Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen

Wie ein Unternehmen aus Morbach auf Nachhaltigkeit setzt

Neue Maschinen, keine Abfälle und eine Mutter, die mit 71 Jahren nochmal zur Uni geht. Die elka-Holzwerke in Morbach geben alles für Nachhaltigkeit und wurden dafür ausgezeichnet.

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Von Autor/in Andrea Meisberger

"Ich nehme immer den Vergleich: Man bestellt irgendwas im Internet, es kommt irgendwo her und es hat den billigsten Preis. Und beim Holz, das in den Fachmärkten verkauft wird, sind das regionale Produkte." Holz ist für Larissa Kuntz von den elka-Holzwerken in Morbach pure Leidenschaft. 2020 wurde sie Geschäftsführerin des Familienbetriebs - neben ihrem Vater und weiteren Geschäftsführern.

Aus den Stämmen hier werden Häuser und Dachstühle gebaut. Es ist schön, wenn man weiß, dass da was Neues entsteht.

Aus Holz etwas neues schaffen, nachhaltig arbeiten. Das ist etwas, was Larissa Kuntz intensiv verfolgt. "Aus den Stämmen hier werden Häuser und Dachstühle gebaut. Es ist schön, wenn man weiß, dass da was Neues entsteht", sagt sie. In Häusern seien dann gut und gerne mal 80 bis 200 Jahre verbaut.

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Regionales Holz: Aber wie lang noch?

Für besonders viel Nachhaltigkeit haben die elka-Holzwerke Anfang des Jahres den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen. So werden zum Beispiel Resthölzer nicht einfach weggeworfen – daraus entstehen Spanplatten. 15 Millionen Euro investiert die Firma unter anderem in modernere Anlagen – die CO2 einsparen und weniger Energie verbrauchen sollen. Ihr Holz kaufen sie ausschließlich in der Region.

Wenn das Holz hier in der Region wächst, dann sollten wir es auch hier kaufen.

Das heißt: Die Baumstämme, die in dem Holzwerk verarbeitet werden, wachsen in einem Umkreis von 150 Kilometern. "Wenn das Holz hier in der Region wächst, dann sollten wir es auch hier in der Region kaufen", stellt die 34-Jährige fest.

Zukünftig könnte das jedoch schwierig werden. Die Wälder seien durch den Klimawandel schwer beschädigt. Es müsse dringend aufgeforstet werden und dazu benötige es neue Konzepte. Kuntz wäre froh, wenn das in Zusammenarbeit mit der Holzindustrie geschehen würde.

Mit 71 Jahren zum Studium an die Hochschule

Nachhaltiges Arbeiten und Wirtschaften klappt nur, wenn das dazu notwendige Wissen vorhanden ist. Das hat sich Dagmar Hilden-Kuntz, die Mutter von Larissa Kuntz gedacht und sich für den Studiengang Sustainible Change (Nachhaltiger Wandel) am Umweltcampus in Birkenfeld eingeschrieben. Der duale Studiengang findet immer am Wochenende statt. Mittlerweile steht die 71-Jährige kurz vor ihrer Masterarbeit.

Die elka-Holzwerke in Morbach haben den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen
Dagmar Hilden-Kuntz hat sich am Umweltcampus Birkenfeld eingeschrieben, um sich im Bereich Nachhaltigkeit weiterzubilden.

Wir stehen einer großen Veränderung gesellschaftlicher und weltwirtschaftlicher Art gegenüber.

Eigentlich ist sie für den Vertrieb der Firma zuständig. Aber gerade hier sei das Fachwissen besonders wichtig, weil sie dort mit Händlern, Verarbeitern und auch Verbänden zu tun habe. Das könne sie dabei gut anwenden, gerade wenn es ums Bauen geht. "Wir stehen hier einer großen Veränderung gesellschaftlicher und weltwirtschaftlicher Art gegenüber", so die 71-Jährige.

Baubranche muss klimafreundlicher werden

Dagmar Hilden-Kuntz und ihrer Tochter ist im Hinblick auf den Klimawandel klar: Auch in der Baubranche muss sich etwas ändern und es sollte deutlich mehr auf Holzbau gesetzt werden. Schließlich würden bisher 40 Prozent der Emissionen in Deutschland durch den Bau verursacht.

Die vergangene Bundesregierung hatte deshalb 2023 die Holzbauinitiative auf den Weg gebracht. Bis 2030 sollte demnach deutlich mehr mit Holz gebaut werden, als mit Beton und Stein. Nach Angaben des Bundesbauministeriums will auch die neue Bundesregierung auf biobasierte Baumaterialien setzen - also Baustoffe, die aus nachwachsenden oder biologisch erzeugten Rohstoffen hergestellt werden. Die Holzbauinitiative der Ampel-Regierung sei dafür eine gute Grundlage.

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Eine Statistik des Bundes Deutscher Zimmerer zeigt, dass in den vergangenen fünf Jahren bereits mehr mit Holz gebaut worden ist. Während 2019 in Rheinland-Pfalz noch rund 21 Prozent der neuen Wohnhäuser überwiegend mit Holz gebaut wurden, sind es 2024 bereits 26 Prozent. Rheinland-Pfalz liegt dort deutlich vor dem Bundesdurchschnitt - dieser liegt bei 22 Prozent.

Jetzt bricht das Zeitalter des Holzbaus an.

Aber das reiche noch lange nicht, sagt Larissa Kuntz. Wegen des fortschreitenden Klimawandels sei es wichtig, beim Bauen noch deutlich mehr auf natürliche Rohstoffe zu setzen. Ein spürbarer Trend sei schon zu erkennen. So würden neben Holz auch alternative Materialien wie Stroh und Lehm wieder eine größere Rolle bei neuen Baukonzepten spielen. Die 34-Jährige hofft mit Blick auf die Zukunft: "Jetzt bricht das Zeitalter des Holzbaus an."

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