiel zeigt: Eine gute Lage mit Flussblick reicht nicht aus. Auch der Coworking-Space in Müden sei nicht voll ausgelastet, sagt Ortsbürgermeister Franz Oberhausen: "Wir haben aktuell zwei feste Nutzer, ansonsten sind die Buchungen sporadisch. Wir könnten noch mehr Kunden aufnehmen."
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Vernetzung, Technik und Lage entscheiden
Simone Röhr von der Initiative "Fasznation Mosel" weiß, worauf es ankommt: "Workation klappt nicht, wenn man einen Kunden in irgendeine dunkle Ecke setzt." Neben der Lage des Coworking-Spaces muss auch die technische Ausstattung stimmen, sagt sie: "Das fängt damit an, dass man einen zweiten Bildschirm hat und eine schnelle Internetverbindung."
Wichtig sei auch, dass die Anbieter der Coworking-Spaces sich mit Gastronomen und Anbietern von Freizeitaktivitäten vernetzen, sodass Kunden ein Gesamtpaket an der Mosel bekommen. Kleine Orte ohne Restaurants und Angebote hätten es schwerer.
Dass die Region grundsätzlich Potential hat, stehe außer Frage, sagt Röhr. Einrichtungen wie das Moselwerk in Ediger-Eller belegten das. Bootsschulleiterin Katrin Hegewald kann sich nicht mehr vorstellen, woanders zu arbeiten.