Laali Lyberth verfolgt aufmerksam an ihrem Laptop die Nachrichten aus Grönland. Auch in ihrer Heimat werden die Schlagzeilen davon bestimmt, dass die US-Regierung das Land für sich beansprucht und mit einem militärischen Angriff droht. Die 51-Jährige lebt inzwischen in Daun in der Vulkaneifel und betreibt dort einen Verlag für grönländische Literatur. Mit ihrem früheren Zuhause ist sie immer noch eng verbunden.
Kritik an Trump und Grönlands Regierung
Lyberth ist in Grönlands Hauptstadt Nuuk geboren und aufgewachsen. Ihre Familie und Freunde leben immer noch dort. Sie besucht ihre Heimat regelmäßig. Erst zuletzt hatte sie drei Monate bei ihrer Familie in Grönland verbracht: "Ich vermisse immer mein Land, mein Zuhause und die Menschen, die ich liebe. Ich liebe es, in Grönland zu sein. Wenn du nach Hause kommst, dann ist es einfach Heimat. Ein Gefühl, das du nicht beschreiben kannst", erzählt die Grönländerin.
Ich denke die Zeit, Länder zu erobern und Menschen zu verkaufen, ist vorbei.
Die US-Drohungen gegenüber ihrer Heimat treiben sie um. "Meine Gefühle sind wie Wellen. Einerseits fühle ich Angst, andererseits bin ich auch nicht überrascht, was Trump angeht", so Lyberth weiter. Sie finde es schlecht, dass der US-Präsident Grönland droht. "Ich denke die Zeit, Länder zu erobern und Menschen zu verkaufen, ist vorbei."
Sie kritisiert aber auch ihre eigene Regierung. Ihrer Meinung nach hätte es nicht so weit kommen müssen. "Meine Frage an Grönlands Regierung ist, warum sie nicht schon einen Weg gesucht hat, um mit dem Weißen Haus zu kommunizieren. Wenn es zuvor schon eine Kommunikation gegeben hätte, dann wäre die Situation vielleicht jetzt eine andere", sagt die 51-Jährige.
Grönländerin in der Eifel: "Das ist eine Chance für mein Land"
Trotz der massiven Drohungen aus Washington gegenüber Grönland hat Lyberth aktuell keine Angst um ihre Familie. "Ich glaube nicht, dass die USA Grönland wirklich angreifen. Allerdings ist ein Präsident wie Trump schwer einzuschätzen", sagt die Grönländerin.
Trump rudert bei Zöllen und Grönland zurück Trump zu Grönland: „Ich muss keine Gewalt anwenden“
Aufatmen in Europa: Trump verzichtet auf Strafzölle, Grönland lässt er Dänemark. Das zumindest sagte er am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Aber was will Trump jetzt?
Sie findet es aber gut, dass die Welt jetzt nach Grönland schaut. "Das ist eine Chance für mein Land", betont Lyberth. Grönland wolle von Dänemark unabhängiger werden. "Wir arbeiten seit Jahren daran. Ich bin mir sicher, dass es irgendwann so sein wird. Aber es ist ein Prozess. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen", so Lyberth weiter.
Wunsch nach Unabhängigkeit von Dänemark
Grönland ist autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark. Doch die Beziehungen zur früheren Kolonialmacht seien angespannt. Die Kolonialgeschichte sei ein dunkles Kapitel des Landes, was die Menschen in Grönland bis heute beschäftige.
Ich denke, Dänemark hört jetzt zum ersten Mal zu, was wir in Grönland wirklich wollen.
Für Grönland sei es gut, jetzt im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit zu stehen. Dadurch sei Dänemark unter Druck und gezwungen, sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. "Ich denke, Dänemark hört jetzt zum ersten Mal zu, was wir in Grönland wirklich wollen. Das ist eine gute Sache", betont Lyberth.
"Dänemark präsentiert sich oft als gute Kolonialmacht. Aber jetzt fangen sie an, zu schauen, was sie wirklich in Grönland gemacht haben", so die Grönländerin weiter. Das sei ein Heilungsprozess.
Forderung nach Gesprächen zwischen USA und Grönland
Lyberth hofft, dass die Regierungen der USA und Grönlands jetzt direkt miteinander sprechen. Die Zukunft Grönlands dürfe nicht über die Köpfe der Grönländer hinweg entschieden werden. Das Gipfeltreffen am Mittwoch in Washington könnte aus ihrer Sicht deshalb auch ein Schritt in die richtige Richtung sein.
Wir wollen nicht Amerikaner oder Dänen sein. Wir wollen Grönländer sein.
Die Hoffnung, dass Grönland unabhängiger wird, ist groß. "Grönland gehört den Grönländern. Wir wollen nicht Amerikaner oder Dänen sein. Wir wollen Grönländer sein", betont Lyberth. Das oberste Ziel müsse sein, dass es in Grönland weiterhin friedlich bleibt. Dennoch sei klar, dass Grönland auch in Zukunft politische Partner bräuchte und Gespräche seien dafür ein guter Anfang.