Mascha Schilinski: Schön, wie in Cannes der Film gefeiert wird
Cineasten aus der ganzen Welt feierten im Mai in Cannes das Debüt einer bis dahin unbekannten deutschen Regisseurin. Für Mascha Schilinski auch deshalb unvergesslich, „weil es so schön ist, wie dort in Cannes Film an sich gefeiert wird.“ Das habe sie noch nie zuvor erlebt.
Auch in Deutschland bedeutet dieser Erfolg neue Chancen. Das spürt die 41-jährige Regisseurin. Was davon bleibe, werde sie wohl erst in ein paar Jahren wissen. Doch Mascha Schilinski hofft, dass sich nun „auch in Deutschland ein Tor öffnet für Filme, die die gewohnten Wege der Narration verlassen, nach anderen Erzählweisen suchen.“
„In die Sonne schauen“: Kein leichter Filmstoff
Ihr Debüt „In die Sonne schauen“ ist ein solcher Film. Er erzählt von „100 Jahren Leben auf einem Bauernhof in der Altmark“. Mascha Schilinski lacht: Zweifellos sei das kein Stoff für den berühmten „Elevator-Pitch“, die Gelegenheit, die Filmidee bei einer kurzen Fahrstuhlfahrt zu erklären.
Vier Mädchen verschiedener Generationen leben zu verschiedenen Zeiten auf dem Bauernhof. „Und nach und nach“, so Mascha Schilinski, „merken wir, dass diese Mädchen eigentlich auf unheimliche Weise miteinander verbunden sind.“
Wie Traumata über Generationen weiterwandern
Das komplexe Thema von „In die Sonne schauen“: Traumata werden von Frau zu Frau über Generationen weitergegeben. Mit ihrer Co-Autorin Louise Peter habe sich Schilinski gefragt, „was sich durch die Zeiten hindurch in unsere Körper einschreibt, worauf wir selbst gar keinen Zugriff haben, weil es sich unserer eigenen gelebten Biografie entzieht.“
Von diesen Erfahrungen erzählt der Film in Zeitsprüngen. Ein Mädchen erlebt auf dem Hof eine existenzielle Situation. Genau an derselben Stelle steht später ein anderes Mädchen und daddelt scheinbar gedankenlos auf dem Handy. Atmosphärische Brüche, die Mascha Schilinski gereizt haben.
Ein ganzes Dorf arbeitet mit an einem Film
Auslöser für die Filmidee war das Foto von drei jungen Frauen auf dem Hof, dazu eine Reihe bruchstückhafter Erinnerungen. „Halluzinativ“, sagt Mascha Schilinski, hätten Louise Peter und sie sich dazu die Lebensgeschichten der Frauen ausgedacht.
Fünf „entbehrungsreiche Jahre“ habe es gedauert, bis „In die Sonne schauen“ fertig war. Gedreht wurde im Dörfchen Neulingen in der Altmark. Eigentlich, sagt Mascha Schilinski, habe das Dorf diesen Film gemacht. 60 hilfsbereite Leute, die dem Filmteam die Scheunen aufgesperrt, das historische Material zur Verfügung gestellt hätten und als Komparsen aufgetreten seien.
„In die Sonne schauen“, ab 28. August 2025 im Kino
Mascha Schilinski: Im Zirkus gezaubert und Feuer geschluckt
Aber auch Mascha Schilinski ist selbstbewusst einen eigenen Weg gegangen. Als Mädchen schmeißt sie die Schule, arbeitet zunächst in einer Kinder- und Castingagentur. Jahrelang ist sie auf Reisen, arbeitet unter anderem in einem kleinen italienischen Zirkus, in dem sie zaubert und Feuer schluckt – „was man dort eben so machen muss“.
Lebenserfahrung sei das, die ihr sehr geholfen haben, zunächst beim Drehbuchstudium in Hamburg, später im Regie-Lehrgang auf der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Auch die Mutter von Mascha Schilinski ist Filmemacherin. Die Risiken der Selbständigkeit im Filmgeschäft habe sie deshalb früh kennengelernt.
Der Zirkus jedenfalls sei für sie nicht das Richtige gewesen. Einer Telepathie-Zaubernummer habe ihr gezeigt, wie leichtgläubig viele Menschen die Tricks für bare Münze nehmen würden. Mascha Schilinski: „Ich fand das unheimlich und wollte damit nichts mehr zu tun haben.“ Wahrhaftigkeit findet sie nun im Film.
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Das Filmfestival Heimat Europa in Simmern zeigt zur Eröffnung den Film „Leibniz“ – von Edgar Reitz. Darin lässt der Regisseur den Universalgelehrten nicht nur über Bilder, sondern auch über das Wesen von Zeit nachdenken. Dazu zeigt das Edgar-Reitz-Filmhaus eine Ausstellung mit Originalrequisiten aus dem Film und es gibt eine sehenswerte filmische Dokumentation.