Juli 2021: Nach Starkregen schwellen kleine Flüsse in der Eifel innerhalb von Minuten zu reißenden Flüssen an. Pfingsten 2024: Nach Starkregen schwellen kleine Flüsse in der Region Trier innerhalb von Minuten zu reißenden Flüssen an. Es passiert also immer wieder.
Land hat zwei Jahre an Messwerten fürs Internet gearbeitet Hochwasser: Pegel im Eifelkreis endlich nutzbar
Sie sollten mehr Sicherheit bei der Hochwasservorhersage bringen. Aber die Werte der Pegel im Eifelkreis waren lange nicht für jeden auf den Seiten des Landes einsehbar.
Damit die Menschen in Zukunft besser auf genau solche Hochwasser vorbereitet sind, wurden 2024 an sogenannten Gewässern zweiter und dritter Ordnung im Eifelkreis Bitburg-Prüm 32 Pegelmessstellen eingerichtet. Seit Ende März kann auch endlich jeder ihre Werte im Internet abrufen.
Dass die Pegel vor allem an kleineren Flüssen sind, die bisher bei Hochwasserlagen nicht beachtet wurden, erleichtert Ursula Wilmsen: "Jetzt kann man sehen: Oha, diese kleinen Zuflüsse steigen gewaltig. In soundso vielen Stunden ist das Wasser also bei uns."
So könne man schneller reagieren, die Autos wegfahren, Sandsäcke und Pumpen bereitstellen, sagt die erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Südeifel.
Pegel jetzt auch an kleineren Flüssen
Nicht nur bei ihr in der Südeifel, auch in anderen Orten des Eifelkreises wurden die Pegel an Brücken zum Beispiel über der Prüm, der Nims, der Enz oder der Kyll eingerichtet. Für die neuen Sensoren gab es eine Förderung vom Bund.
Zuvor gab es Pegel nur an den großen Flüssen in Rheinland-Pfalz wie Rhein und Mosel. Und an wenigen Stellen von Prüm oder Kyll. Deren Werte werden auf den Internetseiten des Landes dargestellt.
Die haben nicht ausgereicht, findet Wilmsen: "2021 hatten wir den offiziellen Pegel in Prümzurlay. Wenn der steigt, ist es aber fast schon zu knapp, die Menschen weiter unten zu sensibilisieren und dann auch zu warnen."
Denn im Gegensatz zur Mosel, die bei Starkregen langsam steigt und von der es seit Jahrzehnten Daten für Vorhersagen gibt, können die kleinen Flüsse eben innerhalb von Minuten stark steigen. Dabei spielt nämlich auch Wasser eine Rolle, das über Hänge oder aus anderen Gewässern in die Flüsse fließt.
Feuerwehren müssen auf Pegel reagieren
Aber die neuen Pegel haben noch nicht genügend Daten gesammelt, um daraus Vorhersagen wie bei der Mosel zu berechnen. Ist es dann nicht eigentlich schon zu spät, wenn der Pegel einen hohen Stand meldet? Weil das Wasser eine Minute später schon über die Ufer getreten ist?
Nein, sagt Jürgen Larisch, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Eifelkreises: "Diese digitalen Pegel sind ein Baustein zur Warnung der Bevölkerung. Wenn an einem Pegel das Wasser steigt, können wir zeitnah warnen oder evakuieren."
Bei Starkregen würden sich Gräben füllen, die sonst nie Wasser führen: "Kleinere Bäche werden zu reißenden Fluten. Was in die kleinen Flüsse hineinläuft, darauf muss man reagieren." Entscheidend sei also nicht unbedingt der Pegel im eigenen Ort, sondern die in den Orten am Fluss darüber.
Deshalb ist es auch in erster Linie Aufgabe der Feuerwehren, zu reagieren. Und nicht die der Menschen, die in ihren Häusern sitzen und den Pegelstand im Internet oder auf der App ablesen, sagt Larisch: "Insgesamt feststellen, dass ein erhöhter Pegel dazu führt, dass unterhalb mehr Wasser kommt, das müssen die entsprechenden Führungspersonen bei der Feuerwehr."
Bisher seien die Wehrleiter in den Verbandsgemeinden und der Stadt Bitburg und der Katastrophenschutz zu den neuen Pegeln informiert worden. Also noch nicht alle, sagt Larisch: "Wir haben im Eifelkreis 4.800 Männer und Frauen in den freiwilligen Feuerwehren, die über die Zeit geschult werden sollen. Das ist also noch ein Prozess."
Menschen können sich mit Sandsäcken vorbereiten
Was also bringt es den Menschen, die am Fluss leben, wenn sie die Werte der neuen Pegel ablesen können? "Die haben Pumpen und Sandsäcke bereit und die wissen sehr wohl, was Starkregen im Einzelnen für sie bedeutet", findet Ursula Wilmsen aus der Südeifel.
Jetzt müsse nur noch bekannter werden, dass jeder die Werte selbst ablesen kann, sagt sie: "Die neuen Pegel sind ein Segen und ein Gewinn. Ich habe die App schon lange auf meinem Handy und schaue drauf, wenn es stark regnet."
Anwohner können sich in Hochwasserkonzepten informieren
Aber auch als Anwohner muss man also nicht unbedingt den eigenen Pegel, sondern die Pegel oberhalb des eigenen Ortes im Blick haben. Um früh genug Bescheid zu wissen, dass von dort Wasser kommen kann. Wie aber weiß man, nach welchem Pegel und welchem Wert man genau schauen muss?
Entscheidend sei, dass es ein Netz mit vielen Pegeln gibt, sagt die rheinland-pfälzische Umweltministerin Katrin Eder, die sich am Donnerstag einen der neuen Pegel in Holsthum angeschaut hat.
Außerdem hätten 1.800 Kommunen in Rheinland-Pfalz Vorsorgekonzepte für Hochwasser und Starkregen erstellt: "Und da sind genau diese Modelle errechnet worden: Was bedeutet Regen an einer Stelle für welches Gewässer?"
Zudem bietet das Land eine sogenannte Sturzflutgefahrenkarte an. Darin kann man sich für das eigene Grundstück ausgeben lassen, wie groß die Gefahr bei Starkregen bis zu intensivem Starkregen ist - einen solchen hatte es bei der Flut 2021 gegeben.
Eifel ist Vorbild für andere Kreise
Die Pegel im Eifelkreis sollen noch weiter ausgebaut werden. Der Kreis arbeitet dabei mit dem Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz zusammen, erklärt Landrat Andreas Kruppert (CDU): "Wir verbinden die Werte des Sensors mit Wetterprognosen und der Bodenfeuchte und können mit deutlich größerer Vorlaufzeit Modelle erstellen: Wie wird der Pegel morgen oder übermorgen ansteigen?"
In etwa einem Jahr sollen dann Vorhersagen 24 Stunden vor dem Hochwasser möglich sein. Vielleicht ist auch das dann ein Vorbild für andere Kreise. Der Kreis Birkenfeld will sich schon jetzt etwas von der Eifel abgucken.
Denn dort hat der Fischbach 2018 bei einem Hochwasser starke Schäden angerichtet, sagt Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Lukas Klein: "Deshalb sind wir mit dem Eifelkreis im engen Austausch zu den Pegeln und fragen immer wieder: Wie habt Ihr das gemacht?"
Ein Pegel in Idar-Oberstein bringt nichts, wenn schon der halbe Landkreis unter Wasser steht.
Für eigene Pegel an der Nahe und ihren Nebenflüssen will der Kreis 100.000 Euro aus einem Förderprogramm des Landes beantragen. Die vorhandenen Pegel an der Nahe reichen nämlich nicht, sagt Klein: "Es bringt nichts, wenn ein Pegel in Idar-Oberstein etwas anzeigt, wenn zu dem Zeitpunkt schon der halbe Landkreis unter Wasser steht."
Er will, dass im Kreis auch Wetterstationen in Kombination mit den Pegeln aufgestellt werden. Denn in Birkenfeld - genau wie im Eifelkreis - gelte: "Wir brauchen einfach Daten."