Eine Zahnradbahn verschwindet unterm Dickicht. Als die Monorackbahn installiert wurde, sollte sie Winzer in die Steillagen des Starkenburger Fels an der Mosel bringen. Doch Wein wird dort oben schon lange nicht mehr angebaut. Stattdessen wächst Gestrüpp.
Für Hans-Werner Franz ist die zugewucherte Bahn ein Symbol für ein aus seiner Sicht gescheitertes Projekt: Seit 2010 sind rund 2,1 Millionen Euro in den Starkenburger Fels geflossen, um die Kulturlandschaft und den Weinbau zu erhalten. "Das ist offensichtlich nicht geglückt", meint Franz: "Jetzt holt sich die Natur alles zurück."
Kaum noch Weinbau am Starkenburger Fels
Für den 73-Jährigen ist es eine bittere Erkenntnis. Denn die Hänge zwischen Traben-Trarbach, Enkirch und Starkenburg bedeuten ihm viel: "Als Kind war das hier mein Abenteuerspielplatz. In der Jugend hab ich den Eltern geholfen, die Trauben zu lesen."
Franz war einer der letzten, die ihren Weinberg am Starkenburger Fels verkauft haben. "Damals waren wir froh, dass wir überhaupt noch etwas dafür bekommen haben", erzählt der Starkenburger. Schon damals lohnte sich die harte Arbeit in den Steilhängen kaum noch.
Millionen in neue Wege und Zahnradbahnen investiert
Um den Charakter des Hangs zu erhalten, haben die Winzer und Ortsgemeinden das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel mit einer Flurbereinigung beauftragt. Das heißt, Weinberge wurden dabei zu einer größeren Fläche zusammengelegt und erschlossen. Allein 1,2 Millionen Euro flossen in Zahnradbahnen und Trockenmauern, 400.000 Euro um die neue Fläche zu erschließen.
Dazu gehörte unter anderem auch, dort neue Wege anzulegen. Rund 90 Prozent der Kosten zahlten EU, Bund und Land, den Rest steuerte die Deutsche Bahn als Ausgleich für den Bau eines Bahntunnels bei Cochem bei.
Bürgermeister nennt Projekt einen "Erfolg"
Nach Abschluss der Flurbereinigung hat der Zweckverband "Starkenburger Fels" das Gelände übernommen. Dessen Vorsteher Marcus Heintel (SPD) spricht von einem Erfolg. "Man muss sich nur mal vorstellen, wie es hier aussehen würde, wenn wir nichts gemacht hätten", sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach: "Dann wäre der Starkenburger Fels sicher noch weiter verwildert."
Rund 60 Ziegen und 15 Lämmer sollen dafür Sorge tragen, dass das nicht passiert. Sie weiden seit 2018 am Starkenburger Fels, um das Gestrüpp wegzuknabbern. Doch Hans-Werner Franz winkt ab: "Seit die Tiere da sind, kann ich nicht feststellen, dass die Verbuschung zurückgegangen wäre." Auch Bürgermeister Heintel räumt ein, dass schon mehrmals mit der Sense nachgeholfen werden musste: "Wir müssen jetzt schauen, ob das so ausreicht oder ob es mehr Ziegen oder maschinelle Unterstützung braucht."
Weinbergpfähle noch immer nicht entsorgt
Hans-Werner Franz hat nach eigener Aussage wenig Hoffnung, dass die Behörden tätig werden. Dafür habe er schon zu oft schlechte Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel als er Polizei und Verbandsgemeinde auf die vielen Weinbergspfähle aufmerksam gemacht habe, die auf den Ziegenweiden herumliegen. Sie sind in Teer getränkt und gelten in Deutschland als Sondermüll.
Doch sie liegen noch immer dort, obwohl sich die Ziegen daran verletzen könnten, kritisiert Franz. Auch Bürgermeister Marcus Heintel ärgert es, dass sich die Entsorgung so lange hinzieht, sagt er: "Aber wir hatten Probleme, eine Firma zu finden, die sie aus dem Steilhang bergen kann."
Neuer Wanderweg schon zugewuchert
Auch der Pfad, der durch den Starkenburger Fels zum Trabener Zollturm führt, ist an manchen Stellen unter dem hohen Gras verschwunden. 2022 hat der Tourismuszweckverband Mosel rund 10.000 Euro in den neuen Wanderweg gesteckt. Dort hält man das Projekt für "gelungen".
Kirsten Haag von der Tourist-Information Traben-Trarbach räumt allerdings ein, dass man mit dem Rückschnitt kaum hinterherkommt. Für Hans-Werner Franz passt das alles ins Bild. Er fragt sich, warum Land und Kommunen sich nicht um den Starkenburger Fels kümmern, wo sie doch so viel Geld in das Projekt investiert haben. Er ist mit dieser Kritik nicht allein.
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Winzer: "Geld aus dem Fenster geworfen worden"
Walter Römer und seine Frau gehören zu den wenigen, die am Starkenburger Fels noch Wein anbauen. Um ihre Weinberge: nichts als Brombeerhecken. Römer findet es gut, dass die Politik sich um die Steillagen kümmern will. Er sagt aber auch: "Hier ist viel Geld aus dem Fenster geworfen worden."
Der Enkircher Weinbauer glaubt, das Fördergeld wäre besser bei den Winzerinnen und Winzern selbst aufgehoben gewesen. "Wir wissen besser, was wir brauchen, um unsere Weinberge zu erhalten", sagt Römer. Zum Beispiel eine höhere Prämie für die Pflege der Steillagen. Stattdessen habe man Wege und Zahnradbahnen angelegt, die kaum genutzt würden.
"Können noch Dinge optimieren"
Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel weist die Kritik zurück: "Ohne die erfolgte Unterstützung wären zum heutigen Zeitpunkt sicherlich deutlich mehr Weinberge aus der Nutzung gefallen und nicht mehr bewirtschaftet worden."
Auch Bürgermeister Heintel hält die Vorwürfe für übertrieben. Es ließen sich immer Dinge optimieren, insgesamt sei er aber zufrieden mit dem Starkenburger Fels. Das Fazit von Hans-Werner Franz fällt hingegen vernichtend aus: "Das nächste Mal sollte die öffentliche Hand besser überlegen, wo sie unser Steuergeld hin steckt."