Im Film steht Leibniz einer Malerin Modell
Tulpenartige Motive, grüne Fantasievögel und weiche Armlehnen. Der Reisestuhl im Film „Leibniz“ ist nicht nur elegant, sondern auch praktisch. Er ist eine der Requisiten, die Kristina Müller-Bongard im Edgar-Reitz-Filmhaus in Simmern zeigt.
Der Film erzählt von einer fiktiven Episode am hannoverschen Hof, in der Leibniz im Auftrag der preußischen Prinzessin Charlotte Modell steht – zunächst für einen eitlen Maler, später für eine feinfühlige Künstlerin.
Ein erfinderischer Geist
Eingebettet sind philosophische Gespräche über das Wesen von Bildern – und eine Liste erstaunlicher Erfindungen. Leibniz wird oft als Metaphysiker erinnert. Aber er sprühte vor praktischen Ideen. Edgar Reitz macht das im Film anschaulich mit einer besonderen Requisite, die den Geist des Universalgelehrten auf den Punkt bringt: Eine Art Degen, der als barocker Zettelkasten fungiert.
Hunderte Zettel sind daran aufgespießt, sagt Kristina Müller-Bongard: „Es sind Entwürfe, Zeichnungen, Skizzen drauf von Maschinen, die er erfunden hat. Es zeigt die Bandbreite seines philosophischen, aber eben auch erfinderischen Geistes.“
Requisiten müssen bei Edgar Reitz authentisch wirken
Ein solcher Zettelspieß ist zwar für Leibniz historisch nicht belegt. Aber für Edgar Reitz ist auch nur wichtig, dass Requisiten und Kostüme authentisch wirken, sich echt anfühlen, nicht nachgemacht – und dass sie funktionieren.
So wie der Reisestuhl, der sich wirklich aufklappen lässt. Deshalb ist auch das Hofkleid der preußischen Königin in changierendem Goldgelb aus historischem Stoff.
„Was war wichtig im Spätbarock? Diese Falten und das Licht. Wenn man wirklich alte Gemälde aus dieser Zeit betrachtet, sieht man, dass sie diese schweren Seidentaftstoffe verwendet haben und ein wahnsinnig schönes Lichtspiel entsteht“, sagt die Kostümbildnerin Esther Amuser. „Im Keller eines Stoffladens in Wien habe ich noch alte Taftstoffe gefunden.“
Filme als Versuch, Zeit zu begreifen
Die halbstündige Doku, die die Kostüm- und die Szenenbildnerin zu Wort kommen lässt, ist mehr als ein Making-Of, mehr als nur eine Wertschätzung handwerklicher Details. Denn sie trifft den Kern von Edgar Reitz’ filmischer Vision: Ein Bild fängt nicht einfach einen Moment ein, sondern einen zeitlichen Prozess.
Darum ist es Edgar Reitz in all seinen Filmen gegangen, die er gerne „Chroniken“ nennt: nicht im Sinn von bloßer Aufzeichnung, sondern als Versuch, Zeit zu begreifen.
So ist der Film „Leibniz“ eine Art Vermächtnis – ein letztes großes Gedankenexperiment von Edgar Reitz über das Sichtbare und das Dahinter.