Alles begann mit einem kleinen Dorfladen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verkaufte Firmengründer Bernard Clemens in Wittlich Haushaltswaren - all das, was die Menschen eben so brauchten.
Bis ein Winzer aus Trittenheim kam und ihn um einen Gefallen bat: Ein Gerät, das ihm das Arbeiten am Steilhang erleichtert. Clemens baute ihm einen sogenannten Sitzpflug, der an einer Seilwinde den Berg hochgezogen wurde.
"Das war der Einstieg in den Weinbau", sagt Patrick Clemens, heute geschäftsführender Gesellschafter bei Clemens Technologies - und Enkel des Gründers. Aus dem Einzelauftrag wurde ein Unternehmen, das heute Maschinen für über 50 Länder der Welt baut.
Marktführer, aber kaum bekannt
Clemens Technologies ist ein sogenannter "Hidden Champion". Ein Begriff für Firmen, die in einer Nische Weltmarktführer sind - und trotzdem kaum einer kennt.
"Diese Unternehmen sind stark im Export, hoch spezialisiert und oft in ländlichen Regionen angesiedelt", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Jörn Block von der Universität Trier. In Deutschland gibt es laut dem Institut der deutschen Wirtschaft etwa 1.600 davon - viele, wie Clemens, im ländlichen Raum.
Wir liefern in alle Länder, in denen Reben wachsen.
Die Maschinen aus Wittlich - etwa zur Bodenbearbeitung oder Blattpflege - stehen in Frankreich, Italien, den USA, Argentinien, Australien, Neuseeland, Südafrika. "Wir liefern in alle Länder, in denen Reben wachsen", sagt Clemens. Etwa 80 Prozent der Maschinen werden ins Ausland verkauft. Kein Wunder, denn in Deutschland gibt es nur rund 100.000 Hektar Weinbaufläche. Frankreich hat im Vergleich etwa achtmal so viel.
Der Trend gehe überall in dieselbe Richtung, so Patrick Clemens. "Winzerinnen und Winzer wollen nachhaltiger arbeiten, mit weniger Chemie und mehr Präzision." Genau darauf sind die Wittlicher Maschinen ausgelegt.
Nische unter Druck
Doch auch diese Nische verändert sich. Der Weinkonsum sinkt, die Direktvermarktung der Winzer schrumpft, das Investitionsklima wird rauer. In den USA erschweren 15 Prozent Zoll die Geschäfte, und neue Anbieter drängen in den Markt. "Während Corona wollten plötzlich viele in den Weinbau - auf einmal war die Nische sehr klein", so Clemens.
"Viele Hidden Champions waren über Jahrzehnte hinweg ein Erfolgsmodell des deutschen Mittelstands", sagt Professor Block. "Aber ihre Märkte verändern sich. Die Automobilindustrie, der Maschinenbau oder auch der Weinbau stehen unter starkem internationalem Druck. Hinzu kommen globale Unsicherheiten wie Zölle oder Handelskonflikte - und das spüren gerade exportorientierte Unternehmen sehr deutlich".
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Clemens Technologies hat auf die angespannte Lage am Weinberg reagiert. Etwa mit einem neuen Gerät für den Olivenanbau. Auch das, sagt Professor Block, sei typisch für Hidden Champions: "Sie übertragen ihr Spezialwissen auf neue Felder."
Global denken, regional bleiben
Trotz aller Internationalität - der Standort Wittlich bleibt. Hier bildet das Unternehmen aus, hier wird entwickelt und montiert. Patrick Clemens: "Müsste ich das Unternehmen noch mal gründen, würde ich es wieder in Wittlich tun."