Verhindern von Betriebsräten hat System

Die Unsichtbaren: Wenn Reinigungskräfte um ihre Rechte kämpfen

Tausende Menschen arbeiten in der Region Trier als Reinigungskraft. Die Arbeit ist belastend, der Lohn oft mies. Der Fall einer Frau aus Trier zeigt, wie schwer es ist, bessere Bedingungen durchzusetzen.

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Von Autor/in Anna Fischbach

Sie arbeiten früh morgens, spät abends oder irgendwann dazwischen. Sie putzen Büros, Krankenhäuser, Altenheime, Schulen und nach Feierabend oft noch in anderen Wohnungen. Die Arbeit ist anstrengend, der Zeitdruck oft hoch.

Tausende  Menschen arbeiten wie diese Frau in der Region Trier als Reinigungskraft. Die Arbeit ist belastend, der Lohn oft mies.
Reinigungskräfte arbeiten oft in den Randzeiten. Die Arbeitstage sind lang. Die Bezahlung meist schlecht. Imgago

Die Branche der Gebäudereinigung ist auch in der Region Trier groß. Nach Angaben der Handwerkskammer Trier sind das in die Region etwa 400 Betriebe mit insgesamt mehreren tausend Beschäftigten.

Obwohl viele Firmen die Vorrausetzung für einen Betriebsrat erfüllen würden, gebe es in den meisten Unternehmen der Branche keine Mitarbeitervertretung. Die Gewerkschaft IG-BAU vermutet dahinter ein System. Denn wenn Beschäftigte versuchen würden, sich zu organisieren, würden sie oft auf großen Widerstand stoßen, sagt Thomas Kreten von der IG BAU Saar-Trier.

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Chefs von Reinigungsfirmen oft das Problem

Eine Erfahrung, die auch Frau Becker (Name von der Redaktion geändert) machen musste. Die Frau möchte nicht erkannt werden. Seit über zehn Jahren arbeitet sie nach eigenen Angaben schon in der Branche. Auch mal als Mitglied des Betriebsrates in der Firma, in der sie angestellt ist. Auf die Frage nach der größten Herausforderung in ihrem Job lacht sie resigniert und antwortet "die Vorgesetzten".

Betriebsräte in der Reingungsbranche
Frau Becker arbeitet seit über 10 Jahren in der Gebäudereinigung. Sie möchte anonym bleiben.

Schlechte Arbeitsbedingungen in Reinigungsbranche

Arbeitsrechtliche Verstöße seitens der Chef-Etage waren an der Tagesordnung, sagt Becker. Willkürlich seien Arbeitszeiten verkürzt oder verlängert worden, erinnert sich Becker. Das es für Eltern keinen Urlaub in den Ferien gab, sei auch vorgekommen. "Du musst ja auch schon Angst haben, dich krankschreiben zu lassen", sagt die Reinigungskraft. Eine Kollegin würde zurzeit regelmäßig arbeiten, obwohl sie vor Schmerzen kaum gehen könne. "Die traut sich nicht länger als eine Woche nicht zu kommen".

Die Menschen sind auf den Job angewiesen. Das wissen die Arbeitgeber.

Die Beschreibungen von Becker sind keine Einzelfälle, weiß auch Thomas Kreten von der Gewerkschaft IG BAU Saar-Trier. Viele Beschäftige würden in der Branche arbeiten, weil sie müssen. "Die Reinigungskräfte sind auf den Job angewiesen. Das wissen die Arbeitgeber und nutzen das aus."

Thomas Kreten von der IG BAU Saar-Trier vermutet, dass viele Firmen in der Reinungsbranche Betriebsräte verhindern wollen.
Thomas Kreten von der IG BAU Saar-Trier vernutet, dass viele Firmen in der Reinungsbranche Betriebsräte verhindern wollen. IG Bau

Die Gewerkschaft Verdi Trier-Saar betont, dass Arbeitgeber in Branchen, wo viele Menschen aus dem Ausland arbeiten, das ausnutzen würden. Auch, weil die Menschen aus ihren Heimatländern oft schlechtere Bedingungen kennen würden. Zudem würden die Beschäftigen oft schlecht oder kein Deutsch sprechen.

Der Versuch einer Betriebsratgründung

Verstöße gegen geltendes Arbeitsrecht kennt auch Frau Becker aus ihrer Firma. Auch deshalb wollten während der Corona-Zeit die Beschäftigten dort einen Betriebsrat gründen. Mit einer Mitarbeiteranzahl von 25 war das theoretisch möglich. In der Praxis sah das anders aus.

Ich weiß nicht wie oft man mir mit der Rechtsabteilung gedroht hat.

Bevor die Beschäftigten eine Betriebsversammlung einberufen konnten, sollen die Vorgesetzten von dem Vorhaben erfahren haben, erzählt sie. Und dann hätte es angefangen: Chefs hätten auf einmal wöchentlich vor der Tür gestanden und Kontrollen durchgeführt, sagt Becker. Das hätte viele Mitarbeitenden verunsichert.

Auch Becker stand zur Wahl als Mitglied des Betriebsrats. "Ich weiß nicht, wie oft man mich angerufen hat, wie oft man mir mit der Rechtsabteilung gedroht hat", erzählt sie.

Betriebsräte nicht gewünscht

Das Verhindern einer Betriebsratswahl sei strafbar, betont Thomas Kreten von der IG BAU. Für ihn sind solche Stimmungsmachen gegen Betriebsräte kein Einzelfall. In der Gebäudereinigung seien Betriebsräte grundsätzlich nicht gewünscht. "In anderen Branchen ist es eigentlich üblich, dass es Betriebsräte gibt. Das gehört da mehr oder weniger zur Kultur."

Da wird dann ein Exempel statuiert.

In der Gebäudereinigung würden Mitarbeitervertretungen als Bedrohung wahrgenommen. Nur das Ansprechen des Themas oft schon als Kündigungsgrund gelten. "Da wird dann ein Exempel statuiert", berichtet Kreten.

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Walter Schneiders, von der Glas- und Gebäudereiniger-Innung bestätigt gegenüber dem SWR, dass es in der Branche eher weniger Betriebsräte gibt. Schneiders begründet das auch damit, dass häufig neue Beschäftigte kommen würden und dann aber nicht lange im Betrieb bleiben. Die Fluktuation von Mitarbeitenden sei in der Gebäudereinigungsbranche hoch, so Schneiders. Das würde die Gründung eines Betriebsrates zusätzlich erschweren.

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Zurück zur Firma von Frau Becker: Trotz der Versuche der Geschäftsleitung, die Wahl zu verhindern, wurde ein Betriebsrat gegründet. Mit der Unterstützung der IG BAU. Der gewählte Betriebsrat habe aus Frau Becker, einer weiteren Kollegin sowie einer von den Vorgesetzten unterstützten Person bestanden. Diese habe jedoch kaum an Sitzungen teilgenommen und soll heimlich einmal eine Führungskraft zugeschaltet haben.

Zusammenarbeit mit Betriebsrat blockiert

Insgesamt sei der Betriebsrat laut Becker zu keinem Zeitpunkt in betriebliche Abläufe eingebunden worden. Die Zusammenarbeit sei so stark blockiert worden, dass schließlich rechtliche Schritte eingeleitet wurden. Selbst ein Gerichtsbeschluss hätte nichts gebracht, so Becker.

Nach rund einem Jahr habe sich der Betriebsrat schließlich aufgelöst. Spürbare Verbesserungen für die Beschäftigten gab es nicht. Allein der Umgangston untereinander sei besser geworden, sagt Becker.

Ohne Betriebsrat oft mehr Konflikte

Experten sagen, dass es in den Branchen ohne Betriebsrat zu mehr arbeitsrechtlichen Konflikten käme. Fehlende Betriebsräte seien laut der Gewerkschaft Verdi oft auch eine Frage mangelnder Information und bürokratischer Hürden.

Thomas Kreten von der IG BAU Saar-Trier ist sogar überzeugt, dass die Firmen von Betriebsräten profitieren würden. Das fange bei der Kommunikation zwischen Beschäftigen und Geschäftsleitung an und höre bei einem besseren Betriebsklima auf. "Es ist für beide eine Win-Win-Situation“, sagt Kreten.

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Mehr Wertschätzung für Reinigungskräfte

Und Frau Becker? Nachdem der Betriebsrat sich in ihrer Firma aufgelöst hat, bleibt für die Reinigungskraft der Wunsch, dass ihr Beruf mehr anerkannt wird. Auch in Form höherer Löhne. Und von den Menschen wünscht sie sich mehr Wertschätzung. Denn ihre Arbeit sei mehr als "nur Putzen".

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