Es ist Freitagmorgen am Moselufer in Trarbach. Gästeführer Günter Hauenstein holt eine Touristen-Gruppe vor der "Viva Moments" ab, die dort angelegt hat. Es ist eines der großen Kreuzfahrtschiffe, die manchen ein Dorn im Auge sind. Für Gästeführer Hauenstein allerdings sind die schwimmenden Hotels ein Segen.
Seit mehr als 30 Jahren führt der Rentner Touristen durch Traben-Trarbach. Und immer mehr von ihnen kommen mit großen Schiffen an, sagt Hauenstein: "Diesen Monat sind es sieben Touren, die ich für Kreuzfahrt-Touristen mache. Natürlich profitiere ich davon."
Kreuzfahrt-Touristen buchen viele Stadtführungen
Heute geht es in die Traben-Trarbacher Unterwelt. Die Touristen begleiten Hauenstein durch die Weinkeller der Stadt, die einmal einer der wichtigsten Weinumschlagplätze Europas war. Es ist eine beliebte Tour für die Feriengäste, die oft nur einen Tag in der Stadt verbringen.
"Das heißt aber nicht, dass sie kein Geld hier ausgeben", sagt Hauenstein: "Nach der Führung gehen viele noch was essen oder sie kaufen Wein und Souvenirs."
Ladeninhaberin: "Jeder dritte Kunde kommt vom Schiff"
Zum Beispiel bei Diane Hansen, die in Traben einen Geschenke-Laden betreibt. Sie sagt, jeder dritter ihrer Kunden kommt von einem der Schiffe: "Manche kaufen Postkarten und schicken sie an ihre Kinder. Die sehen dann, dass es hier schön ist, und dann kommen sie selbst vorbei."
Wenn die Schiffe nicht mehr in Traben-Trarbach anlegen würden - wie sich das manche Anwohner wünschen, müsste Hansen womöglich zumachen. Und nicht nur sie. Denn an dem Kreuzfahrttourismus hängen mittlerweile viele Existenzen entlang der Mosel.
Touristiker: Image der Mosel profitiert
Gerade jetzt, zur Zeit der Traubenlese und der Weinfeste, brummt das Geschäft. In den Städten Bernkastel-Kues, Cochem, Traben-Trarbach, Trier und Zell halten jeden Tag mehrere Schiffe an.
Die Reedereien schätzen die Mosel aber nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten, der Burgen und der Weinberge, sondern auch wegen der Schleusen. Die ermöglichen, dass der Fluss zu allen Jahreszeiten genug Wasser für die großen Schiffe führt.
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Auch die Mosellandtouristik GmbH erkennt einen Trend: "Die Schiffe werden immer größer und die Reedereien kommen mit immer mehr Schiffen." Das trage "zum positiven Image der Mosel" bei, meint Sprecherin Christiane Heinen: "Die Mosel wird als internationales Reiseziel sichtbarer und attraktiver, insbesondere für Gäste aus dem Ausland."
Touristen kommen aus weit entfernten Ländern
Die Truppe, die Günter Hauenstein an diesem Tag durch Traben-Trarbach führt, ist ebenfalls weit gereist. Viele Engländer sind darunter, aber auch Finnen, US-Amerikaner und Kanadier.
"Für mich ist das bereichernd, so viele Menschen aus so vielen Nationen kennenzulernen", sagt der Gästeführer, der früher einen Bürojob bei der Bundeswehr hatte. Was sie anlockt, ist vor allem das Erlebnis "Kreuzfahrt". Von der Mosel hatten viele noch nie etwas gehört.
Ohne die Schiffsreise wären sie also wohl nicht in Traben-Trarbach gelandet. Und auch nicht im Weinkeller von Julia Berger, der ersten Station auf der Führung.
Winzer verkaufen Wein an Kreuzfahrer
Auf dem Weg in den Keller drückt Günter Hauenstein jedem der Touristen ein Weinglas in die Hand. Und während die Gäste die alten Fässer bestaunen, schenkt die Winzerin ihnen ihren Riesling ein.
"Wir verdienen natürlich Geld mit den Stadtführungen", sagt Berger: "Und im besten Fall kommen die Gäste nochmal alleine wieder oder bestellen noch ein paar Flaschen oder eine Kiste" Gerade bei Besuchern aus Deutschland oder den Nachbarländern komme das häufiger vor.
Weinproben für Passagiere als Geschäftsmodell
Ihr Kollege Axel Emert aus Traben hat auf die Schiffe sogar sein ganzes Geschäftsmodell aufgebaut. Der Winzer organisiert Weinproben mit bis zu 70 Gästen im großen Kellergewölbe seines Weingutes.
Auch an diesem Tag erwartet er wieder zwei große Gruppen. "Alles Passagiere von den Kreuzfahrtschiffen", sagt Emert. Wenn die nicht mehr kämen, stünde sein Betrieb vor dem Aus. Der Protest gegen die Schiffsanleger macht ihn deshalb sauer: "Traben-Trarbach ist eine Touristenstadt. Wenn wir uns jetzt noch gegen die Touristen auflehnen, dann ist die Stadt bald kaputt."
Emert und auch seine Kollegin Julia Berger können verstehen, dass die Schiffe nicht jedem gefallen. Insbesondere, wenn sie direkt vor der eigenen Haustür anlegen. "Klar, die machen Krach. Sie sind auch nicht gerade schön und verstellen den Blick auf den Fluss", sagt Winzerin Berger: "Aber die Gefahr, dass es Überhand nimmt, sehe ich noch nicht."
Anwohner gehen gegen Schiffsanleger vor
Die Mitglieder der Bürgerinitiative "Kreuzfahrtschiffsanleger stoppen" sehen das anders. Sie fordern, dass in Innenstädten - wie in Traben-Trarbach - keine Anleger mehr gebaut werden sollen. Der Grund: Lärm und Abgase.
Und auch andernorts sind die Schiffe ein Reizthema: In Trier sind es Kanufahrer, die sich gegen einen neuen Anleger am Ufer wehren. Sie sehen durch die Schiffe die Sicherheit auf und das Leben im Fluss gefährdet. Gästeführer Günter Hauenstein glaubt hingegen, dass die Mehrheit der Anwohner hinter den Kreuzfahrten seht, weil viele hier von ihnen leben.
Gäste sagen: Sie wollen wiederkommen
Nach eineinhalb Stunden setzt er seine Gruppe wieder an der "Vista Moments" ab. Der ein oder andere will noch einen Abstecher in die Fußgängerzone machen oder nächstes Jahr wiederkommen.
Günter Hauenstein braucht nach so vielen Touren jetzt erstmal eine Pause. Er will Urlaub machen, auf einem Kreuzfahrtschiff auf der Donau: "Und da kaufe ich sicher auch das ein oder andere Souvenir ein - so wie unsere Feriengäste das ja auch machen."