Augenzwinkerndes Theaterspektakel

„Kampf der Titanen“ in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie

Am Mannheimer Nationaltheater gibt es am 11. Juli die letzte Schauspielpremiere der Saison: Beim augenzwinkernden Theaterspektakel „Kampf der Titanen“, geht es um nichts weniger als die gesamte griechische Mythologie. Dauer: vier bis sechs Stunden, das Publikum kann Pause machen, wann es will.

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Von Autor/in Martina Senghas

Riesige Collage von Komödien, Tragödien und Sagen

In dieser Inszenierung treten wirklich alle auf: Perseus und die Erinnyen, Ödipus und Medea, Herakles und Aphrodite, Elektra, Odysseus,  und und und …

„Kampf der Titanen“ ist eine riesige Collage, ein Mashup, eigentlich ein Parforceritt durch die gesamte griechische Mythologie. Das heißt, wir beschäftigen uns nicht nur mit den Komödien und Tragödien der antiken Autoren, sondern auch mit den griechischen Sagen“, so Olivia Ebert, Dramaturgin am Nationaltheater Mannheim.

Aus Kampf der Titanen, immersives Theaterspektakel
Spielerisch und bildgewaltig schöpft der Abend aus der gesamten griechischen Mythologie. Von Gaia, Uranos und Zeus über Prometheus und Io bis hin zu Dionysos, Perseus, Medea, Antigone, Ödipus, Orest und Elektra. Pressestelle NTM Mannheim | Christian Kleiner

Verhandelt wird das Menschsein an sich, die ewige Verstrickung von Liebe und Hass, die ewigen Kämpfe um Gerechtigkeit und Rache. Doch auch wenn viele Textpassagen aus Klassikern stammen: Was in Mannheim über die Bühne geht, will weniger tiefschürfende Inszenierung als vielmehr trashiges Spektakel sein. 

Wegen der Generalsanierung des Theaters geht das Ganze in der derzeitigen Ersatzspielstätte für das Schauspiel, dem Alten Kino Franklin, über die Bühne.

Kostüm und Bühnenbild zu 90 Prozent recycelt

Der Kampf zwischen Patroklos und Hektor etwa wirkt wie eine Slowmotion-Szene aus einem Comic – Vorbild ist hier der 80er-Jahre-Trickfilmklassiker „Clash of the Titans“ – die Götter leben in einer WG und haben coole Sprüche auf den Lippen. Die Kostüme reichen von klassisch bis schräg und dem Bühnenbild haftet etwas Improvisiertes an.

Olivia Ebert: „Das Besondere ist auch, dass Kostüm und Bühnenbild zu 90 Prozent recycelt sind, die Künstler sind durch den Fundus gegangen, es werden alte Opern-Bühnenbilder verwendet, alles ist cyanblau und magentapink angemalt, so eine sehr fantasievolle Interpretation von Antike.“

Eine weitere Besonderheit: Das Publikum soll hier nicht die ganze Zeit sitzen bleiben, sondern kann aufstehen, herumwandern und Pausen nach Belieben machen. Eine Art Box-Ring bildet die zentrale Bühne. Hier geht es etwas konzentrierter um die drei Tragödien Bakchen, Ödipus, Antigone.

Aus Kampf der Titanen, immersives Theaterspektakel
Titanen, Gött*innen und Held*innen tragen ihre tragischen Konflikte in verschiedenen Szenerien aus. Pressestelle NTM Mannheim | Christian Kleiner

Theater als ein Fest zu Ehren von Dionysos, dem Gott des Rausches

Ansonsten passiert vieles gleichzeitig in den Rauminstallationen hinter der Bühne: einem Käfig für Prometheus, einem Auto für die Irrfahrten des Odysseus, einer Kammer, in der Kassandra für das Publikum Tarotkarten legt. Die Dauer des Ganzen: vier Stunden in der kurzen und sechs Stunden in der sogenannten „Extended Version“. 

Vielstündige Antikeninszenierungen haben in den letzten Jahren in anderen Städten für große Furore gesorgt: Dionysos in München und Anthropolis in Hamburg. Mannheim will es wilder und popkultureller machen, aber auch hier geht es um den Bezug zur Antike und die Anfänge der Demokratie.  

Olivia Ebert: „Das interessiert natürlich immer wieder, dass in der Antike die Theaterstücke ja als Wettbewerb und mehrtägiges Fest gezeigt wurden, eingebettet in eine Feier zu Ehren von Dionysos. Und Dionysos ist der Gott des Rausches, der Ekstase und des Theaters.“

Aus Kampf der Titanen, immersives Theaterspektakel
Ein Theaterabend in zwei Versionen, mit vier Stunden in der kurzen und sechs Stunden in der „Extended Version“. Pressestelle NTM Mannheim | Christian Kleiner
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Martina Senghas
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