Die einen halten ihn für ein Genie, die anderen für einen Selbstdarsteller mit wenig Talent. Kaum einer spaltet die Kunstwelt so sehr wie Leon Löwentraut. Eine neue ARD-Doku zeigt jetzt das Leben des Künstlers zwischen Glamour, Ruhm, Kritik und Hass.
Leon Löwentraut: Seine Reaktion auf die ARD-Doku
Die ARD-Dokumentation "Genie oder Einbildung?" hat Leon Löwentraut nicht kalt gelassen. Der Künstler findet den Titel "interessant" und betont, dass Kritik legitim sei, solange sie konstruktiv bleibt: "Es ist völlig gerechtfertigt, dass jeder seine Meinung hat." Dennoch kritisiert er, dass oft seine Person mehr im Fokus stehe als seine Kunst.
Gleichwohl hat die Selbstinszenierung des Künstlers nicht wenig dazu beigetragen. So ließ er sich zum Beispiel gleich einem Popstar mit einem Helikopter zu einer seiner Vernissagen einfliegen – gut sichtbar für sein wartendes Publikum. Ein roter Teppich zur Galerie schien dagegen das Mindeste.
Moderne Kunst oder Provokation?
Löwentraut beschreibt seine Werke als "exklusiv abstrakt", geprägt durch kräftige Farben, Silhouetten und Gesichter. "Ich tauche in eine ganz eigene Welt ein", sagt er über seinen Schaffensprozess. Seine Arbeiten reichen von Malerei über Skulpturen bis hin zu monumentalen Installationen, wie etwa sein Projekt für das EU-Parlament.
Löwentraut ist kein Unbekannter in der Kunstszene, sorgt aber zuverlässig für Kontroversen. Kritiker werfen ihm mangelnde künstlerische Entwicklung vor. Auch fehle es seinen Arbeiten an Inhalt und tiefe. Trotzdem gibt es Sammler und Galeristen, die seinen Erfolg feiern.
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