Der amtierende Ministerpräsident Alexander Schweitzer von der SPD stammt aus Landau in der Pfalz, einer echten Wein-Hochburg also. Kein Wunder, dass Schweitzer keine Gelegenheit auslässt, sich zum Wein zu bekennen.
So sagte er im Februar bei einer Wahlkampfveranstaltung: "Und darum ist für mich Landwirtschaft und Weinbau ein Thema, was auch zur Farbe und zur Lebensqualität des Landes Rheinland-Pfalz gehört."
Schnieder: "Man lernt schnell, wie toll Pfälzer Schorle ist"
Zahlreiche, ähnlich klingende Aussagen gibt es auch von seinem CDU-Herausforderer Gordon Schnieder. Auch wenn der eigentlich aus einer der wenigen Ecken des Landes kommt, in der Wein keine große Rolle spielt, wie er 2024 auf einem CDU-Parteitag einräumen musste: "Ich komm dann aus der Eifel aus einer Biertrinker-Gegend." Woraufhin er aber schnell nachschob: "Man lernt schnell, wie toll Pfälzer Schorle ist. Und sie ist auch dann nicht mehr wegzudenken."
Das Zitat zeigt gut: Wer in Mainz Karriere machen will, sollte einem Glas Wein oder Schorle unbedingt positiv gegenüberstehen. Denn das gilt als Zeichen von Bodenständigkeit. Wer Wein trinkt, ist "nah bei de Leut".
Parteien machen Wein zum Wahlkampfthema
Das Bekenntnis zum Weinbau kann im Wahlkampf aber auch dabei helfen, die eigenen Positionen zu untermauern. Beispiel: Grünen-Spitzenkandidatin und Klimaschutzministerin Katrin Eder. "Gerade der Weinbau zeigt, wie Innovation, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Stabilität zusammengehen können," sagte sie kürzlich beim Besuch eines Weinguts.
Krise im Weinbau So stellen sich die Winzer in Rheinland-Pfalz für die Zukunft auf
Klimawandel, sinkender Alkoholkonsum und Inflation setzen den Weinbau unter Druck. Die Winzer in Rheinland-Pfalz reagieren darauf mit verschiedenen Strategien.
Und natürlich ist die Liebe zum Wein Voraussetzung für viele repräsentative Termine im Land. Dazu gehören Auftritte mit Weinköniginnen genauso wie die Eröffnung von über 1.000 Weinfesten, die es im Land gibt. Darunter mit dem Dürkheimer Wurstmarkt "das größte Weinfest der Welt", wie Ministerpräsident Alexander Schweitzer bei der Eröffnung 2025 betonte.
Solche Superlative werden im Land gerne im Zusammenhang mit dem Weinbau genutzt. So betont auch die derzeitige Weinbau- und Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt und Spitzenkandidatin der FDP in einem Image-Video: "Rheinland-Pfalz ist das Weinbauland Nummer 1, mit sechs Weinbauregionen haben wir einen tollen Magneten."
Politik muss auf Krise im Weinbau reagieren
In diesen sechs Anbaugebieten (Pfalz, Rheinhessen, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Ahr) liegen knapp zwei Drittel der gesamten deutschen Rebfläche. Völlig unbestritten also, dass Rheinland-Pfalz das deutsche Weinbau-Bundesland ist.
Das heißt aber auch: Eine Krise, wie sie der Weinbau derzeit erlebt, schlägt hier besonders hart zu und kann die Politik in Mainz nicht kalt lassen. Schließlich haben die mehr als 6.000 Weinbaubetriebe im Land auch eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Arbeitsplätze und Tourismus hängen von ihr ab.
Wein rechnet sich nicht Krise in den Steillagen: Der Kampf um den Weinbau an der Mosel
Steile Weinberge haben anspruchsvollen Arbeitsbedingungen und damit hohe Produktionskosten, die sich immer öfter nicht mehr rechnen.
Kein Wunder also, dass der Weinbau und die Weinkrise auch im Wahlkampf bei vielen Parteien eine wichtige Rolle spielen.
So wollen die Parteien Winzer und Weinbau stärken
So wollen SPD und CDU zum Beispiel den Weinbau in den Steillagen besser fördern. Die Grünen wollen die Umstellung auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten unterstützen. Die AfD will mehr Öffnungstage für Straußwirtschaften ermöglichen, die Freien Wähler wollen Unterstützung beim Export und bei internationalen Handelsabkommen geben. Im Wahlprogramm der Linken findet sich explizit keine Aussage zum Weinbau. Und das war jetzt nur eine kleine und unsystematische Auswahl.
Fraglich ist allerdings, ob solche Maßnahmen dem Weinbau wirklich aus der Krise helfen. Schließlich werden die wirklich wichtigen Entscheidungen in der Agrar- und Handelspolitik in Brüssel getroffen, nicht in Mainz. Aber der Blick in die Wahlprogramme zeigt zumindest eines: Wer in Rheinland-Pfalz Politik macht oder machen will, kommt am Weinbau nicht vorbei.