Herbert Rabl: Wenn man so beim Autofahrer in die Tasche greift, ist das Abzocke!
SWR1: Sie werfen den Ölkonzernen vor, dass sie die Preise stärker erhöhen als nötig. Woran machen Sie das fest?
Herbert Rabl: Man muss sich vorstellen, dass alles, was jetzt unter der Erde, unter den Tankstellen als Spritreserve liegt, mit einer ganz anderen Kalkulation eingekauft worden ist.
Die verkaufen momentan den Sprit, den sie mit etwa 1,70 Euro, 1,75 Euro kalkuliert haben, für zwei Euro oder für mehr. Das ist einfach zu viel, das ist eine Gewinnmitnahme. Das muss jeder Unternehmer ein bisschen machen, aber bitteschön nicht so viel. Wenn man so beim Autofahrer in die Tasche greift, dann ist das Abzocke.
Herbert Rabl: Hohe Spritpreise trotz voller Lager
SWR1: Wie steht es denn um die Benzin- und Dieselvorräte? Wie viel ist bei uns noch übrig?
Rabl: Das ist ein normaler Stand. Da gibt es Regeln. Wie viel da genau übrig ist, kann ich Ihnen nicht auf dem Liter sagen. Aber unter jeder Tankstelle und entlang des Rheins sind die Lager weitgehend voll.
Wir kriegen zwar die Prügel ab und den Ärger, aber wir können die Preise überhaupt nicht machen.
SWR1: Wie kommen die Spritpreise zustande?
Rabl: Die Mineralölkonzerne kalkulieren, gehen in ihre Pricing-Abteilung, drücken auf einen Knopf und sagen: Bei dieser Tankstelle, in dieser Verkehrslage, wollen wir gerade diesen Preis. Dann schieben sie das durchs Internet und binnen weniger Sekunden ist das an der Zapfsäule.
Wir Tankstellenpächter haben da überhaupt keinen Einfluss darauf. Wir kriegen zwar die Prügel ab und den Ärger, aber wir können die Preise überhaupt nicht machen. Das wird zentral gemacht von den Mineralölkonzernen.
SWR1: Ab wann sind die Spritpreise so schmerzhaft, dass die Kunden deutlich weniger kaufen oder das Auto stehen lassen, wenn es überhaupt möglich ist?
Rabl: In der mobilen Gesellschaft ist das schwierig, das Auto stehen zu lassen. Die Politik kann zwei Dinge tun: Das Erste ist, sie kann diese wunderbare Initiative aus Baden-Württemberg endlich durchwinken, dass man nur noch einmal am Tag den Preis erhöhen kann und danach geht es nur noch nach unten. Das machen die Luxemburger so, das machen die Österreicher so.
Zweite Variante: Spritsteuern runter. Dann hat der Finanzminister weniger im Säckel, aber das wäre eine echte Entlastung.
Und drittens: Wir müssen dafür sorgen, dass wir unabhängig werden. Diese Abhängigkeit ist wirtschaftlich nicht gesund und schlecht für den Verbraucher.