Anke Zimmer vom Tierheim Altrich in der Eifel ist der Stress anzumerken. Zu viele Katzen werden ihr derzeit gemeldet. Bei ihr und anderen ehrenamtlichen Helfern vom Tierschutz rufen Menschen rund um die Uhr und auch am Wochenende an, um kleine Katzen oder eine Mutter mit Babykatzen zu melden. Manche wollten auch ihre eigenen Katzen loswerden.
Warum vermehren sich Katzen unkontolliert?
Aus ihrer Sicht hat sich die Problematik immer weiter zugespitzt. Manche Leute haben offenbar auch kein Geld mehr, um ihre Katzen kastrieren zu lassen. Die Kosten dafür seien seit November 2022, seit einer neuen Gebührenordnung für Tierärzte, stark gestiegen. Doch bei vielen mangelt es auch einfach an Einsicht.
Es gibt auch Halter, die ihre Katzen im Eifeltierheim abgegeben, wenn diese krank sind. Oft kommen auch Tiere aus sogenannten Qualzuchten. Die werden dann richtig teuer für das Tierheim.
Warum bringen Menschen Katzen ins Tierheim?
Und immer wieder gibt es Leute, die sich eine Katze irgendwann mal unüberlegt angeschafft haben. Wenn die Katze dann Junge bekommt, ist sie nicht mehr willkommen. Dann werde angerufen, teils werde den Tierschützern dann auch gedroht. Dann heißt es: "Sie müssen die nehmen, Sie sind dazu verpflichtet." Manche würden den Tierschützern sogar regelrecht die Pistole auf die Brust setzen: "Jetzt holen Sie die Katzen ab, sonst werfen wir die auf die Straße".
Was bringen Katzenschutzverordnungen?
Anke Zimmer und ihre Kolleginnen wünschen sich daher, dass es in ihrer Umgebung in der Eifel mehr Verbandsgemeinden mit einer Katzenschutzverordnung geben sollte. So wie die Verbandsgemeinde Gerolstein in der Vulkaneifel sie schon seit fünf Jahren hat. Das habe sich bewährt.
Auch die Verbandsgemeinde in Gerolstein zieht eine positive Bilanz: Die Menschen seien seitdem für das Thema offener. Tierärzte und Tierschützer melden, dass viel mehr Katzen seitdem gekennzeichnet und eben auch kastriert bzw. sterilisiert seien. Für die Beteiligten gibt es demnach eine belastbare Grundlage, Katzenhalter aufzuklären. Die Verbandsgemeinden in Daun und Wittlich-Land signalisieren, dass sie dem grundsätzlich offen gegenüberstehen.
Von der VG Wittlich-Land heißt es, dass die jetzigen Möglichkeiten möglicherweise nicht rechtssicher seien und eine landesweite Ordnung sinnvoller sei. Auch die Verbandsgemeinde Daun hat Zweifel, ob Sanktionen durchgesetzt werden könnten. Sie will aber erneut in ihrer VG im Herbst über eine Verordnung beraten.
Wann wird die Verordnung in Trier eingeführt?
Die Stadt Trier will so eine Verordnung im August einführen. Das Tierheim in Trier findet das sehr gut. Eine Sprecherin meint: Wir haben so viel mehr Handhabe. Fundkatzen könnten dann unkompliziert kastriert werden. Bisher mussten die Tierschützer erst abwarten, ob sich jemand als Besitzer meldet. Sie könnten die Tierhalter auch so viel besser in die Pflicht nehmen, sich zu kümmern. Es sei wichtig, dass Katzen nicht nur gechippt, sondern auch registriert seien. Und eben kastriert.
Aktuell haben sie nämlich schon eine Warteliste für Mutterkatzen mit Katzenkindern. Diesen Sommer leben bei ihnen schon 60 Kätzchen und 40 ausgewachsene Katzen. Das sei für die Mitarbeitenden und Helfer eine Menge und mache viel Arbeit.
Warum machen die Katzenbabys so viel Arbeit?
Auch das Tierheim Oberstmuhl in Idar-Oberstein meldet eine regelrechte Katzenschwemme. Die vielen Katzenkinder stellen die Tierschützer vor enorme Herausforderungen. Viele Kitten werden demnach ohne Muttertier aufgefunden, sind krank, geschwächt oder benötigen intensive Betreuung rund um die Uhr. Das ist für die Mitarbeitenden jetzt gerade im Sommer eine massive Mehrbelastung.
Ähnlich sieht es Anke Zimmer vom Eifeltierheim. Derzeit ersticken sie geradezu vor lauter Arbeit - vor allem durch die Katzenkinder. Die Tierschützer bekämen auch wenig finanzielle Unterstützung. Schon gar nicht für Streuner. Für solche Katzen gebe es keine Zuschüsse. Die Tierschützer sollten das dann richten. Dabei wird oft übersehen, dass sie vor allem von Spenden leben und der Arbeit der Ehrenamtlichen. Bevor sie eine Jungkatze vermitteln könnten, haben sie demnach Kosten von 300 bis 400 Euro - durch Pflege, Medikamente und Futter.
Sie stellt auch fest, dass die Katzen früher etwa von April bis November Junge bekommen hätten. So eine Art "Saison" gibt es jetzt nicht mehr, es würden quasi das ganze Jahr über Katzenjunge geboren. Daher mussten sie in diesem Jahr schon andere Tierheime um Hilfe bitten und Babykatzen nach Koblenz, Mayen, Trier und sogar bis zur Katzenhilfe nach Mainz bringen.
Anke Zimmer denkt, eine flächendeckende Katzenschutzverordnung für die Eifel oder sogar für ganz Rheinland-Pfalz würde den Tieren nützen. Dann hätten die Tierschützer wenigstens eine rechtliche Handhabe. Sonst ließen viele Katzenhalter eben ihre Katzen nicht kastrieren. Das gelte auch für Streunerkatzen. Ohne Druck von außen lasse sich das Problem eben nicht lösen.