Das Weltall als Projektionsfläche der Fantasie

Zu den Sternen! Weltraum-Kunst im Arp-Museum Remagen

Die Ausstellung „Zu den Sternen!“ im Arp-Museum Remagen zeigt das Weltall als Projektionsfläche unserer Fantasien. Malerei, Skulpturen und Videos zeigen apokalyptische Ängste, groteske Fantasien und himmelsstürmende Visionen.

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Von Autor/in Henriette von Hellborn

Kosmische Phänome faszinierten schon immer

Julia Wallner, Direktorin des Arp-Museums, steht vor der rot glühenden Sonne von Katharina Sieverding, einer Videoinstallation aus echten NASA-Bildern – schön und bedrohlich zugleich.

Schon in den 1910er-Jahren – als der Halleysche Komet der Erde gefährlich nahekommt – sind Künstler und Künstlerinnen hingerissen von kosmischen Phänomenen. Manche bilden Milchstraße, Sonnenfinsternis und Protuberanzen fotorealistisch ab.

Ausstellung - Zu den Sternen - Arp Museum
Julia Wallner, Direktorin des Arp-Museums Remagen, steht vor Katharina Sieverdings Videoarbeit "Die Sonne um Mitternacht schauen" (2011-2014). Henriette von Hellborn

„Planet Arp“ nennt die Direktorin ihr Museum. Was ihr Team unter dem Titel „Zu den Sternen!“ zusammengetragen hat, ist eine künstlerische Suche nach neuen Perspektiven auf den Planeten Erde und auf unser Schicksal.

Für Wallner der Inbegriff von Kunst: „Die Unendlichkeit des Kosmos bietet den Raum für Neugier, Fantastik, das Utopische […], das Unmögliche. Das Unmögliche ist die Wiederentdeckung der Menschlichkeit, auch der friedliche Umgang mit unserem Planeten, auch eine Versöhnlichkeit der Wesen untereinander.“

Ausstellung - Zu den Sternen - Arp Museum
Die erschöpfte Rakete von Sylvie Fleury ("First Spaceship on Venus 1999") wartet noch auf ihren Platz in der Ausstellung. Henriette von Hellborn

Dialog mit Außerirdischen

Auch heute ist der Dialog mit Außerirdischen Treibstoff für künstlerische Innovation. Die jüngste Künstlerin der Ausstellung, Mona Schulzek, glaubt an ein kosmisches Zusammenleben: Sie interessiert, dass der Mensch einerseits aus dem Kosmos entsprungen ist, diesen aber gleichzeitig als etwas Fernes, Außenstehendes wahrnimmt.

Mona Schulzek: „Was ich durch meine Arbeiten versuche zu schaffen, ist, Berührungspunkte zu geben, um diesen Abstand vielleicht zu verringern.“

Im Innenhof des Arp-Museums steht ihr „Outerspace Transmitter“ – eine funktionierende Funkstation, die Botschaften ins All schickt. Auf der Grünfläche hinter dem Museum hat Schulzek eine Stahlkapsel mit Bremsfallschirmen bruchlanden lassen.

Mona Schulzek landet mit ihrer Raumkapsel "Chamber VI" hinter dem Arp-Museum
Mona Schulzek vor ihrer Raumkapsel "Chamber VI" hinter dem Arp-Museum

Weltraumschrott und ausgediente Tauchkapsel

„Chamber VI“ – ein Zwitter aus Weltraumschrott und ausgedienter Tauchkapsel, der die unerforschten Weiten des Alls mit den noch weniger erforschten Tiefen des Meeres verbindet. Wer hineinschauen will ins Bullauge, sieht stattdessen sein Spiegelbild – und erkennt sich vielleicht auch neu?

Der Kosmos wird weiter existieren, auch ohne uns. Für diese nackte Tatsache findet die Ausstellung bedrückende und berührende Bilder. Mit der Mission, die Welt zu heilen und zu retten, schwebt ein Raumschiff durch den letzten Raum: eine multimediale Installation von Yael Bartana, ursprünglich geschaffen für die Biennale in Venedig 2024.

Ihre Utopie macht Lust, die Zeit, die wir auf diesem Planeten noch haben, besser zu nutzen.

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Henriette von Hellborn