Warum „iPhone Face“? Es wirke einfach, als wüsste die Person, was ein iPhone ist – also, dass das Gesicht dieser Person eindeutig zur modernen Welt gehört, und im entsprechenden fiktiven vergangenen Jahrhundert einfach fehl am Platz ist.
Jennifer Aniston vs. Kate Winslet
Nicht alle nehmen dieses Gefühl gleich wahr, zeigt etwa eine Umfrage des Entertainment-Portals Buzzfeed. User und Userinnen können hier darüber abstimmen, ob verschiedene Schauspieler und Schauspielerinnen ein „iPhone Face“ haben oder nicht.
Bei einigen ist sich die Community einig: „Friends“-Star Jennifer Aniston etwa habe ein iPhone Face, „Titanic“-Ikone Kate Winslet eher nicht. Bei anderen, wie etwa Paul Rudd („Ant-Man“), sind sich die Fans nicht einig (Stand: Sept. 2025).
Zu viel Promi-Faktor
Bei manchen drängt sich der Verdacht auf, dass es allein an der Assoziation des Publikums liegt, in welchen Filmen Schauspieler und Schauspielerinnen typischerweise sonst auftreten. Ein User etwa schreibt unter einem YouTube-Video zum Thema:
Wie soll ich mich auf die Handlung konzentrieren, wenn der arme Kerl aus Yorkshire Nate Jacobs von „Euphoria“ ist?
Er schlägt stattdessen vor, weniger bekannte Gesichter zu casten. Es sei eine Fehlannahme der Filmbranche, dass das Publikum immer nur berühmte Menschen im Kino sehen wolle.
Zu konventionell schön
Aber auch bei eher unbekannteren Gesichtern schlägt bei vielen der iPhone-Face- Alarm. Einer der offensichtlichsten Gründe können sichtbare Beauty-Eingriffe wie aufgespritzte Lippen oder ein unnatürlich straffes Gesicht sein. Aber unsere Sehgewohnheiten setzen schon viel tiefer an.
„Alle sehen zu sauber aus. Sonnenschutz, Anti-Aging-Produkte, Akne-Produkte, tägliches Waschen und spezielle Gesichtsreinigung sind relativ neue Erfindungen”, kommentiert User „rodeoclownboy" in einem Reddit-Thread zum Thema.
Eine Frage der Maske
Manchmal entspringt der unauthentische Eindruck auch weniger dem Gesicht selbst, sondern der Art, wie es in Szene gesetzt wird. Haare und Make-Up etwa haben einen ungemeinen Einfluss darauf, ob wir Figuren für authentisch halten.
Häufig spielen sich solche Prozesse auch unterbewusst ab. Ob in der Maske, bei der Beleuchtung oder auch in der Kameratechnik: Je moderner die Technik, desto höher auch das Risiko, den historischen Anklang zu verlieren.
Große Fußstapfen zu füllen
Einen weiteren Nachteil haben historische Verfilmungen: Gerade bei Klassikern aus der Literatur ist die Wahrscheinlichkeit, dass es schon einen oder mehrere ältere Filmversionen des Stoffs gibt, hoch.
Dadurch ist das Publikum bereits nostalgisch vorgeprägt. Die neue Besetzung hat weniger Chancen, als genauso authentisch wahrgenommen zu werden. Beobachten lässt sich das aktuell etwa bei der Neuauflage von „Harry Potter“ als Serie.
Dieser Druck dürfte auch auf der neuen Netflix- Verfilmung des Jane-Austen-Klassikers „Stolz und Vorurteil“ lasten, deren Produktion aktuell läuft.
Wie bereits die berühmte BBC-Version von 1995 mit Colin Firth und Jennifer Ehle soll es auch hier wieder eine Serie werden. Wohl auch, um sich von der 2005er-Verfilmung mit Keira Knightley und Matthew Macfadyen abzusetzen.
„Stolz und Vorurteil“ – Neuverfilmung mit Spannung erwartet
Ob der Hype um „Bridgerton“, das aktuelle „Downton Abbey“-Kinofinale lange nach Ende der Serie oder das jährliche Jane Austen-Festival, für das auch dieses Jahr tausende Fans ins englische Bath pilgerten: Historisch anmutende Filme und Serien haben nach wie vor ein riesiges Publikum – mit entsprechenden Ansprüchen.
Auch wenn der Cast der neuen Netflix-Verfilmung von „Stolz und Vorurteil“ gängige iPhone-Face-Fallen zu umgehen scheint, sind viele Fans äußerst skeptisch. Zumindest kommt der Cast in bisherigen historischen Produktionen gut weg: Olivia Colman und Emma Corrin standen etwa beide schon für „The Crown“ vor der Kamera.
Ob Elizabeth Bennett am Ende aussieht, als wüsste sie, was ein iPhone ist, wird sich wohl frühestens Ende nächsten Jahres zeigen – denn da, so wird es gemunkelt, soll die Serie auf Netflix veröffentlicht werden.