- Der Film, den Agatha Christie am meisten mochte
- Die beste Verfilmung ihres besten Romans
- Gelungen, fand Christie - wenn bloß der Schnurrbart nicht wäre
- Die Miss Marple von Christies Gnaden
- Der langlebigste Monsieur Poirot
- Der Film, der Christies Ägypten-Liebe feierte
- Der Agatha-Christie-Film für Hollywood-Liebhaber
- Agatha Christie für das 21. Jahrhundert
- Sind wir ehrlich: Unsere Miss Marple der Herzen
Vor 50 Jahren, am 12. Januar 1976, starb die britische „Queen of Murder Mystery“. Hinterlassen hat sie unter anderem 66 Kriminalromane, über 150 Kurzgeschichten und rund 30 Theaterstücke. Bis heute gilt sie als eine der meistgelesenen Autorinnen der Welt – und auch als eine der am meisten verfilmten.
Fast alle ihre Romane wurden in den vergangenen 100 Jahren auf die Leinwand gebracht – sowohl fürs Kino als auch fürs Fernsehen. Dabei kann man schon einmal den Überblick verlieren. Aus gegebenem Anlass stellen wir neun Verfilmungen vor, die jeder Agatha-Christie-Fan einmal gesehen haben sollte.
„Zeugin der Anklage“ (1957): Der Film, den Agatha Christie am meisten mochte
Agatha Christie selbst stand den Verfilmungen ihrer Werke meist kritisch gegenüber. Schließlich gelang es Billy Wilder, die Schriftstellerin mit seiner Kinofassung ihres Theaterstücks zu überzeugen.
Ein Mann wird beschuldigt, eine reiche Witwe ermordet zu haben, die er mehrfach besucht hatte. Die Aussage seiner Frau, die er aus dem zerbombten Nachkriegsdeutschland nach England brachte, soll ihm den Freispruch sichern. Doch mit ihrer Aussage vor Gericht belastet diese ihn schwer.
Marlene Dietrich spielt im Film die Titelrolle der deutschen Zeugin Christine Vole. Ihr gegenüber spielt Charles Laughton den Anwalt Wilfrid Robarts in einer seiner letzten großen Kinorollen. Dietrich soll auf Billy Wilder als Regisseur bestanden haben, sagte dieser später in Interviews. Zu Recht: Der Film wurde unter anderem für sechs Oscars nominiert und ist bis heute ein absoluter Christie-Klassiker.
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„Das letzte Wochenende“ (1945): Die beste Verfilmung ihres besten Romans
Vielen Christie-Fans gilt dieser Roman als der wohl gelungenste ihrer Karriere: In „Und dann kam keines mehr“ finden sich zehn Fremde auf einer abgelegenen Insel ein. Doch statt ihrem Gastgeber erwartet sie eine geheimnisvolle Stimme: Sie alle haben ein Verbrechen begangen und sollen einer nach dem anderen sterben.
Sechs Jahre nach der Veröffentlichung des Romans entstand 1945 die Verfilmung „Das letzte Wochenende“ von René Clair. Unter seiner Regie spielt ein exzellentes Ensemble, unter anderem mit Barry Fitzgerald, Walter Huston, Louis Hayward und der aus Hitchcocks „Rebecca“ bekannten Judith Anderson.
Trotz seines Alters ist „Das letzte Wochenende“ nach wie vor eine der spannendsten und atmosphärisch dichtesten Christie-Verfilmungen. Eine absolute Empfehlung für Krimi-Fans, die auch den weniger hektischen Bildschnitten der 1940er-Jahre etwas abgewinnen können.
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„Mord im Orient-Express“ (1974): Gelungen, fand Christie - wenn bloß der Schnurrbart nicht wäre
Auf der Reise von Istanbul Richtung Frankreich bleibt der Orient-Express im Schnee stecken. An Bord sind der belgische Detektiv Hercule Poirot, gespielt von Albert Finney, und eine Leiche. Der amerikanische Geschäftsmann Ratchett wird in seiner Kabine mit zwölf Stichwunden tot aufgefunden.
„Mord im Orient-Express“ gehört zu Agatha Christies beliebtesten und meistverfilmten Büchern. Zuletzt versuchte sich der Brite Kenneth Branagh an dem Stoff und spielte dabei selbst die Rolle des Ermittlers Poirot.
Doch keine Verfilmung schafft es so gut, die unbehaglich drückende Enge des Zugs einzufangen wie Sidney Lumets Film von 1974 mit seinem All-Star-Cast, in dem sich unter anderem Lauren Bacall, Sean Connery, John Gielgud und Ingrid Bergman vereinen. Letztere wurde für die Rolle der frommen Greta Ohlsson sogar mit dem Oscar ausgezeichnet.
Agatha Christie hatte an diesem Film übrigens nur wenig auszusetzen – lediglich die Form von Hercule Poirots Schnurrbart missfiel der Autorin angeblich.
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„Agatha Christie’s Miss Marple“ (1984 - 1992): Schnüfflerin von Christies Gnaden
Man kennt die scharfsinnige alte Jungfer Miss Marple heute vor allem durch die Verfilmungen mit Schauspielerin Margaret Rutherford. Doch Agatha Christie war mit der Interpretation der Figur alles andere als zufrieden. Die Jane Marple ihrer Romane ist keine draufgängerische Ermittlerin, sie ist eine gut situierte und etwas betuliche ältere Dame.
Und trotzdem fand Christie am Set von Rutherfords erstem Marple-Fall genau das, was sie suchte: In „16 Uhr 50 ab Paddington“ spielte Joan Hickson die Haushälterin Mrs. Kidder. Die Autorin schrieb ihr in einem Brief, dass sie hoffe, dass Hickson eines Tages ihre Miss Marple spielen würde.
Das tat Joan Hickson schließlich auch acht Jahre lang. In der Reihe „Agatha Christie’s Miss Marple“ verfilmte die BBC alle zwölf großen Marple-Romane werkgetreu. Wo man am besten anfängt? Beim ersten Fall „Der Tote in der Bibliothek“ und dann einfach komplett durchbingen!
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„Agatha Christies Poirot“ (1989 - 2013): Der langlebigste Monsieur Poirot
Wenn Joan Hickson die dienstälteste Miss Marple ist, ist David Suchet zweifelsohne der definitive Hercule Poirot. 24 Jahre lang, zwischen 1989 und 2013, porträtierte er den exzentrischen belgischen Detektiv in insgesamt 70 Fernsehfolgen.
Dabei bemühte sich auch Suchet um eine möglichst werksgetreue Darstellung seiner Figur und spielte sich beharrlich durch alle Romane und Kurzgeschichten, die Christie zwischen 1920 und 1975 für Poirot schrieb.
Auch wenn hierzulande die Poirots von Finney, Ustinov und Kenneth Branagh landläufig bekannter sind: Wer sich wirklich tiefgreifend mit Christies beliebtestem Ermittler auseinandersetzen will, für den führt an David Suchet kein Weg vorbei. Wer einfach mal reinschnuppern will, dem sei der Fall „Alibi“, verfilmt im Jahr 2000, ans Herz gelegt.
Die komplette Serie ist in der ARD Mediathek verfügbar.
„Tod auf dem Nil“ (1978): Der Film, der Christies Ägypten-Liebe feierte
Zu Ägypten und seiner Geschichte hatte Agatha Christie ein ganz besonderes Verhältnis. Mehrere Winter verbrachte die Schriftstellerin am Nil. Sie begleitete unter anderem ihren Mann Max Mallowan, der als Archäologe an verschiedenen Ausgrabungen beteiligt war. Christie schrieb sogar einen Krimi, der vor 2.000 Jahren im Alten Ägypten spielt, doch ihr bekanntester Ägypten-Roman bleibt ohne Zweifel „Tod auf dem Nil“, 1978 von John Guillermin verfilmt.
Die Millionenerbin Linnet Ridgeway heiratet den Verlobten ihrer besten Freundin. Diese schwört Rache und verfolgt die Frischvermählten auf einer Nilkreuzfahrt. An einem Abend eskaliert der Streit zwischen Linnets Mann und seiner ehemaligen Verlobten, sie zückt eine Pistole und verwundet ihn am Bein. Am nächsten Morgen wird Linnet tot aufgefunden. Hercule Poirot nimmt die Ermittlungen auf.
Es ist der erste von insgesamt sechs Auftritten Sir Peter Ustinovs als Hercule Poirot. Bis heute gehört seine als gutmütig-gemütliche Darstellung des Belgiers zu den beliebtesten und sehenswertesten. Das Übrige tut ein spielfreudiges Starensemble, dem unter anderem Maggie Smith, Angela Lansbury, Bette Davis, Mia Farrow, Jane Birkin und David Niven angehören. Auch nach fast fünfzig Jahren immer noch – und immer wieder – eine der kurzweiligsten Christie-Adaptionen.
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„Mord im Spiegel“ (1980): Der Agatha-Christie-Film für Hollywood-Liebhaber
Oscar-Preisträgerin Angela Lansbury, die bereits in „Tod auf dem Nil“ eine von Agatha Christies Figuren spielte, versuchte sich 1980 in einer Hollywood-Produktion an der Rolle der Miss Jane Marple.
In Miss Marples betulichem Heimatdorf St. Mary Mead finden die Dreharbeiten für einen großen Hollywood-Film statt. Doch am Set geht es alles andere als friedlich zu: Die beiden rivalisierenden Schauspielerinnen Marina Rudd und Lola Brewster machen sich gegenseitig den Dreh zur Hölle. Und plötzlich stirbt eine Dorfbewohnerin, als sie bei einem Empfang den vergifteten Cocktail trinkt, der eigentlich für Marina gedacht war.
Ein Erfolg war Guy Hamiltons Verfilmung von Miss Marples Hollywood-Abenteuer ursprünglich nicht. Vielleicht stellte sich auch nach der Christie-Manie der 1970er-Jahre eine leichte Müdigkeit beim Kinopublikum ein.
Aus heutiger Sicht macht vor allem das große Hollywood-Ensemble Freude: Neben Angela Lansbury stehen Geraldine Chaplin, Tony Curtis und Rock Hudson vor der Kamera sowie als sehenswert keifende Hollywood-Diven Kim Novak und Elizabeth Taylor.
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„Das krumme Haus“ (2017): Agatha Christie für das 21. Jahrhundert
Bei all den mittlerweile angestaubten Verfilmungen muss man sich unweigerlich Fragen: Kann man Agatha Christie auch im 21. Jahrhundert noch spannend neu erzählen? Ja, man kann. Das bewies sehr eindrücklich Regisseur Gilles Paquet-Brenner mit seiner Verfilmung von „Das krumme Haus“.
Nicht Miss Marple oder Hercule Poirot, sondern Privatdetektiv Charles Hayward, gespielt vom 32-jährigen Max Irons, ermittelt in diesem Fall. Das reiche Familienoberhaupt Aristide Leonides ist auf seinem Anwesen ermordet worden. Verdächtigt wird die liebe Verwandtschaft – natürlich haben alle ein mehr oder minder plausibles Motiv, um den wohlhabenden Patron um die Ecke zu bringen.
„Das krumme Haus“ hat alles, was man sich von einer guten Christie-Verfilmung wünschen kann: Ein Mordfall, der zum Mitraten einlädt, ein spleeniges und starbesetztes Ensemble – unter anderem mit Glenn Close, Gillian Anderson und Julian Sands – und reichlich Spannung.
Dieser mörderische Kinospaß beweist: Agatha Christie ist – im Gegensatz zu ihren Figuren – einfach nicht tot zu kriegen.
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„16 Uhr 50 ab Paddington“ (1961): Unsere Miss Marple der Herzen
Agatha Christie war zwar eine große Bewunderin der Schauspielerin Margaret Rutherford – aber mit ihrer Version der Miss Marple war die Schriftstellerin leider so gar nicht einverstanden.
Während sich die Jane Marple der Romane nämlich für Tea Times und Zuchtrosen begeistert, entpuppte sich ihre Filmversion in vier Kinoabenteuern als verdeckte Ermittlerin, ehemaligen Turnierreiterin, Golf-Ass, Schießkünstlerin und Fechtmeisterin – immer in Begleitung von Mr. Stringer, der in den Büchern nicht vorkommt, da Rutherford auf eine Rolle für ihren Ehemann Stringer Davis bestand.
Von den vier Rutherford-Filmen basiert übrigens nur der erste, „16 Uhr 50 ab Paddington“ von 1961, tatsächlich auf einem Miss-Marple-Roman. „Der Wachsblumenstrauß“ (1963) und „Vier Frauen und ein Mord“ (1964) sind ursprünglich Fälle von Hercule Poirot. Die Handlung des letzten Films „Mörder ahoi!“ (ebenfalls 1964) stammt schließlich gar nicht mehr von Agatha Christie.
Dessen ungeachtet: Für viele Christie-Fans waren die schrullige Miss Marple von Margaret Rutherford und das betuliche Cembalo-Geklimper der Filme wohl der Einstieg in die mörderische Welt der großen Krimi-Autorin. Wir zumindest wollen sie nicht missen.
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