Wenn Ende September die Basketballbundesliga startet, dann wird der Coach der Gladiators Trier, Jacques Schneider, einer der jüngsten Trainer der Liga sein. Im Sommer wird er 33 Jahre alt. In seinem zweiten Jahr als Chefcoach trifft er auf Kollegen wie Gordon Herbert bei Bayern München.
Herbert wurde Weltmeister mit Deutschland und trainierte 12 Teams in sechs verschiedenen Ländern. Erfahrung pur. Im SWR-Interview erzählt Jacques Schneider wie er die Gladiators gegen große Konkurrenz in der Liga halten will und wie es mit Basketball-Legende Maik Zirbes weitergehen könnte.
SWR aktuell: Wenn Ihnen eine Wahrsagerin prophezeit, dass sie erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt sichern: Mit einem Sieg gegen die Bayern - würden sie sagen: passt so, oder lieber früher sicher sein?
Jacques Schneider: Ja, das würde ich nehmen. Das wird das große Ziel sein, in der BBL zu bleiben. Wir wollen uns da irgendwann auch etablieren und haben auch das Potenzial dazu. Aber wir werden uns jetzt erstmal als Ziel setzen, zehn oder für mich als Rheinländer elf Siege so schnell wie möglich einzufahren. Wenn wir das schaffen bin ich sehr optimistisch, dass wir die Klasse halten.
SWR aktuell: Wie würden sie einem Nicht-Basketballer erklären, wie groß der Sprung in die Bundesliga ist?
Schneider: Die Spieler dort sind einfach ganz andere Kaliber. Darüber muss man sich klar sein.
Wir treten da gegen Spieler an, die amtierende Basketball-Weltmeister sind.
Vor allem bei den Spitzenmannschaften mit den ganz großen Etats. Man muss sich vorstellen, dass wir mit unseren Trierer Jungs gegen Spieler antreten, die Weltmeister sind. Also wenn ein Andi Obst (Bayern München, Mitglied des deutschen Weltmeisterkaders 2023) nächstes Jahr bei uns in der Arena über das Parkett schwebt, und aus 10 Metern die Drei-Punkte-Würfe versenkt, dann wird jedem, klar sein, wie groß der Unterschied ist.
Andererseits spielen die Topteams unter der Woche auch noch in den europäischen Wettbewerben und reisen viel. Da sind wir ausgeruhter und können vielleicht auch mal einen Überraschungssieg landen.
SWR aktuell: Ein gutes Beispiel wie es laufen kann, ist Heidelberg. Vor vier Jahren spielten sie noch mit Trier 2. Liga. Jetzt stehen sie im Halbfinale um die Meisterschaft. Und haben in der ersten Partie die Bayern sogar in deren Halle geschlagen.
Schneider: In Heidelberg ist einfach viel richtig gemacht worden. Die haben es geschafft, diesen Basketball-Hype des Aufstiegs mitzunehmen in die Bundesliga. Anfangs haben sie sich sehr schwer getan.
Ein gemeinsames Ziel zu haben vereint Menschen und vereint auch Spieler.
Heidelberg hatte eine Vision und ein Ziel, wie es weitergehen soll. Das ist auch für Trier wichtig. Neue Ziele setzen, nach vorne schauen. Wo stehen wir jetzt und was wollen wir in den nächsten Jahren erreichen? Ein gemeinsames Ziel zu haben, vereint Menschen und vereint auch Spieler. Und so ein Ziel gibt allen die innere Motivation hart zu arbeiten. Darauf kommt es an.
Nach Gladiators Aufstieg Interview: Das kommt auf Triers Basketballer in der Bundesliga zu
Im Herbst startet die Saison in der Basketball-Bundesliga. Was auf die Gladiators zukommt, erzählt ihr Ex-Coach Christian Held im SWR-Interview. Er ist 2022 mit Rostock aufgestiegen.
SWR aktuell: Und wie wollen sie das erreichen?
Schneider: Es wird wichtig sein, dass wir uns nicht zufriedengeben mit dem, was wir erreicht haben. Wir müssen hungrig bleiben aber auch bescheiden. Wir wollen noch besser werden und uns weiterentwickeln als Mannschaft und als Verein. Nach so einer Saison sind die Erwartungen natürlich groß, aber wir werden auch irgendwann in die Realität zurückgeholt.
SWR aktuell: Damit die Realität nicht zu hart wird brauchen sie jetzt Verstärkungen, die auch in diese gewachsene Mannschaft passen. Wonach suchen sie die neuen Spieler aus?
Bei den Neuzugängen legen sehr viel Wert auf Charakter. Ich glaube, man hat gemerkt, dass wir eine Mannschaft sind, die sehr nahbar ist gegenüber den Fans.
Bei uns zählt Teambasketball, Zusammenhalt, Respekt untereinander und gegenüber dem Gegner.
Wir haben drei Stunden lang Autogramme gegeben bei der Meisterfeier. Anstrengend aber ein tolles Erlebnis. Wir waren ein Team mit guten Eigenschaften: Teambasketball, Zusammenhalt, Respekt untereinander und gegenüber dem Gegner. In solchen Kategorien waren wir auch menschlich sehr stark. Und die Spieler, die wir neu holen, sollen gut dazu passen. Da legen wir viel Wert drauf.
SWR aktuell: Wie weit sind sie denn mit den Planungen für die kommende Saison?
Schneider: Da ist schon einiges passiert. Denn wir haben genau genommen bereits vor der Aufstiegssaison vergangenen Sommer damit begonnen. So ein Projekt wie die Bundesliga kann man nicht in ein paar Wochen oder Monaten erledigen. Wir haben damals Spielern längere Verträge gegeben, mit der Vision, sie auch mit in die Bundesliga zu nehmen. Junge deutsche Spieler, wie Marten Linßen, Marco Hollersbacher oder Nolan Adenkunle, die in der BBL unerfahren sind. Aber wir trauen ihnen viel zu.
Dann haben wir auch vier unserer ausländischen Spieler weiterverpflichtet. Das Grundgerüst ist da und ganz wichtig: wir sind eingespielt. Die großen Puzzleteile fehlen aber noch. Wir brauchen absolute Leistungsträger auf zwei bis drei wichtigen Positionen. Es gibt viel Auswahl und am Ende muss es passen. Gerade die Aufbauposition ist im Basketball entscheidend. Marcus Graves war da in der letzten Saison einfach wunderbar. Er war mein verlängerter Arm auf dem Feld, dem ich immer vertrauen konnte.
Marcus hat alle Spieler in Szene gesetzt und nicht zuerst geschaut, wie er selber Punkte erzielen kann. Wir haben da noch keine Entscheidung auf der Position getroffen. Es gibt viel Auswahl und am Ende muss es passen.
SWR aktuell: Einer der auffälligsten Spieler in der Schlussphase der Saison war der älteste im Team, Maik Zirbes. Er ist ja nach vielen internationalen Stationen und Titeln vor zwei Jahren wieder in seine Heimat Trier zurückgekommen. Hängt er nochmal ein Jahr dran?
Schneider: Dass wir interessiert sind, mit ihm weiterzuarbeiten ist glaube ich klar. Maik hat in den Playoffs nochmal sehr beeindruckend gezeigt, was in ihm steckt. Zur Ruhe setzen will er sich denke ich nicht. Und man hat seit seiner Rückkehr gemerkt, wie heimisch er sich fühlt. Das ist für ihn was ganz Besonderes vor seiner Familie zu spielen, da wo für ihn alles angefangen hat.
Ich glaube, es kann für ihn nochmal eine tolle Story sein, in die BBL zurückzukehren. Er kann da sportlich noch mithalten. Und dann sind da seine Führungsqualitäten. Er ist wie ein Eisberg. Und unter der Spitze des Eisbergs passieren Dinge in der Kabine, die man von außen nicht mitbekommt. Da war Maik sehr stark, hat die jüngeren Spieler immer unterstützt und hat die richtigen Dinge zur Mannschaft gesagt.