Von außen wirkt Sarah Fandels kleiner Zweisitzer fast wie ein Kleinwagen. Drinnen merkt man schon am Fahrgeräusch, dass es kein normales Auto ist. Alles etwas lauter und natürlich langsamer. 45 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Ein Aufkleber am Heck des Autos weist darauf hin.
Für Sarah ist das kleine Auto ein Stück Freiheit. Sarah hat den Mopedführerschein gemacht. Das ist die Voraussetzung, um das kleine Auto fahren zu dürfen. Und das bereits mit 15 Jahren. Sarah lebt im 170- Einwohner-Ort Weidingen im Kreis Bitburg-Prüm. Ein Bus fährt einmal früh morgens, mittags und einmal abends.
Die Busse auf dem Land fahren eben nicht, wenn man sie braucht
Die 16-Jährige besucht die Oberstufe eines Gymnasiums in Neuerburg. Manchmal muss sie erst vormittags in die Schule. Doch der Bus fährt schon sehr früh. "Die Busse auf dem Land fahren eben nicht, wenn man sie braucht. Wenn ich um 10:40 Uhr die erste Stunde habe, dann kann ich die elf Kilometer jetzt mit dem Miniauto fahren und bin flexibler", sagt die Schülerin.
Neue Freiheit durch Mopedauto
Nicht nur die Wege zur Schule sind für Sarah und viele ihrer Mitschüler ein Thema. Ob Training im Sportverein oder Freunde besuchen: Häufig ging früher nichts ohne das Elterntaxi.
"Bei längeren Wegen wäre ich ohne das Mopedauto auf meine Eltern angewiesen", sagt Sarah Fandel. Früher sei sie auch mit dem Roller gefahren. Das Auto könne sie aber bei jedem Wetter benutzen. Zudem könne sie mehr mitnehmen.
Werkstätten spüren Boom der Mopedautos
Sebastian Moos hat eine Kfz-Werkstatt in Weidingen. Seit einiger Zeit repariert er auch Mopedautos und ist Servicewerkstatt für einen großen französischen Hersteller der kleinen Wagen.
Die Anfragen für Reparaturen von Mopedautos hätten zugenommen, sagt er: "Da sind mittlerweile mehr auf der Straße unterwegs und immer mehr werden von Schülern gefahren", sagt Moos.
ADAC sieht Mopedautos kritisch
Beim ADAC fordern Sicherheitsexperten Verbesserungsbedarf an den Microautos. Airbag, ABS und ein Gurtstraffer seien Fehlanzeige und nicht gesetzlich vorgeschrieben, sagt Christian Schmitt vom ADAC Mittelrhein.
"Mopedautos haben keine Knautschzone. Also wenn man irgendwo gegenfährt, hat man da wenig Luft", so der ADAC-Experte.
Vier statt zwei Räder anfangs ungewohnt
Sarah Fandel hat den Führerschein auf einem Moped gemacht. Der Umstieg auf das Auto sei nicht einfach gewesen, gibt sie zu. "Auf dem Roller hatte ich rundherum ein ganz anderes Sichtfeld. Mit dem Auto war das sehr ungewohnt und es war anfangs nicht einfach, die Spur zu halten oder einzuparken. Das musste ich alles üben."
Mopedautos deutlich teurer als Roller
Die neue Mobilität hat allerdings ihren Preis. Die Miniautos kosten je nach Ausstattung zwischen 9.000 und sogar 20.000 Euro. Das Moped ist um einiges günstiger.
Bei Fandels hat bereits Sarahs ältere Schwester das Mopedauto genutzt. 16.000 Kilometer zeigt der Tacho. Das Elterntaxi wird fast gar nicht mehr gebraucht. Auch Bustickets entfallen.
Wenn Sarah den Autoführerschein hat, wollen ihre Eltern das Mopedauto verkaufen. Die kleinen Wagen seien sehr gefragt, sagt Sarahs Vater Johannes. Wenn dabei ein guter Preis herausspringe, habe sich die Anschaffung am Ende alles in allem gelohnt.