Eine weiß-trübe Flüssigkeit tropft durch ein Glasrohr in einen Becher. Daneben ein Kolben mit rotem Farbstoff. Debora Thanaraku aus Gerolstein steht im weißen Kittel und mit Schutzbrille in einem Labor der Junior Uni Daun in der Vulkaneifel und kontrolliert, ob bei ihrem Experiment alles nach Plan läuft.
"Mit jedem Tropfen, der in das Becherglas hineintropft, entstehen kleine Bläschen, die wie Zellen in unserem Körper aussehen", erklärt die 18-Jährige. Die Bläschen sind nur unter dem Mikroskop zu sehen. "Darin können bestimmte Stoffe eingeschlossen und dem Körper verabreicht werden", so Thanaraku weiter.
Neue Behandlungsart: Eifelerin testet Schutzhüllen für Insulin
Zum Beispiel der Wirkstoff Insulin, der bei Diabetes gespritzt werden muss. Die Bläschen funktionieren dabei wie eine Schutzhülle für den Wirkstoff und bewahren ihn etwa vor der Magensäure. So kann das Insulin leichter in den Darm gelangen und seine Wirkung besser entfalten.
Welt-Diabetestag Fachleute empfehlen Menschen mit Diabetes Typ 2 kontinuierliche Messung vom Blutzucker
Eine kontinuierliche Blutzuckermessung ist bisher nur bei Diabetes Typ 1 Standard - laut Fachleuten könnten aber auch viele Menschen mit Diabetes Typ 2 davon profitieren.
Und nicht nur das: Mithilfe der Schutzhüllen wäre es künftig denkbar, dass Diabetiker Insulin in Form von Tabletten einnehmen - so etwas gibt es bislang nicht. Debora Thanaraku testet das im Labor mit rotem Farbstoff, denn Insulin hat sie nicht.
Sie will mit ihrer Idee Menschen helfen. "Zu sehen, wie Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, jeden Tag Spritzen ausgesetzt sind, hat bei mir das Interesse geweckt, etwas dagegen zu tun", erzählt Thanaraku. Es ist kein Zufall, dass sie sich mit Diabetes beschäftigt. "Mein Opa ist auch an Diabetes erkrankt. Das war meine erste Begegnung mit der Krankheit."
18-Jährige aus Gerolstein überzeugt bei "Jugend forscht"
Thanaraku hat monatelang neben der Schule und stressigen Abitur-Prüfungsphase an ihrer Idee getüftelt, mit Erfolg: Sie konnte mit ihrem Projekt die Juroren beim Wettbewerb "Jugend forscht" überzeugen und sich den Landessieg im Fach Chemie in Rheinland-Pfalz sichern. Damit hat sie sich auch für das Bundesfinale im bayrischen Herzogenaurach qualifiziert.
Julian Schäfer von der Junior Uni Daun hat sie beim Projekt betreut und ist stolz auf sie: "Sie hat Tag und Nacht daran gearbeitet. Sie hat etwas Herausragendes in dieser Zeit geleistet, auch dafür, dass sie noch so jung ist."
Mediziner für Diabetologie: "Sie hat eine wichtige Idee"
Das sieht auch Nikolaus Wirtz so. Er leitet das medizinische Versorgungszentrum für Diabetologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier. "Sie hat eine wichtige Idee. Das Modell, das sie hier vereinfacht bearbeitet hat, wird sicherlich noch nicht das Ziel am Ende sein", sagt Wirtz.
Sie habe zunächst Grundlagen geschaffen. Die 18-Jährige steht dem Mediziner zufolge erst am Anfang. Es sei noch ein langer Weg, bis Thanaraku die Diabetes-Therapie mit ihrer Idee verbessern könnte. "Sie leistet wichtige Arbeit, um den Weg zu gehen, der hoffentlich irgendwann zu einem Ergebnis führen wird", erklärt der Diabetologe.
Eifelerin will weiter zu Diabetes forschen
Das weiß auch Thanaraku. Aufgeben will sie aber auf keinen Fall. Die 18-Jährige will vielmehr Medizin studieren und währenddessen weiter an ihrem Traum arbeiten: "Jetzt, wo ich damit angefangen habe, fällt es mir schwer, es einfach sein zu lassen."
Sie kann sich gut vorstellen, irgendwann zu diesem Thema auch eine Doktorarbeit zu schreiben. "Alternativ will ich mich mit Industrien zusammensetzen, damit ich etwas zur Diabetes-Therapie beitragen kann", erzählt Thanaraku. Bevor sie sich aber bald in den Medizin-Hörsaal setzt, will sie in den nächsten Tagen die Juroren beim Bundesfinale von "Jugend forscht" mit ihrer Arbeit überzeugen.