Wie bedrohlich ist Künstliche Intelligenz?

Sehenswert: „KI essen Seele auf – OrpheAI“ am Schauspiel Stuttgart

Das Stück „KI essen Seele auf – OrpheAI“ zeigt, wie sorglos wir Daten preisgeben – bis die KI die Kontrolle gewinnt. Ein starkes Schauspielerinnen-Trio spielt dabei die KI mit erschreckender Präsenz.

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Von Autor/in Karin Gramling

Zynisches Trio verkörpert die KI

Willkommen in der Schaltzentrale der KI „OrpheAI“. Auf einer riesigen Videoleinwand flimmern poppig bunte, neuronale Netze. Davor drei Schauspielerinnen mit aufgetürmten Frisuren.

Sie stecken in hautengen, silbernen Kostümen, aus denen durchsichtige Kabel ragen. Mal bewegen sie sich roboterähnlich abgehackt, mal ganz harmonisch. Das Trio verkörpert die KI „OrpheAI“.

Silvia Schwinger, Celina Rongen, Therese Dörr in „Ki essen Seele auf“
"OrpheAI“wird von dem herausragenden Schauspielerinnen-Trio vor poppiger Videoleinwand überrzeugend gespielt. Im Bild: Silvia Schwinger, Celina Rongen, Therese Dörr. Pressestelle Schauspiel Stuttgart | Björn Klein

Zynisch blickt dieses Trio auf die schöne neue Datenwelt, in der die meisten freiwillig so viel von sich preisgeben. Und das zahlen die drei unheimlich wirkenden Schauspielerinnen mit ihren schwarz angemalten Zähnen im Stück den Usern heim.

KI übernimmt das Steuer

Dabei schlüpfen sie auch immer wieder in die Rolle von Menschen. Zum Beispiel in die einer Frau, die in einem autonom gesteuerten Fahrzeug sitzt. Plötzlich übernimmt das Assistenzsystem die Kontrolle, es kommt zu einem heftigen Disput.

Am Ende kann die Fahrerin nicht mehr aussteigen und „OrpheAI“ jagt sie mitsamt ihrem Tesla vor dem Trump-Tower in die Luft. Im Stück „KI essen Seele auf“ gibt es viele solcher Szenen, die die bedrohliche Dimension von KI aufzeigen.

Celina Rongen, im Hintergrund: Silvia Schwinger in „Ki essen Seele auf“
„Dreimal hab‘ ich Deine Spur in den letzten vier Minuten automatisch korrigiert“, sagt die KI zur Fahrerin und steuert das Auto in den Gegenverkehr. Im Bild: Celina Rongen, im Hintergrund: Silvia Schwinger. Pressestelle Schauspiel Stuttgart | Björn Klein

KI lebt vom Begehren der Menschen

So gerät eine Frau aufgrund ihrer gehackten digitalen Identität an einer Grenze unter Terrorverdacht.  Menschen, die sich durch Dating Apps wischen, machen eigentlich nur die Bekanntschaft mit Chatbots. Dabei suchen sie alle doch nur ihr Heil, das die KI nicht bietet, wie „OrpheAI“ klarmacht.

Das hier ist ein müder Datagrabber, der sich durchs Netz frisst, spätabends, während du noch letzte Einträge machst im Dunkeln und jede Bewegung festgehalten wird. 

Silvia Schwinger, Celina Rongen, Therese Dörr in „Ki essen Seele auf“
Die Inszenierung zeigt eindrücklich, wie gedankenlos viele Menschen ihre Daten preisgeben. Pressestelle Schauspiel Stuttgart | Björn Klein

Gesteuert von diesen Überwachungsmechanismen ploppen Produkte im Netz auf, die sehr genau auf die Begehren der Menschen ausgerichtet sind. Sie zu kaufen, sorgt für ein kurzes Glück, von dem wenige globale Konzerne profitieren, so die konsumkritische Botschaft des Stücks.

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„KI essen Seele auf“ heißt das neue Theaterstück von Thomas Köck. Ob er beim Schreiben KI als Ko-Autorin benutzt hat – KI wie Künstliche Inspiration – lässt der Text offen.

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Rasante, sehenswerte Inszenierung

Rasant inszeniert Regisseurin Mateja Meded diesen Abend, bei dem es auch um Themen wie Datenkolonialismus und Arbeitsbedingungen im KI-Zeitalter geht.

Allerdings jagt die Regisseurin das herausragende Schauspielerinnen-Trio gelegentlich so schnell durch den Text, dass man manchmal kaum folgen kann. Dennoch ist diese Inszenierung unbedingt sehenswert, denn sie spiegelt eindrücklich wider, was viele Menschen gedankenlos dem Netz anvertrauen. 

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Künstliche Intelligenz für die Menschen erlebbar machen – das will das Festival Science & Theatre in Heilbronn unter dem diesjährigen Titel „Maschinenträume“.

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Karin Gramling