Der zweite Samstag im September: Seit 2018 ist das traditionell der Tag, an dem Müll entlang des Rheins gesammelt wird. Grenzüberschreitend, von der Quelle bis zur Mündung. "RhineCleanUp" nennt sich dieser Aktionstag. Mittlerweile finden sogenannte CleanUps auch an 30 weiteren Flüssen statt.
150 "CleanUps" in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg
In Rheinland-Pfalz gibt es rund 80 "CleanUps". Entlang des Rheins zwischen Germersheim ganz im Süden und Unkel (Kreis Neuwied) ganz im Norden, aber auch an den Flüssen Ahr, Lahn, Mosel, Nahe und Selz.
In Baden-Württemberg sind über 70 "CleanUps" angemeldet. Am Rhein zwischen Rheinfelden (Kreis Lörrach) ganz im Süden und Karlsruhe-Maxau ganz im Norden, aber auch an den Flüssen Donau, Enz, Neckar und Kinzig.
"RhineCleanUp" fördert den Teamgeist
Eine der CleanUp-Aktionen fand dabei in Neuenburg (Breisgau-Hochschwarzwald) statt. Dabei stand für viele nicht das Müllsammeln, sondern das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund. "Wir sind einfach auch Freunde, die gemeinsam dann an so einem Wochenende was machen", sagt DLRG-Mitglied Barbara Olliges. "Es ist jedes Jahr aufs Neue unglaublich, was wir hier rausholen" - von Müllsäcken über Fahrräder bis zu Einkaufswagen. Organisiert wurde die Aktion vor Ort von der DLRG-Ortsgruppe Mühlheim-Neuenburg.
Zum Team-Spirit gehört dabei auch ein bisschen Wettkampf: "Wer hat das Größte, was er heute rausgezogen hat? Wer hat die Besonderheit? Wo ist der Schatz?" Gerade für die Kinder ist das eindrücklich: Sie sehen, wie viel Müll wirklich am Ufer liegt - von Zigarettenstummeln bis zu Kronkorken. "Ich finde, das ist ein Wahnsinnsprivileg, hier am Rhein zu wohnen - und dann mit den Jungen gemeinsam dafür zu sorgen, dass es so schön bleibt“, erzählt DLRG-Mitglied Christina Riedel.
Niedrigwasser kann Munition zum Vorschein bringen
Nach dem Hitzesommer führt der Rhein weiterhin Niedrigwasser. Somit werden auch sonst unzugängliche Uferbereiche für die freiwilligen Müllsammler zugänglich. "Wir erreichen in diesen Niedrigwassergebieten Müll, der über Jahrzehnte versteckt war", sagt Organisator Joachim Umbach im SWR.
Allerdings hat das aus Sicht der Organisatoren einen entscheidenden Nachteil: "Man findet an diesen Stellen unangenehme Dinge, zum Beispiel aus dem Zweiten Weltkrieg alte Munition, Granaten und andere Dinge, die man eigentlich nicht braucht." Um die Freiwilligen nicht in Gefahr zu bringen, haben die Organisatoren alle Gruppen in einem Rundbrief darauf hingewiesen, "dass sie in solchen Fällen sehr vorsichtig sein sollen, beim geringsten Verdacht sofort die Behörden, also Polizei oder Kampfmittelräumdienst, mit einbeziehen, damit da auch gar nichts passiert."
Wer als Freiwilliger dabei ist und sicher gehen möchte, dass nichts passiert, bleibt also besser am Ufer. "Da ist ja leider Müll genug," so Joachim Umbach.
Viele Weltkriegswaffen im Flussbett Munition im Rhein: Spezialisten bei Niedrigwasser täglich im Einsatz
Wegen des Niedrigwassers taucht jetzt immer wieder alte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg im freiliegenden Flussbett des Rheins auf. Viel Arbeit für den Kampfmittelräumdienst.
Das bringt der "RhineCleanUp"
Plastikmüll im Meer ist eines der größten Umweltprobleme der Gegenwart: Laut Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel sind bisher geschätzt 100 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer gelangt. Und jedes Jahr kommen viele Tonnen hinzu, und zwar vor allem über die Flüsse. Die Idee hinter dem "RhineCleanUp": Müll, der an den Ufern eingesammelt wird, landet anschließend erst gar nicht im Fluss und damit auch nicht im Meer.
Immerhin: Allein im vergangenen Jahr ist den Freiwilligen nach Veranstalter-Angaben gelungen, rund 300 Tonnen Müll einzusammeln.
So viel Müll schwimmt im Rhein
Auch wenn diese Zahl im ersten Moment beeindruckend klingt - damit dürfte nur ein Bruchteil des Mülls beseitigt worden sein, der den Fluss und seine Ufer verschmutzt. So hat Anfang des Jahres eine Langzeit-Studie der Unis in Bonn und Tübingen gezeigt, dass jeden Tag mit dem Rheinwasser 53.000 größere Müllteile durch Köln fließen. Übers Jahr gerechnet wird daraus eine Menge von bis zu 4.700 Tonnen, die mit dem Rhein in die Nordsee fließt.