Das Wissen

Das Wirtschaftswunder – Kaufrausch, Elvis, Urlaubsreisen

Lukas Meyer-Blankenburg spricht mit dem Historiker Harald Jähner

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Stand

Nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erfährt die frisch gegründete Bundesrepublik einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.

1957 eröffnet der erste Supermarkt, die Deutschen sind im Kaufrausch – Möbel, Autos, teure Reisen sind besonders begehrte Konsumgüter. Aber auch Lebensstil und Kultur der Deutschen ändern sich – maßgeblich beeinflusst von der US-Kultur, die über die neuen Fernseher in die deutschen Wohnzimmer gelangt.

In seinem Buch "Wunderland" beleuchtet der Historiker und Autor Harald Jähner, wie die Entwicklungen der Jahre 1955 bis 1967 unser Land bis heute prägen.

21.6.1948 Ludwig Erhard begrüßt die Währungsreform

21.6.1948 | Mehr Freiheit in der Wirtschaft. Freier Konsum, freie Berufswahl: Die Währungsreform wird ein drohendes politisches Chaos verhindern – hofft Ludwig Erhard.

15.12.1949 Konrad Adenauer unterschreibt den "Marshallplan"

15.12.1949 | Nach dem Zweiten Weltkrieg schlägt US-Außenminister George C. Marshall (1880 - 1959) ein 12 Milliarden Dollar schweres Aufbauprogramm für Westeuropa vor.

22.3.1952 Besuch in der modernsten Zeche Europas

22.3.1952 | Das Ruhrgebiet ist in den 1950ern Zentrum des wirtschaftlichen Aufschwungs; Kohle treibt die Wirtschaft an. Reportage aus der Zeche Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort.

14.9.1955 Adenauer in Moskau – Bundesrepublik und UdSSR nehmen diplomatische Beziehungen auf

14.9.1955 | Im September 1955 reist Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau. Er verhandelt dort über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion. In Bonn, auch in Adenauers CDU, ist dieser Schritt umstritten und wird mit großer Skepsis betrachtet. Diplomatische Beziehungen ausgerechnet mit der sowjetischen Diktatur, die aus Bonner Sicht den Osten Deutschlands, die DDR, vereinnahmt und so der Wiedervereinigung im Weg steht. Doch es ist, zwei Jahre nach dem Tod Stalins, in der Zeit des Tauwetters der Versuch einer Annäherung.
Am Ende des Besuchs in Moskau, am frühen Morgen des 14. Septembers 1955, lädt Adenauer zu einer kurzen Pressekonferenz, bevor er mit der Delegation zurückfliegt.
Wie außergewöhnlich der Moskauer Besuch war, wird auch in der anschließenden ausführlichen Reportage vom Abflug deutlich, wo Adenauer auf dem Flugfeld noch eine Erklärung abgibt.
Am selben Tag kommentiert im DDR-Rundfunk Karl-Eduard von Schnitzler den Moskau-Besuch des Bundeskanzlers, wie üblich mit scharfer, hämischer Kritik am Bundeskanzler und unverhohlener Sympathie für Moskau.
Adenauer hat auf der Pressekonferenz in Moskau erklärt, dass die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Sowjetunion nichts an der Haltung gegenüber der DDR ändert, in der die Bundesrepublik nach wie vor keinen eigenständigen Staat sieht. Moskau wieder sieht das erwartungsgemäß anders und gewährt der DDR wenige Tage später volle Souveränität – zumindest auf dem Papier.
Am 22. September 1955 stimmt der Bundestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Moskau zu. Adenauer bekräftigt im Bundestag noch einmal die Haltung der Bundesrepublik und formuliert das, was später die Hallstein-Doktrin heißen sollte: Demnach sieht sich die Bundesregierung als alleinige Vertretung des deutschen Volkes und wenn ein anderes Land mit Ost-Berlin diplomatische Beziehungen aufnehmen sollte, werte die Bundesregierung das als unfreundlichen Akt.

8. bis 11.10.1955 Endlich frei – Spätheimkehrer kommen im Lager Friedland an

8. bis 11.10.1955 | Mehr als 10 Jahre nach Kriegsende kommen rund zehntausend Kriegsgefangene, aber auch zivilinternierte Frauen und Kinder aus sowjetischer Gefangenschaft frei.

18.10.1955 Bundespräsident Theodor Heuss begrüßt Kriegsgefangene in Friedland

18.10.1955 | Adenauer und Chruschtschow hatten die Rückkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen vereinbart. Gut einen Monat später begrüßt Theodor Heuss Heimkehrer in Friedland.

1.10.1958 Elvis Presley landet als GI in Bremerhaven

1.10.1958 | Elvis Presley war schon ein Weltstar, als er einen Einberufungsbefehl zum Militärdienst erhielt. Er absolvierte seine Grundausbildung in Texas und wurde in Deutschland stationiert.

10.9.1964 Der millionste Gastarbeiter: Armando Rodrigues de Sá kommt in Köln an

10.9.1964 | Das deutsche Wirtschaftswunder braucht Personal. Die Bundesrepublik wirbt schon in den 1950ern im Ausland um Arbeitskräfte – und bekommt sie, die "Gastarbeiter". Einen feiert sie ganz besonders. Der ahnt noch nichts von seinem "Glück", als er sich 1964 in Portugal in den Zug setzt und mit rund 1000 anderen Arbeitern aus Spanien und Portugal im Bahnhof Köln-Deutz ankommt.
Es ist bereits klar: Mit diesen Zügen wird die Zahl von einer Million Gastarbeitern überschritten. Daher wird im Zug ausgelost, welchem der Mitfahrer diese Ehre zuteilwird, der einmillionste zu sein. Es ist der 38-jährige Armando Rodrigues de Sá aus dem kleinen nordportugiesischen Dorf Vale de Madeiros. Als glücklicher Gewinner bekommt er ein Moped geschenkt. Selbst kommt er allerdings nicht zu Wort in diesem Bericht des WDR-Reporters Walter Hahn.
Von Köln aus zieht Armando Rodrigues weiter nach Baden-Württemberg, wo er in Sindelfingen als Zimmermann arbeitet. Später zieht er um nach Wiesbaden. Bei einem Heimataufenthalt wird 1971 bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert. Er bleibt in Portugal, wo er 1979 im Alter von 53 Jahren stirbt – wovon in Deutschland zunächst niemand Notiz nimmt.

14.9.1965 Großalarm überall – Die Rolling Stones touren erstmals durch Deutschland

14.9.1965 | Am 11. September 1965 beginnt die erste Deutschland-Tournee der Rolling Stones. Düsseldorf, München, Hamburg: Wo immer die Stones hinkommen, ist die Polizei im Großeinsatz.

14.4.1966 Gammler in München-Schwabing verärgern die Deutschen

14.4.1966 | In den 1960ern entwickelt sich in den beiden deutschen Staaten die Subkultur der Gammler – eine Art Gegenentwurf zum arbeitsamen Deutschen der Wirtschaftswunderjahre.

80 Jahre Kriegsende Nürnberg 1945 – Die Prozesse, die Deutschland nicht wollte

Die Prozesse gegen die Nazi-Hauptkriegsverbrecher verfolgen die Deutschen wohlwollend. Als es in weiteren Prozessen um die Schuld der breiten Gesellschaft geht, kippt die Stimmung.

Das Wissen SWR Kultur

Mediengeschichte Fernseh-Kommentator Peter von Zahn – Neue Bilder für die Bundesrepublik

Noch unter den Nazis zum Journalisten ausgebildet, prägt Peter von Zahn nach dem Zweiten Weltkrieg einen persönlichen Stil und bringt den Deutschen ehemalige Kriegsfeinde näher.

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Porträt zum 150. Geburtstag Konrad Adenauer – Der erste Bundeskanzler und seine Bedeutung heute

Am 5. Januar 1876, vor 150 Jahren, wurde Konrad Adenauer geboren. Er gab der Bundesrepublik nach Krieg und NS-Zeit Orientierung: West-Bindung, Aussöhnung mit Frankreich und Israel.

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