Korruption in der High Society

Slapstick und Humor: „Der ideale Mann“ von Oscar Wilde nach einer Vorlage Elfriede Jelineks in Stuttgart

Das Schauspiel Stuttgart zeigt Oscar Wildes Satire der englischen High Society, zugespitzt und adaptiert für die österreichische Politik von Elfriede Jelinek. Doch die Inszenierung bleibt angesichts heutiger Skandale zu harmlos.

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Von Autor/in Karin Gramling

Traumkarriere und Vorzeige-Ehefrau

Eine Party im schicken Haus von Sir Robert Chiltern. Der Mann hat sich zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt hochgearbeitet und gilt als absolut integer. So jedenfalls der schöne Schein.

Die oberflächliche, snobistische englische High Society vertreibt sich die Zeit mit belanglosem Tratsch. Verpackt in bonbonfarbene Kostüme mit Rüschen und großen Puffärmeln – auf den Köpfen überdimensionierte Perücken.

Der ideale Mann von Oscar Wilde im Schauspiel Stuttgart
Gábor Biedermann (Sir Robert Chiltern), Celina Rongen (Lady Chiltern) Pressestelle Schauspiel Stuttgart | Arno Declair

Sir Robert steckt in einem cremeweißen Frack. Seine Frau trägt ein kurzes gelbes Minikleid mit einer Schärpe drüber. Und Lord Goring, sein bester Freund und Müßiggänger, erscheint in einem hellblauen Lacklederanzug mit kurzen Hosen und weißen Socken.  

Ein Korruptionsskandal beschmutzt die weiße Weste

Doch dann konfrontiert die intrigante Mrs. Cheveley – in giftigem Pink – den Hausherrn mit einem Geheimnis aus seiner Vergangenheit. Sir Robert ist erpressbar, seine vermeintlich weiße Weste beschmutzt.

Der ideale Mann von Oscar Wilde im Schauspiel Stuttgart
Karl Leven Schroeder (Phipps), Christiane Roßbach (Mrs. Cheveley) Pressestelle Schauspiel Stuttgart | Arno Declair

Sinnbildlich wälzt er sich im braunen Sand, der überall auf der Drehbühne liegt. Immer noch auf dem Boden liegend packt er dann seinen besten Freund Lord Goring an den Füßen.

Szenen voller Witz und Slapstick

Der Gestürzte wirft sich mit seinem Körper immer wieder nach vorne und versucht weg zu robben. Damit er nichts über die korrupten Verwicklungen seines Freundes hören muss. Eine der witzigsten Szenen im Stück.

Der ideale Mann von Oscar Wilde im Schauspiel Stuttgart
Gábor Biedermann (Sir Robert Chiltern), Felix Strobel (Lord Goring) Pressestelle Schauspiel Stuttgart | Arno Declair

Von oben herunter hängen lilafarbene Bänder, in denen sich das spielfreudige Ensemble passend zum Geschehen dauernd verheddert und auch munter darin herumturnt – oder schwingt, inklusive Tarzanschrei.

Gesellschaftskritik fällt insgesamt zu harmlos aus

Slapstick und Sprachwitz durchziehen diese gesellschaftskritische Komödie in der Inszenierung von Marco Štorman. Ein Dialog bleibt dabei besonders hängen:  „Wenn es weniger Mitgefühl in der Welt gäbe, dann hätten wir auch weniger Probleme“, sagt Lord Goring darin voller Überzeugung zu seinem Vater.  

Vielleicht die zynischste Stelle im Stück, jedenfalls mit Blick auf die aktuelle politische Situation zwischen Kriegen, Krisen und Demokratie-Müdigkeit. In der für manche vor allem Deals zählen, und Menschenleben nur noch wenig.

Der ideale Mann von Oscar Wilde im Schauspiel Stuttgart
Karl Leven Schroeder (Vicomte de Nanjac), Christiane Roßbach (Mrs. Cheveley), Silvia Schwinger (Lady Markby), Celina Rongen (Lady Chiltern), Felix Strobel (Lord Goring) Pressestelle Schauspiel Stuttgart | Arno Declair

In einer Welt, in der es zum Beispiel millionenschwere Wetteinsätze an den Märkten gibt, kurz bevor US-Präsident Trump den Iran angreifen lässt. Da erscheint einem diese im viktorianischen Zeitalter verhaftete gesellschaftskritische Komödie mit ein paar Anspielungen auf frühere Korruptionsskandale in Österreich doch zu harmlos und aus der Zeit gefallen.

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Autor/in
Karin Gramling