"Bei uns geht es um mehr als einfach nur Haareschneiden", sagt Sinan Karadeniz aus Trier. "Wir bieten so etwas wie Wellness im Alltag und eine gute Atmosphäre wie in einem Club." Und seine Mitarbeiter könnten, was deutsche Friseure nicht unbedingt draufhätten: angesagte Frisuren mit der Maschine. Und das zu günstigen Preisen.
Ausgebildete Friseure und angelernte Mitarbeiter
Einige seiner Barbershop-Mitarbeiter seien auch ausgebildete Friseure, andere nur angelernt. Bei kunstvollen Maschinenfrisuren komme es aber nicht nur auf die formale Ausbildung an, sondern auch auf Talent.
Über solche Ansichten lässt sich streiten. Doch viele Kunden, vor allem jüngere Männer, schätzen genau dieses Angebot des Barbershops. Sogar unter der Woche ist viel Betrieb.
Sinan Karadeniz ist türkischer Kurde und seit zehn Jahren in Deutschland. Vor sechs Jahren hat er an der Mosel seinen ersten Barbershop eröffnet. Inzwischen hat er schon seinen zweiten Laden und ist zufrieden mit dem Geschäft.
Barbershop-Branche hat durchwachsenen Ruf
Auch wenn die Barbershops mit ihrem Spezialangebot für jüngere Männer in Deutschland offenbar einen Kundennerv getroffen haben, werden sie nicht nur positiv gesehen. Die Branche hat einen, gelinde gesagt, eher durchwachsenen Ruf.
Immer wieder hört man, dass Barbershops sich nicht an die Regeln halten würden, die für Friseure gelten. Ihre Mitarbeiter hätten keine spezifische Ausbildung, es mangele an Hygiene und die extrem günstigen Preise deuteten darauf hin, dass es in manchen Barbershops nicht mit rechten Dingen zugehe.
Zweifelhaftes Image oder unberechtigte Vorbehalte?
Ist an den Vorwürfen etwas dran? In der Ludwigshafener Innenstadt gibt es zwischen Berliner Platz und Danziger Platz allein sieben Barbershops. Allerdings will in keinem von ihnen jemand mit dem SWR reden. Manche Barber sprechen kein Deutsch, andere sagen, ihr Chef habe ihnen ein Gespräch verboten.
Nur ein Barber redet dort: Göksah Percin. Er hat erst im November seinen Laden eröffnet. Wir fragen ihn, was er von den Vorwürfen hält: ein traditioneller Friseur hatte uns beispielsweise gesagt: Barber dürften keine Haare schneiden.
"Es stimmt schon, was der Friseur sagt", so Percin. Man brauche einen Meister im Laden und viele Barbershops in Ludwigshafen hätten keinen.
Percin selbst ist ausgebildeter Friseur, nennt seinen Laden ebenfalls Barbershop. "Wir richten uns nur an Männer." Schon Monate vor der Eröffnung hat Percin seinen Laden auf Social Media beworben. Das gehört heutzutage dazu, findet er.
Traditionelle Friseure pochen auf gleiche Spielregeln
Beim Landesverband Friseure & Kosmetik Rheinland in Prüm hat man kein grundsätzliches Problem mit der neuen Konkurrenz, sagt Hauptgeschäftsführer Dirk Kleis. "Allerdings müssen sich auch Barbershops an Standards wie Mindestlohn, Tarifverträge, Hygieneanforderungen, Sozialversicherungsbeiträge und Steuern halten".
Immer mehr Barbershops?
Kleis stellt fest, die Zahl der Barbershops habe sich im Bereich des Landesverbandes Rheinland drastisch erhöht.
Das beobachtet auch der Friseurverband Pfalz. Nach Angaben von Ingo Cappel, dem Landesinnungsmeister des Verbandes haben Barbershops beispielsweise in der Kaiserslauterer Innenstadt "extrem zugenommen".
Keine verlässlichen Zahlen über Barbershops
Genaue Zahlen gibt es nicht. Barbershops sind aus Sicht der Handwerkskammern "Friseurbetriebe" und werden als solche auch dort eingetragen.
Als Landesverband wünschen wir uns mehr Kontrollen und auch Sanktionen", sagt Kleis. Positiv sei auf jeden Fall schon einmal eine Gesetzesänderung, die zum Jahreswechsel in Kraft getreten ist. Dabei wurde das Friseurhandwerk in das Schwarzgeldbekämpfungsgesetz aufgenommen, wodurch es zusätzliche Kontrollmöglichkeiten gibt.
Wir wünschen uns mehr Kontrollen
Einer, der regelmäßig Barbershops kontrolliert, ist Tobias Thoma von der Handwerkskammer Rheinhessen. Er hat alle Handwerksbetriebe von Worms über Mainz bis nach Bingen im Blick. Gemeinsam mit dem Ordnungsamt steht er unangekündigt vor der Tür.
Die Kontrolleure interessiert vor allem, ob bei den Friseuren und Barbershops ein Meister vor Ort ist. Jeder Betrieb muss einen Meister eintragen lassen, um zugelassen zu werden.
Bei den Barbershops sind häufig die Geschäftsinhaber nicht selbst auch Meister. Dann müssen sie einen Meister anstellen und der sollte bei der Kontrolle auch vor Ort sein. Ist er es nicht, werden die Kontrolleure hellhörig.
Barbershops häufiger unter den Problemfällen
Im Westen von Rheinland-Pfalz kennt sich Daniel Jäckels von der Handwerkskammer Trier mit den entsprechenden Kontrollen und dem Phänomen Barbershop aus.
Fünf Prozent aller rund 600 Friseurbetriebe in seinem Beritt seien bei Kontrollen auffällig. Bei diesen fünf Prozent handele es sich tendenziell häufiger um Barbershops als um traditionelle Betriebe.
Meist gehe es dann um "unerlaubte Ausübung", also dass kein Meister vorhanden oder nicht anwesend sei. Allerdings stünden der Handwerkskammer Trier gerade mal zwei Kontrolleure zur Verfügung und zwar nicht für die 600 Friseurbetriebe, sondern für alle rund 7.000 Handwerksbetriebe.
Wir leiten auch Hinweise an Zoll und Finanzamt weiter
Die Handwerkskammer erhalte auch Hinweise, für die sie nicht selbst zuständig sei. Zum Beispiel wenn Einnahmen nicht versteuert oder Hygienevorschriften nicht beachtet würden. Diese Hinweise leite die Handwerkskammer dann an das Finanzamt oder den Zoll weiter. Manche Kontrollen führe man auch gemeinsam durch, sagt Jäckels.
Um die Kontrollen in Zukunft besser zu koordinieren, habe die Handwerkskammer Trier 2025 eine eigene Fachtagung mit Vertretern des Zolls, des Finanzamtes, der Gewerbeaufsicht und der Ordnungsbehörden durchgeführt, die in Zukunft regelmäßig stattfinden soll.
Zoll kontrollierte in Friseur- und Kosmetiksalons
Der Zoll habe in ganz Rheinland-Pfalz 2025 allein im ersten Halbjahr 308 Arbeitnehmer kontrolliert, während es 2024 im gesamten Jahr 374 gewesen seien, so das Hauptzollamt Koblenz - hoch gerechnet also fast eine Verdopplung der Kontrollen.
Bei rund 38 Prozent der kontrollierten Arbeitnehmer in der Branche habe es im ersten Halbjahr 2025 Unregelmäßigkeiten gegeben, so der Zoll. Gefunden wurden laut Zoll nicht nur Fälle von Schwarzarbeit oder Nicht-Zahlung des Mindestlohns. Die meisten Beanstandungen hätten mit illegalem Aufenthalt in Deutschland oder fehlender Arbeitsgenehmigung zu tun.
Zoll begrüßt die Änderung des Schwarzarbeitsgesetzes
Seit Jahresbeginn ist auch die Änderung des Schwarzarbeitsgesetzes in Kraft. Diese gibt dem Zoll mehr Befugnisse. Das Friseur- und Kosmetikgewerbe ist jetzt explizit im Gesetz genannt. Alle Mitarbeiter müssen sich ausweisen können, sagt der Zoll. Außerdem sei der Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitnehmer ab dem ersten Tag bei der Deutschen Rentenversicherung zu melden. In anderen Branchen gebe es eine Karenzzeit, meist bis zur ersten Gehaltszahlung.
Sinan Karadeniz sorgt sich um seinen guten Ruf
"Auch wir haben hier fast jedes Jahr Kontrollen von der Handwerkskammer und auch vom Zoll, aber bisher null Strafen", sagt Sinan Karadeniz. Der Barbershop-Betreiber weiß, dass es in der Branche Probleme gibt und sorgt sich, dass sein guter Ruf durch andere Barbershops leiden könnte.
Für seine Läden in der Trierer Innenstadt habe er einen Friseurmeister. Hygiene sei ihm in seinen Läden besonders wichtig. Die Kontrollen findet er gut. Schmunzelnd sagt er, vermutlich kämen sie einfach deshalb zu ihm, weil bei ihm so viel Betrieb sei.