Angebote für Touristen und Einheimische

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Coworking als Chance für die Mosel

In alten Gasthöfen und Weingütern an der Mosel entstehen moderne Arbeitsplätze. Beispiele zeigen, wann das Modell "Workation" floppt und wann es funktioniert.

Teilen

Stand

Von Autor/in Christian Altmayer

Im ehemaligen Gasthof Christoffel in Ediger-Eller im Kreis Cochem-Zell hat sich vor Jahren das ganze Dorfleben abgespielt: Von der Tauffeier über die Hochzeit bis zum Leichenschmaus. Doch wo früher gelacht, getanzt und gefeiert wurde, klackern heute Tastaturen und es rauscht die Kaffeemaschine.

Im Moselwerk gibt es auch einen großen Konferenzraum, der für Seminare und Workshops genutzt werden kann.
Im "Moselwerk" gibt es auch einen großen Konferenzraum, der für Seminare und Workshops genutzt werden kann.

Aus der Gaststätte ist 2022 das sogenannte Moselwerk geworden. Ein Bürokomplex, der von Ortsgemeinde und Verbandsgemeinde gemeinsam vermietet wird.

Günstigere Miete dank Coworking an der Mosel

Katrin Hegewald aus Bullay leitet eine Bootsschule. Sie bucht seit zwei Jahren das Moselwerk regelmäßig, um dort zu arbeiten. Ihr gefällt die Ruhe an ihrem Arbeitsplatz, denn die dicken Mauern des Gebäudes schirmen viele Geräusche von draußen ab. "Wenn ich hier reinkomme, dann ist es für mich Entspannung. Ich habe hier keinen Straßenlärm und kann mich wunderbar auf die Arbeit konzentrieren."

Katrin Hegewald leitet eine Bootsschule in Treis-Karden an der Mosel. Für Seminare bucht sie sich die Räume im Co-Working-Space in Ediger-Eller.
Katrin Hegewald leitet eine Bootsschule in Treis-Karden an der Mosel. Für Seminare bucht sie sich die Räume im Co-Working-Space in Ediger-Eller.

Für ihre Lehrgänge nutzt sie den Konferenzraum mit dem langen Tisch und einem Bildschirm für Präsentationen. Einzelgespräche führt sie in einem der kleineren Büros. Der Vorteil des Coworking-Spaces: Die Kunden können die Räume spontan anmieten und zu vergleichsweise niedrigen Preisen. Hegewald spart sich damit die Kosten für die Miete eines dauerhaften Büros.

Selbstständige nutzen das Angebot

Der Coworking-Space in Ediger-Eller ist einer von 13 sogenannten Dorfbüros in Rheinland-Pfalz. Die Entwicklungsagentur des rheinland-pfälzischen Innenministeriums hat in den vergangenen Jahren geholfen, sie mit aufzubauen, um attraktive Arbeitsplätze auch in kleinen Gemeinden zu schaffen.

Ist zufrieden damit, wie sich der Coworking-Space entwickelt: Betreuer Patrick Weirich.
Ist zufrieden damit, wie sich der Co-Working-Space entwickelt: Betreuer Patrick Weirich.

Und das Angebot komme auch gut an, sagt Patrick Weirich, einer der Betreuer im Moselwerk - bei Selbstständigen aus der Region wie Katrin Hegewald und bei internationalen Expats auf der Durchreise - zum Beispiel Softwareentwickler aus Asien, die einen Zwischenstopp an der Mosel einlegen.

Mosel ist beliebt für Teamausflüge

Aber auch bei großen Firmen aus Großstädten wie Köln, Mainz oder Frankfurt werde der Coworking-Space immer beliebter, sagt Weirich: "Die nutzen die Räume für mehrtägige Teamausflüge. Die fahren dann Kanu und machen Weinproben und dann wird ein paar Tage zusammengearbeitet."

Arbeit mit Aussicht: So sieht es in den Büros im Staffelter Hof in Kröv aus. Dort können sich Feriengäste einen Arbeitsplatz mieten.
Arbeit mit Aussicht: So sieht es in den Büros im Staffelter Hof in Kröv aus. Dort können sich Feriengäste einen Arbeitsplatz mieten.

Die Unternehmen verbinden also Arbeit und Urlaub. "Workation" heißt das in der Fachsprache. Und gerade dieses Modell könnte eine Chance für Kommunen und Betriebe in der Region sein, die ohnehin vom Tourismus leben.

"Workation" im Weingut

Ein privater Betrieb, der darauf setzt, ist das Weingut „Staffelter Hof“ in Kröv (Kreis Bernkastel-Wittlich). Jan Klein verkauft dort nicht nur seinen Wein und vermietet Ferienwohnungen, sondern auch Arbeitsplätze im Büro in der Scheune und auf dem Hof.

Der Winzer Jan Klein betreibt das Weingut "Staffelter Hof". In seinem Hof und in seiner Scheune kann mit dem Laptop gearbeitet werden.
Der Winzer Jan Klein betreibt das Weingut "Staffelter Hof". In seinem Hof und in seiner Scheune kann mit dem Laptop gearbeitet werden.

Mit Erfolg, wie der Winzer sagt: "Im Hauptbüro haben wir einen Arbeitsplatz, der ist meistens vermietet." Der Mann komme alle paar Tage mit seinem Laptop vorbei. "Der gehört fast schon zum Team", sagt Klein.

Urlaub und Arbeit verbinden: Neue Zielgruppen

Bisher ist "Workation" für den "Staffelter Hof" nur ein Nebenerwerb. Die Idee dahinter ist es aber, neue Zielgruppen zu erreichen, sagt Laura Alt, die dafür im Betrieb zuständig ist. Im Blick hat sie Menschen, die von überall mit dem Laptop arbeiten können. "Die brauchen vielleicht einen Tapetenwechsel, wollen mal raus aus der Stadt und auf dem Land ein bisschen durchatmen", erklärt sie.

Laura Alt veranstaltet nicht nur Weinproben im Staffelter Hof. Sie will auch das Thema "Workation" vorantreiben.
Laura Alt veranstaltet nicht nur Weinproben im Staffelter Hof. Sie will auch das Thema "Workation" vorantreiben.

Und das am Besten an Werktagen, wenn im "Staffelter Hof" und an der Mosel wenig los ist. Die meisten Touristen kommen für einen Kurztrip am Wochenende. Das heißt: Von montags bis freitags sind viele Ferienwohnungen und Restaurants leer. Wenn es gelingt, Berufstätige und ihre Laptops an die Mosel zu locken, könnte sich das ändern, glaubt Alt.

200.000 Euro für 22 Nutzer: Wenn Coworking scheitert

Doch dafür müssen Betriebe und Kommunen auch etwas bieten. In Minheim (Kreis Bernkastel-Wittlich) zum Beispiel sind die Pläne für einen Coworking-Space gescheitert. Das Projekt hatte viel mehr gekostet als es eingebracht hatte. Deshalb hatte der Gemeinderat es eingestellt.

Ortsansicht Minheim
Der Ort Minheim liegt idyllisch. Mit dem Co-Working-Space hat es trotzdem nicht geklappt.

Der Bund der Steuerzahler Rheinland-Pfalz kritisierte damals öffentlich: "Für das Coworking-Space-Projekt wurden bis zum Abbruch rund 208.000 Euro aufgewendet. Auf der Habenseite stehen wiederum magere Einnahmen von insgesamt rund 5.200 Euro durch die Vermietung des Coworking-Space an 22 Nutzer. Was für ein finanzieller Flop!"

Nicht alle Coworking-Spaces sind ausgelastet

Und nicht nur dieses Beispiel zeigt: Eine gute Lage mit Flussblick reicht nicht aus. Auch der Coworking-Space in Müden sei nicht voll ausgelastet, sagt Ortsbürgermeister Franz Oberhausen: "Wir haben aktuell zwei feste Nutzer, ansonsten sind die Buchungen sporadisch. Wir könnten noch mehr Kunden aufnehmen."

Eifel/Mosel/Hunsrück

Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.

Vernetzung, Technik und Lage entscheiden

Simone Röhr von der Initiative "Fasznation Mosel" weiß, worauf es ankommt: "Workation klappt nicht, wenn man einen Kunden in irgendeine dunkle Ecke setzt." Neben der Lage des Coworking-Spaces muss auch die technische Ausstattung stimmen, sagt sie: "Das fängt damit an, dass man einen zweiten Bildschirm hat und eine schnelle Internetverbindung."

Simone Röhr ist die Geschäftsführerin der Initiative "Faszination Mosel". Ihr Ziel ist es, die Moselregion zu stärken.
Simone Röhr ist die Geschäftsführerin der Initiative "Faszination Mosel". Ihr Ziel ist es, die Moselregion zu stärken.

Wichtig sei auch, dass die Anbieter der Coworking-Spaces sich mit Gastronomen und Anbietern von Freizeitaktivitäten vernetzen, sodass Kunden ein Gesamtpaket an der Mosel bekommen. Kleine Orte ohne Restaurants und Angebote hätten es schwerer.

Dass die Region grundsätzlich Potential hat, stehe außer Frage, sagt Röhr. Einrichtungen wie das Moselwerk in Ediger-Eller belegten das. Bootsschulleiterin Katrin Hegewald kann sich nicht mehr vorstellen, woanders zu arbeiten.

Tengen-Blumenfeld

Mit frischen Ideen und Engagement Schloss Blumenfeld: Leben und Arbeiten in historischem Ambiente

Ein 600 Jahre altes Schloss in Tengen wird zum lebendigen Wohn- und Arbeitsort. Kreative Köpfe teilen hier Räume, Ideen und Gemeinschaft in einzigartigem Ambiente.

Kaiserslautern

Erstes Jahr erfolgreich gemeistert Virtual Reality, Klima und neues Café: So geht es im "42" in Kaiserslautern weiter

Für das Innovationszentrum "42" in der Innenstadt von Kaiserslautern ist das erste Jahr gut gelaufen und das Angebot wird angenommen. Wie wird es im kommenden Jahr weitergehen?

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Wintrich

Ein Dorf und sein ökologischer Fußabdruck Nachhaltiger Tourismus: Wintrich an der Mosel machts vor

Wintrich wirbt damit, die nachhaltigste Gemeinde an der Mosel zu sein. Der Strom kommt aus Windkraft. In der Gemeinde gibt es auch viele Ideen für nachhaltigen Tourismus.

Der Vormittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Traben-Trarbach

Schiffstouristen als Wirtschaftsfaktor Wie Kreuzfahrten den Tourismus an der Mosel ankurbeln

Immer mehr Touristen besuchen die Mosel mit Kreuzfahrtschiffen. Das gefällt nicht jedem. Doch es gibt auch viele Menschen, deren Existenz inzwischen von den Schiffen abhängt.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!