Joshua Petry und Elaine Kochems fahren durch die Fußgängerzone von Oberstein. Die beiden jungen Polizisten machen eine sogenannte Voraufklärung und der SWR darf dabei sein. Die Beamten sind dafür in einem Zivilwagen unterwegs. "Ein Streifenwagen wäre zu auffällig", erklärt Kochems: "Dann sehen die Leute ja schon von Weitem, dass wir eine Kontrolle machen und können abhauen."
Die 22-Jährige und der 26-Jährige schauen sich deshalb erstmal um, ob sie etwas Auffälliges bemerken. Dann geben sie über Funk ihren Kollegen von der Bereitschaftspolizei Wittlich Bescheid, die sie an diesem Tag unterstützen.
Der Grund für dieses große Aufgebot: die gefühlte Sicherheitslage am Bahnhof, den viele Bürger als Angstraum wahrnehmen. Dem wollen die Polizisten entgegenwirken, indem sie mehr Präsenz zeigen.
Mann zieht Messer bei Kontrolle
Es dauert dann auch nicht lange, bis Kochems und Petry eine Gruppe von offensichtlich betrunkenen Männern und Frauen ins Auge fällt. Sie sitzen zusammen in einem kleinen Park an einem Fußgängerüberweg und trinken Bier. "Das ist ein Ort, an dem sich viele Bürger unsicher fühlen", sagt Joshua Petry.
Zu sechst sprechen die Polizisten die Gruppe an. Die Stimmung: angespannt. Ein Mann pöbelt gegen die Beamten, man fühle sich schikaniert. Dann plötzlich eskaliert die Situation. Ein anderer Mann zieht ein Messer aus seiner Hosentasche.
Messer wegen Gefahr beschlagnahmt
"Runter mit dem Messer", ruft einer der Bereitschaftspolizisten. Sie gehen zu dem Mann hin, nehmen ihm die Waffe ab und durchsuchen ihn. Dabei finden sie noch ein zweites Messer. Beide wird der Besitzer erstmal nicht wiederbekommen.
"Die Person war ja augenscheinlich sehr stark alkoholisiert, war renitent und hat bei den Maßnahmen nicht mitgespielt", erklärt ein Wittlicher Bereitschaftspolizist: "Wir haben die Messer sichergestellt, damit sie keine Gefahr mehr darstellen."
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Bürger empfinden Kontrollen als Schikane
Also: ab auf die Dienststelle mit den Messern, trotz Protest des betrunkenen Mannes. Die Beamten kontrollieren dann auch noch die anderen aus der Gruppe, lassen sich Personalausweise zeigen. Sie stellen aber nichts Auffälliges fest. Die Männer und Frauen dürfen im Park sitzen bleiben.
Die Passanten, die die Szene beobachtet haben, schlagen sich eher auf die Seite der Gruppe. Es gebe ja kaum noch öffentliche Orte in der Stadt, an denen man "gemütlich einen trinken" könne.
Viele Einsätze auch wegen Randale oder Lärmbelästigung
Ein paar Meter weiter am Bahnhof sehen die Bürger die Kontrollen anders. Eine junge Frau erzählt, sie habe schon Drogenhändler und eine Messerstecherei in der Gegend beobachtet. "Es ist gut, dass die Polizei jetzt öfter kommt", findet sie.
Die Polizistin Elaine Kochems sagt: "Die Bürger bekommen mit, dass wir öfter Einsätze am Bahnhof haben. Deshalb denken sie, dass das ein gefährlicher Ort ist." Oftmals rückten die Beamten aber gar nicht wegen Straftaten aus. Meistens gehe es um Randalierer, um Lärmbelästigung oder um Betrunkene, die Hilfe brauchen.
Polizeichefin: Bahnhof ist kein Brennpunkt
An diesem Tag konnten die Polizisten auch keine schwerwiegenden Straftaten feststellen. 55 Personen wurden kontrolliert. Die zwei Messer und ein Teenager, der zu jung war, um E-Scooter zu fahren - mehr war nicht.
Das entspricht auch der Statistik der Polizei Idar-Oberstein, wie die Leiterin Kimberly Short sagt. Der Bahnhof sei eben kein Brennpunkt der Kriminalität: "Wir haben aber einfach gemerkt, dass sehr viel negativ gesprochen wird über den Bahnhof, dass die Bürger sich dort nicht sicher fühlen. Und wir wollten zeigen: Wir nehmen das ernst."
Weitere Kontrollen und Bürgersprechstunden geplant
Daher wird es in zwei Monaten die nächste große Kontrolle geben. Auch sonst will die Polizei präsenter im Umfeld des Bahnhofs sein. Außerdem bieten Kimberly Short und Bürgermeister Friedrich Marx (SPD) inzwischen Sprechstunden an, bei denen Bürger ihre Anregungen und Sorgen loswerden können.
Der Bedarf ist offensichtlich da. Die ersten Sprechstunden waren schnell ausgebucht. Es gab deutlich mehr Anfragen als Termine. Das Thema wird die Stadt und die Polizei also weiter beschäftigen.