Ein Notizblock, zwei Mikrofone und zwei Laptops - das ist alles, was Jiyan Kadib Alban und ihre sechs Mitstreiter brauchen, um ihre Geschichten in die Welt hinauszutragen. Die 20-Jährige ist vor zehn Jahren mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Heute lebt sie in Daun.
Sie hat seit ihrer Flucht viel erlebt. Davon erzählt sie im Podcast "Motivation & Integration", den Geflüchtete aus der Vulkaneifel vor einem Jahr ins Leben gerufen haben.
Geflüchtete sprechen über ihren Alltag
Kadib Alban berichtet im Podcast etwa von ihrer Ankunft in der Eifel, davon wie sie die deutsche Sprache erlernt und ihren Alltag in der Schule gemeistert hat. Diese Erfahrungen will sie nun mit anderen Geflüchteten teilen und sie damit unterstützen, sich erfolgreich in Deutschland zu integrieren.
"Viele Menschen sprechen über Geflüchtete und deren Probleme, anstatt sich selbst mit ihnen darüber zu unterhalten. Ich weiß am besten, wie es uns geht und was Herausforderungen für uns sind", sagt die 20-Jährige. Der Podcast gibt ihr jetzt die Möglichkeit, anderen davon zu berichten.
Erfahrungen mit Diskriminierung
Im Podcast geht es nicht nur um alltägliche Dinge. Sondern auch um Erfahrungen mit Diskriminierung wegen der eigenen Herkunft. Die Syrerin Haya Zarnaji hat das erlebt. "Ich hatte hier eine schwere Zeit. Zum Beispiel habe ich in einer Firma ein Praktikum gemacht. Wenn ich etwas nicht wusste, wurde ich immer wieder gefragt, warum die Menschen in meiner Heimat so etwas nicht lernen", erzählt Zarnaji.
Das Team habe sie nie ernst genommen und immer belächelt, obwohl sie in ihrer Heimat ein Studium abgeschlossen hatte: "Ich habe in Syrien Jura studiert. Ich bin nicht dumm". Diese Erfahrung hat sie verletzt. "Ich bin dann immer auf die Toilette gegangen und habe geweint.
Sie habe aber daraus gelernt und sei stärker daraus hervorgegangen, sagt sie. Sie will im Podcast anderen Geflüchteten Mut zu sprechen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Caritas und RLP unterstützen Podcast
Inzwischen haben die Podcast-Macher neun Folgen produziert. Sie treffen sich regelmäßig, um darüber zu sprechen, worum es in einer neuen Ausgabe gehen soll. Danach wird auch direkt produziert. "Das macht sehr viel Spaß", sagt Jiyan Kadib Alban.
Bis die erste Folge vor rund einem Jahr an den Start gehen konnte, war ein langer Weg zurückzulegen. "Wir hatten eine Idee, aber zunächst kein Geld und keine Technik, um es umzusetzen", erzählt Kadib Alban. Das Podcast-Team bat die Caritas um Hilfe.
Ich fand diese Idee zum Podcast spannend
"Sie kamen vor zwei Jahren mit ihrer Podcast-Idee auf uns zu und ich fand das spannend", sagt Joachim Bach, Fachbereichsleiter für Migration und Integration bei der Caritas in Prüm. Der Verband hat für die Podcast-Macher einen Förderantrag beim Land gestellt. "Sie haben dadurch Laptops sowie Mikrofone erhalten und konnten an einem Seminar für Podcasts teilnehmen", so Bach weiter.
Eifeler Podcast gewinnt Preis
Doch die Arbeit hat sich gelohnt: Das Team hat in diesem Jahr für ihren Podcast den rheinland-pfälzischen Integrationspreis in der Kategorie "Kompetenzen nutzen - gute Beispiele schaffen" bekommen. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert.
"Das ist für das Publikum ein interessanter Perspektivwechsel und gleichzeitig ermöglicht der Podcast den Erzählenden ein ehrenamtliches Engagement, mit dem sie zu mehr Verständnis füreinander beitragen", teilt Integrationsministerin Katharina Binz (Bündnis 90/Die Grünen) mit.
Das ist ein großer Erfolg für uns.
Die Podcast-Macher freuen sich über diese Auszeichnung: "Das ist ein großer Erfolg für uns. Wir hoffen darauf, dass die Menschen unsere Arbeit auch in Zukunft wertschätzen werden", sagt Ukrainerin Elena Petzyk, die ebenfalls zum Podcast-Team gehört.
Podcast soll Integration fördern
Maaike Thijs ist die Integrationsbeauftrage im Vulkaneifelkreis. Sie wirkt beim Podcast mit und unterstützt die Geflüchteten dabei, ihre Ideen für ihre Folgen umzusetzen. Sie findet es wichtig, dass Geflüchtete sich ehrenamtlich engagieren und so etwas wie einen eigenen Podcast ins Leben rufen.
Das sei der Schlüssel für gelungene Integration: "Sie integrieren sich dadurch erst wirklich", sagt Thijs. Sie tauschten sich miteinander aus und könnten sich dadurch bei Herausforderungen und Problemen immer gegenseitig helfen.