Spektakel in Bregenz

Ein Windspiel aus Nackten, eine Glocke und viel Wasser – Florentina Holzingers spektakuläre Performance am Bodensee

Die Performance-Künstlerin Florentina Holzinger lässt in „Bodensee Étude“ nackte Frauen aus dem See emporsteigen und tanzen. Sie selbst wirkt als menschlicher Klöppel in einer riesigen Glocke.

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Stand

Von Autor/in Karin Wehrheim

Helikopter lässt Glocke in den Bodensee stürzen

Es sind Hunderte, die gekommen sind, um Florentina Holzingers Performance „Étude“ am Bregenzer Seeufer zu sehen. Doch die Performance lässt zunächst auf sich warten.

Dann taucht ein Helikopter auf. Am Ende der Bucht holt er eine riesige Glocke von der Seebühne der Bregenzer Festspiele ab, die an einem langen Seil hängt. Der Helikopter lässt die Glocke über dem Bodensee schwingen und ins Wasser stürzen, dicht neben einem Ponton mit einem Kran, an dessen Ausleger Seile ins Wasser hängen.

 

Florentina Holzinger, Bodensee Étude
Großes Interesse: Die „Bodensee Étude“ ist eine Satellitenaktion zu Holzingers Arbeit auf der Biennale in Venedig. Pressestelle © Kunsthaus Bregenz | Miro Kuzmanovic

Wilde Gesten einer nackten Dirigentin

Leises Trommeln ist zu hören, das lauter wird. Auf dem Ponton dirigiert eine nackte Frau mit wilden Gesten die Perkussionistinnen am Ufer.

Plötzlich zieht der Kran an den Seilen einen großen verzierten Metallring aus dem Wasser – wie ein Radleuchter in einer Kirche. Daran hängen sechs nackte weibliche Körper, an den Hüften aufgehängt.

Florentina Holzinger, Bodensee Étude
Florentina Holzinger nutzt Motive aus Volksmärchen, in denen weibliche Unterwasserwesen ihre Umwelt mit dem Müll teilen müssen, der unter der Wasseroberfläche verborgen liegt. Pressestelle © Kunsthaus Bregenz | Helena Manhartsberger

Performance in schwindelnder Höhe

Sie baumeln wie leblos. Doch mit sphärischen Klängen beginnen sie, sich aufzurichten. Minutenlang vollziehen sie eine langsame Choreographie, wie ein menschliches Windspiel, während der Kran sie in schwindelnde Höhe zieht und wieder senkt.

Auf einmal hakt ein Seil, ein Begleitboot muss helfen, damit am Seil unter den Tanzenden plötzlich die Glocke wieder aus dem Bodensee auftauchen kann.

Florentina Holzinger, Bodensee Étude
Unter dem Metallring steigt schließlich eine riesige Glocke aus dem Bodensee empor. Pressestelle © Kunsthaus Bregenz | Miro Kuzmanovic

Die Glocke als wiederkehrendes Motiv

Florentina Holzinger hat sich als nackter menschlicher Klöppel in der Glocke unter Wasser festgemacht. In der Luft am Kran beginnt sie, die Glocke zum Klingen zu bringen. Die alten Legenden vom Bodensee faszinieren die Performerin, wie sie betont, etwa die von im See ruhenden Schiffen oder vom Teufel, der eine Glocke in den See geworfen hat. Und so haben diese Legenden um die Glocken auch Einzug in Holzingers Performance gefunden.

 

Florentina Holzinger, Bodensee Étude
Performance-Künstlerin Florentina Holzinger als menschlicher Klöppel in einer riesigen Glocke. Pressestelle © Kunsthaus Bregenz | Miro Kuzmanovic

Glockenschlag als Warnsymbol

Mit ihrem menschlichen Glockenschlag, der für Schmerz und verrinnende Zeit steht, und den sie als ein Warnsymbol an die Menschheit verstanden haben will, hatte Florentina Holzinger auch die Biennale in Venedig eröffnet.

In Bregenz endet die Performance nach 40 Minuten mit einem wilden Wirbel Holzingers auf einem hängenden Metallblech. Und der Applaus zieht sich das ganze Bregenzer Ufer entlang. Viele sind begeistert.

Florentina Holzinger, Bodensee Étude
Florentina Holzingers Études sind einmalige, ortsspezifische Performances, in denen sie die Themen und Elemente für ihre großangelegten Inszenierungen vorbereitet und entfaltet. Körper und Objekte tauchen ins Wasser ein und steigen transformiert wieder daraus empor. Pressestelle © Kunsthaus Bregenz | Miro Kuzmanovic

Strenge Auflagen wegen Trinkwasserqualität

Auf Extremes wie Urin oder Blut, das sie in anderen Performances zeigt, muss Florentina Holzinger am Bodensee verzichten. Für den Trinkwasserspeicher gelten strenge Auflagen.

So ist von dem, was sie normalerweise anprangert - Ausbeutung menschlicher Körper, Overtourism, Vermüllung der Umwelt, Bedrohung durch den Klimawandel - in dieser Performance nicht viel zu sehen.

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