Eltern sind fassungslos

Gymnasium in Birkenfeld: Unterricht auf der Großbaustelle

Offene Decken, fehlender Putz, herumliegende Bretter: Im Gymnasium Birkenfeld lernen Schüler mitten in einer Baustelle. Manche Eltern sind schockiert.

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Von Autor/in Maximilian Storr

Maja und Marla gehen in die siebte Klasse des Gymnasiums in Birkenfeld. Seit Beginn des Schuljahres sitzen sie in einem neuen Klassenraum - doch der gleicht eher einer Baustelle als einem Ort zum Lernen.

"Ich gehe die ganzen Treppen hoch und habe schon keine Lust mehr, wenn ich den Raum betrete und überall Baustelle sehe", sagt Marla frustriert.

Offene Kabel und Decken im Klassenraum

Zu Hause haben die beiden Schülerinnen ihren Eltern von den Zuständen in ihrer Klasse berichtet. "Wir dachten aber, so schlimm kann es nicht sein."

Aber als wir auf einen Elternabend eingeladen wurden, sind wir aus allen Wolken gefallen", sagt Marlas Mutter Nathalie Heylmann. Und Majas Mutter Bianca Schmitt ergänzt: "Wir waren wirklich schockiert."

Offene Kabel in einer Wand im Klassenraum.
Offene Kabel an einer Wand im Klassenraum. privat

Das ist eine komplette Rohbaustelle.

Die beiden Mütter berichten, dass im Klassenraum ihrer Kinder Kabel offen aus der Wand hängen, der Putz fehlt, Bretter mit herausstehenden Nägeln auf dem Boden liegen und Metallteile aus der Wand ragen. "Das ist eine komplette Rohbaustelle", sagt Bianca Schmitt.

Zwar seien die gefährlichen Bretter inzwischen entfernt und die Kabelwand provisorisch abgedeckt worden - doch ihre Kinder hätten keine Lust in diesem Umfeld zu lernen.

Maja und Marla sind Schülerinnen des Gymnasiums Birkenfeld
Maja und Marla sind Schülerinnen des Gymnasiums Birkenfeld Max Storr

Schulleiter genervt von Dauerbaustelle

Tino Schmitt kann das nachvollziehen. Der Schulleiter des Gymnasiums in Birkenfeld ist ebenfalls genervt von der Situation an seiner Schule.

Seit Jahren hat Schmitt praktisch jeden Tag in bestimmten Gebäudeteilen Arbeiten und Baustellenlärm - und muss Schülerinnen und Schüler dennoch in diesen Räumen unterrichten lassen, weil er ansonsten zu wenig Räume hat.

Tino Schmitt ist Schulleiter am Gymnasium in Birkenfeld. Er ist genervt von den jahrelangen Bauarbeiten, findet aber, dass die Sanierung der Schule dringend notwendig war.
Tino Schmitt ist Schulleiter am Gymnasium in Birkenfeld. Er ist genervt von den jahrelangen Bauarbeiten, findet aber, dass die Sanierung der Schule dringend notwendig war. Max Storr

Riesiger Sanierungsstau

Doch der Schulleiter sagt auch, dass die umfangreiche Sanierung der Elektroleitungen dringend notwendig gewesen sei. "Als ich 2017 an diese Schule kam, gab es fast nirgendwo W-Lan oder Internet, die Fenster waren undicht und die Elektroleitungen sind in den Wänden so heiß geworden, dass man sich wirklich Sorgen machen musste."

Kurz zusammengefasst: Die Schule war eine Bruchbude. Deshalb ist Schmitt auch froh, dass die Kreisverwaltung in Birkenfeld vor einigen Jahren mit der Sanierung begonnen habe. Doch er wünscht sich auch, dass es schneller vorangehen würde.

Kreis hat sechs Millionen Euro investiert

Sechs Millionen Euro hat die verantwortliche Kreisverwaltung in den vergangenen Jahren investiert, sagt Ordnungsdezernent Roland Praetorius.

Roland Praetorius ist Ordnungsdezernent in der Kreisverwaltung in Birkenfeld. Die Bestandssanierung der Schule ist aus seiner Sicht eine große Herausforderung. Die Schüler müssten schließlich weiter unterrichtet werden.
Roland Praetorius ist Ordnungsdezernent in der Kreisverwaltung in Birkenfeld. Die Bestandssanierung der Schule ist aus seiner Sicht eine große Herausforderung. Die Schüler müssten schließlich weiter unterrichtet werden. Max Storr

Eigentlich sollten die Sanierung der Elektroleitungen bereits im vergangenen Jahr fertig sein. Doch das hat nicht geklappt. "Wir versuchen die Arbeiten zu koordinieren, aber es funktioniert auch oft von Seiten der Handwerker nicht", sagt Praetorius.

Fachkräftemangel verzögert Schulsanierung

Vielen Handwerksunternehmen würde es an Fachkräften fehlen. Hinzu komme, dass sich viele Firmen eher für Neubauprojekte interessierten, weil bei Bestandssanierungen immer wieder neue Probleme auftauchen würden. Das erschwere die Planungen. "Manchmal sind wir froh, wenn wir überhaupt ein Unternehmen finden", sagt Praetorius.

Wir werden keinen Schüler in irgendeinen Raum lassen, der gefährlich ist.

Die Bauarbeiten würden sich auch deshalb so in die Länge ziehen, weil die Schule im laufenden Betrieb erneuert werden müsse. Sicherheitsbedenken, weil Schülerinnen wie Marla oder Maja in Räumen mit offener Decke und herum liegenden Kabeln unterrichtet werden, sieht Praetorius allerdings nicht.

Die Räume würden von der Verwaltung immer geprüft werden. "Natürlich ist das nicht hübsch und sieht nicht gut aus. Aber wir werden keinen Schüler in irgendeinen Raum lassen, der gefährlich ist", sagt er.

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Doch wann werden alle Klassenräume fertig sein? "In so einem alten Gebäude gibt es immer Sanierungsarbeiten", sagt Praetorius.

Weitere Sanierungen geplant

Ab dem kommenden Jahr soll zum Beispiel der Brandschutz komplett erneuert werden, deshalb würden einige Kabelschächte auch jetzt nicht verschlossen werden. Sie müssten sonst bald wieder aufgemacht werden.

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In der Schule muss offenbar in wenigen Jahren das nachgeholt werden, was über Jahrzehnte versäumt wurde. Für Maja und Marla bedeutet das nichts Gutes: Sie werden wohl auch in Zukunft auf einer Baustelle unterrichtet.

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