"TBK" – wer in der Fußgängerzone von Wittlich unterwegs ist, sieht diese drei Buchstaben an fast jeder Straßenecke. Was die Graffiti bedeuten sollen, ist ein Rätsel. Genau wie die Identität des Sprayers, der damit seit Monaten die Innenstadt voll sprüht.
An Geschäften, Wohnhäusern, Bushaltestellen, auf Stromkästen und Mülleimern - überall findet sich der mysteriöse Schriftzug. Mal in blau, mal in lila oder gelb. Und es ist ein bisschen wie bei dem britischen Streetart-Künstler Banksy: Der Wittlicher Sprüher ist ein Phantom.
Hohe Kosten für Beseitigung der Schmierereien
Die meisten Anwohner sehen in seinen "Werken" trotzdem keine große Kunst. "Sie sind ja nicht schlecht gemacht", sagt etwa Thomas Kneib von der Wittlicher Sparkasse: "Aber hier ist der falsche Platz dafür." Kneib hatte selbst Ärger damit, die Schmierereien von der Bankfiliale entfernen zu lassen.
Er musste eine Fachfirma beauftragen. Und selbst die Experten konnten nicht alle Spuren beseitigen. Die Farbe ist in den Beton eingezogen. Bunte Schlieren sind immer noch zu sehen.
Schulen und Galerie besprüht
Auch an mehreren Schulen und der Schlossgalerie hat der Unbekannte sein Zeichen hinterlassen. Im November hatten Zeugen der Polizei dort eine vermummte Person mit einer Spraydose gemeldet. Und nicht nur dort, wie Sven Lehrke, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Wittlich, sagt: "Es wurden vereinzelt verdächtige Beobachtungen gemeldet, welche jedoch nicht zur Identifizierung eines oder mehrerer Täter führten."
Der Schaden, den der Sprüher seit Oktober 2025 angerichtet hat, ist seinen Angaben zufolge nur schwer zu beziffern. Nach Angaben der Ermittler dürften aber insgesamt etwa 25 Graffiti in der Stadt Wittlich und in der Ortsgemeinde Bengel auf das Konto des Sprayers gehen.
Über 500 Sachbeschädigungen durch Graffiti
Probleme mit Graffiti im öffentlichen Raum gibt es in der ganzen Region, heißt es beim übergeordneten Polizeipräsidium Trier. 2025 sind mehr als 500 Fälle in die Kriminalstatistik eingegangen, die meisten davon in Trier. Weniger als die Hälfte seien aufgeklärt worden.
1.000 Euro für Hinweise auf den Täter
Der Immobilienmakler Marvin Jeske will das nicht hinnehmen. Auch an manchen seiner Gebäude finden sich die drei Buchstaben. Das sei ihm neulich aufgefallen, als er mit Investoren in der Stadt unterwegs war. "Diese Schmierereien haben natürlich keinen guten Eindruck gemacht. Und ich wollte mir das einfach nicht mehr gefallen lassen."
Weil die Polizei im Dunkeln tappt, will der Immobilienmakler den Sprüher selbst dingfest machen. Er bietet 1.000 Euro für Hinweise zum Täter. "Ich bin bereit, mein eigenes Geld zu investieren, dass Dinge in Ordnung kommen." Viel zu lange seien die Graffiti in seiner Heimatstadt geduldet worden.
Unternehmer will Sprayer zur Rede stellen
Was er tun wird, wenn er einen Hinweis bekommt? Erstmal mit dem Täter reden, sagt der Unternehmer: "Vielleicht denkt derjenige ja wirklich, dass er Kunst macht. Auf jeden Fall hat er nichts Sinnvolleres zu tun, als fremdes Eigentum mit Farbe zu besprühen."
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Jeske könnte sich sogar vorstellen, dass er den Sprayer wieder "auf die richtige Bahn bringt", wie er sagt: "Vielleicht schlummern da irgendwo Talente, die man besser einsetzen kann. Vielleicht kann er in Zukunft ja Fassaden streichen."
Immobilienmakler würde Prämie noch erhöhen
Genügend Wände, die einen Anstrich nötig hätten, gibt es in Wittlich – dafür hat der Sprayer selbst gesorgt. Doch dafür müsste er erstmal geschnappt werden. Thomas Kneib von der Sparkasse glaubt nicht daran, dass die Aktion Erfolg haben wird, auch wenn er sich das wünschen würde: "Ich finde das mutig, aber ich denke, das wird erfolglos bleiben."
Bislang hat sich jedenfalls noch niemand bei dem Immobilienmakler gemeldet, sagt Jeske: "Aber ich bin im Zweifel auch bereit, die Prämie zu erhöhen."