Aktueller Gemütszustand: Melancholie
„Trink aus, wir müssen gehen“ ist ein ebenso prägnanter wie genialer Titel für ein letztes Album. Zumal für die Toten Hosen, die auch schon als Altbier-Botschafter ihrer Heimatstadt Düsseldorf unterwegs waren.
Bierseligkeit und sonstige Rauschzustände kommen in der SWR Dokumention von Eric Friedler zwar auch rückblickend zur Sprache, aber als aktueller Gemütszustand herrscht bei der Band Melancholie vor.
Mit dem Ende sich nicht alle einverstanden
Frontmann Andreas Frege, alias „Campino“ ist unverkennbar der Kapitän dieser Piraten, die auf die Namen Kuddel, Breiti, Vom und Andi hören und die sich nun schon seit 44 Jahren auf der hohen See des Musikgeschäfts bewegen.
Das Ende ist in der Band nicht unumstritten. Aber das Campino das Signal gegeben hat, in absehbarer Zeit die Segel zu streichen, wird akzeptiert.
Für Erfolg nie geschämt
Selbstbestimmt aufhören bevor man nur noch als Erinnerung an bessere Zeiten auf der Bühne steht. Wie das gelingt, das ist der rote Faden dieses Films. Und das macht diese Bandbiografie auch so besonders.
Die Dokumentation versammelt viele alte Videos und Konzertaufnahmen: Erinnerungen an die wilden Anfänge in der Punkszene der 80er, an die ersten kommerziellen Erfolge in den 90ern, für die sich die Band nie geschämt hat, bis bis hin zum Megahit „Tage wie diese“ von 2012. Trotzdem ist die Band ihrer Anti-Establishment-Haltung immer treu geblieben.
Neue Songs in Landschulheim-Atmosphäre
„Das letzte Album“ kreist um den Wunsch, nochmal eine Quintessenz von alldem abzuliefern. Das Filmteam beobachtet die Band auf einem umgebauten Bauernhof in der Nähe von Münster.
In dem Studio haben sich schon früher Platten aufgenommen haben. Und hier übernachten sie auch immer wieder – wie in einer Art Landschulheim, um konzentriert über mehrere Monate neue Songs zu erarbeiten.
Schlechte Pizza und Campino in Wollsocken
Die Doku zeigt dabei auch die unglamouröse Seite des Musikgeschäfts und lohnt sich allein von daher auch für Nichtkenner der Band – wie sie Songideen testen und wieder verwerfen, wie sie schlechte Pizza bestellen, wie Campino in Wollsocken und Sandalen Gesangsparts probiert.
Es kommt eine europäische Clubtour dazwischen, die eigentlich nur die Konzentration stört. Und Proben laufen auch mal schief, weil Campino parallel ein Fußballspiel des FC Liverpool verfolgen muss. Marotten wie in einer Familie, die auch für Reibungen sorgen.
Auch wenn man musikalisch nicht auf den letzten Metern noch zum großen Hosen-Fan mutiert: die Ehrlichkeit und Verletzlichkeit, mit der sich die Band in diesem Film zeigt, gibt einem das Gefühl, ihr sehr nahe zu kommen. Und in Momenten wie diesen wünscht man ihnen vielleicht sogar ein bisschen Unendlichkeit.
Trailer: „Die Toten Hosen – Das letzte Album“
Dokumentation in der ARD Mediathek: „Die Toten Hosen – Das letzte Album“
Deutsche Rocklegenden
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