Miniautos im Trend

Jugend auf dem Land: Mit dem Mopedauto über die Dörfer cruisen

Wenn das Elterntaxi nicht fährt und der Bus nicht kommt: Mopedautos sind bei Jugendlichen beliebt. Wer noch keinen Autoführerschein hat, kann mit 45 km/h über die Dörfer fahren.

Teilen

Stand

Von Autor/in Ludger Peters

Von außen wirkt Sarah Fandels kleiner Zweisitzer fast wie ein Kleinwagen. Drinnen merkt man schon am Fahrgeräusch, dass es kein normales Auto ist. Alles etwas lauter und natürlich langsamer. 45 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Ein Aufkleber am Heck des Autos weist darauf hin.

Sarah Fandel aus Weidingen in der Eifel ist mit ihrem Mopedauto viel flexibler.
Einen Fahrersitz sowie Platz für einen Beifahrer gibt es im Mopedauto. Die 16-jährige Sarah fährt mit dem Auto vor allem die elf Kilometer zu ihrer Schule. Alicia Tedesco

Für Sarah ist das kleine Auto ein Stück Freiheit. Sarah hat den Mopedführerschein gemacht. Das ist die Voraussetzung, um das kleine Auto fahren zu dürfen. Und das bereits mit 15 Jahren. Sarah lebt im 170- Einwohner-Ort Weidingen im Kreis Bitburg-Prüm. Ein Bus fährt einmal früh morgens, mittags und einmal abends.

Die Busse auf dem Land fahren eben nicht, wenn man sie braucht

Die 16-Jährige besucht die Oberstufe eines Gymnasiums in Neuerburg. Manchmal muss sie erst vormittags in die Schule. Doch der Bus fährt schon sehr früh. "Die Busse auf dem Land fahren eben nicht, wenn man sie braucht. Wenn ich um 10:40 Uhr die erste Stunde habe, dann kann ich die elf Kilometer jetzt mit dem Miniauto fahren und bin flexibler", sagt die Schülerin.

Neue Freiheit durch Mopedauto

Nicht nur die Wege zur Schule sind für Sarah und viele ihrer Mitschüler ein Thema. Ob Training im Sportverein oder Freunde besuchen: Häufig ging früher nichts ohne das Elterntaxi.

Sarah Fandel aus Weidingen in der Eifel ist mit ihrem Mopedauto viel flexibler.
Das kleine Auto macht Sarah Fandel flexibler. Auch wenn die Eltern nicht zu Hause sind, kann sie Freunde besuchen, die meist weiter weg wohnen. Alicia Tedesco

"Bei längeren Wegen wäre ich ohne das Mopedauto auf meine Eltern angewiesen", sagt Sarah Fandel. Früher sei sie auch mit dem Roller gefahren. Das Auto könne sie aber bei jedem Wetter benutzen. Zudem könne sie mehr mitnehmen.

Werkstätten spüren Boom der Mopedautos

Sebastian Moos hat eine Kfz-Werkstatt in Weidingen. Seit einiger Zeit repariert er auch Mopedautos und ist Servicewerkstatt für einen großen französischen Hersteller der kleinen Wagen.

Sebastian Moos hat eine Werkstatt in der Eifel und macht dort auch den Service für Mopedautos.
Mopedautos sind in der Werkstatt von Sebastian Moos keine Seltenheit mehr. Immer mehr Jugendliche kämen bei ihm vorbei. Alicia Tedesco

Die Anfragen für Reparaturen von Mopedautos hätten zugenommen, sagt er: "Da sind mittlerweile mehr auf der Straße unterwegs und immer mehr werden von Schülern gefahren", sagt Moos.

ADAC sieht Mopedautos kritisch

Beim ADAC fordern Sicherheitsexperten Verbesserungsbedarf an den Microautos. Airbag, ABS und ein Gurtstraffer seien Fehlanzeige und nicht gesetzlich vorgeschrieben, sagt Christian Schmitt vom ADAC Mittelrhein.

"Mopedautos haben keine Knautschzone. Also wenn man irgendwo gegenfährt, hat man da wenig Luft", so der ADAC-Experte.

Vier statt zwei Räder anfangs ungewohnt

Sarah Fandel hat den Führerschein auf einem Moped gemacht. Der Umstieg auf das Auto sei nicht einfach gewesen, gibt sie zu. "Auf dem Roller hatte ich rundherum ein ganz anderes Sichtfeld. Mit dem Auto war das sehr ungewohnt und es war anfangs nicht einfach, die Spur zu halten oder einzuparken. Das musste ich alles üben."

Mopedautos deutlich teurer als Roller

Die neue Mobilität hat allerdings ihren Preis. Die Miniautos kosten je nach Ausstattung zwischen 9.000 und sogar 20.000 Euro. Das Moped ist um einiges günstiger.

Auch in der Region Trier gibt es erste Händler von Mopedautos
In der Region Trier gibt es erste Händler für Mopedautos wie hier in Bitburg. Alicia Tedesco

Bei Fandels hat bereits Sarahs ältere Schwester das Mopedauto genutzt. 16.000 Kilometer zeigt der Tacho. Das Elterntaxi wird fast gar nicht mehr gebraucht. Auch Bustickets entfallen.

Wenn Sarah den Autoführerschein hat, wollen ihre Eltern das Mopedauto verkaufen. Die kleinen Wagen seien sehr gefragt, sagt Sarahs Vater Johannes. Wenn dabei ein guter Preis herausspringe, habe sich die Anschaffung am Ende alles in allem gelohnt.

Illertissen

Auto kracht auf Microcar 15-Jährige bei Unfall in Illertissen schwer verletzt

Bei Illertissen im Kreis Neu-Ulm ist am Donnerstagabend ein Auto auf ein Kleinfahrzeug, ein sogenanntes Microcar, aufgefahren. Dessen Fahrerin wurde bei dem Unfall schwer verletzt.

Hackenheim

Jugendliche war mit 45 km/h-Auto unterwegs Unfall bei Hackenheim: 16-Jährige schwer verletzt

Die Jugendliche fuhr mit ihrem Mopedauto auf der Bundesstraße. Beim Abbiegen wurde sie von einem anderen Auto erfasst.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Ludger Peters
Foto von Ludger Peters, Multimedia-Redakteur SWR Aktuell Rheinland-Pfalz

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!