Mollywood zeigt indische Kultur fernab von Bollywood
Lange verband man hierzulange indisches Kino vor allem mit dem farbenfrohen, teils überdrehten Stil der Bollywood-Filme. Dieses Bild zu verändern, war auch den Organisatoren des Stuttgarter Filmfestivals wichtig: Bis 2011 hatte man sich noch „Bollywood and Beyond“ genannt, erst dann folgte der neutralere Name, der auf die Herkunft der gezeigten Filme verweist.
Was beim Indischen Filmfestival Stuttgart gezeigt wird, setzt Maßstäbe dafür, wie Indien auf diesem Kontinent wahrgenommen wird. Schließlich handelt es sich laut Veranstalter um Europas größtes Festival für indische Filme. Die mittlerweile 22. Ausgabe dauert wegen der Kulturkürzungen in Stuttgart dieses Mal nur vier Tage.
Tiefgründiger Effekt trotz kleinem Budget
Trotzdem versprechen die Veranstalter ein gleich starkes Programm mit zahlreichen Promi-Besuchen aus der indischen Filmszene. Der Fokus liegt dieses Jahr auf Malayalam-Filmen: ein Sammelbegriff für Filme in der gleichnamigen Sprache, die etwa in der südindischen Stadt Kerala gesprochen wird. Die dort angesiedelten Filmstudios prägten mit der Zeit einen ganz eigenen Filmstil.
„Kleinere Budgets, bessere Drehbücher“, so beschreiben die Veranstalter des Stuttgarter Filmfestivals Mollywood: Die Filmschaffendenden setzten weniger auf große Effekte und mehr auf Erzählkunst und Resonanz. „Ich würde sagen, so konnten wir das hier noch nie sehen und zeigen“, so Oliver Mahn, Leiter des Filmfestivals, im Gespräch mit SWR Kultur.
Mollywood begeistert Film-Fans
Genau diese Erzählkunst ist Thema des kürzlich erschienenen Mollywood-Films „Mollywood Times“. Mollywood selbst wird hier zum Schauplatz eines Kampfes um Identität und künstlerischen Anspruch. Der Film erzählt aus der Perspektive eines Filmschaffenden, der vom großen Durchbruch träumt – und der stattdessen feststellen muss, dass ein Kollege seinen persönlichen Stil kopiert.
„Roh, chaotisch und schmerzhaft nachvollziehbar“, schreibt ein Rezensent auf der Filmplattform IMDB. „Ein langsamer, aber ehrlicher Film“, ein weiterer Nutzer. Die Reaktionen fassen zusammen, was Mollywood von Bollywood abgrenzt und auszeichnet.
Mollywood war mal für Softpornos bekannt
Dass Mollywood-Produktionen es aus ihrer Nische heraus geschafft haben, ist das Ergebnis eines längeren Selbstfindungsprozesses: Die ersten Filme in den 1930er- und 1940er-Jahren fanden nur mäßige Beachtung. Eine Zeit lang war der südindische Filmstandort vor allem für Softporno-Produktionen bekannt. Inzwischen zeigt ein Blick auf nationale und internationale Erfolge, dass Mollywood es bis ganz nach oben geschafft hat.
So wurde 1997 mit „Guru“ das erste Mal ein malayalamischer Film als Indiens Kandidat für den besten fremdsprachigen Film bei den Oscars eingereicht. Mit „Grandmaster“ (2012) erschien zum ersten Mal ein Mollywood-Film auf Netflix. Den Titel für den erfolgreichsten Mollywood-Film hält bis heute „Lucifer“ (2019).
Mollywood zeigt eine Vielschichtigkeit, die Bollywood oft vermissen lässt. Eine Auswahl von dem, was die Szene in letzter Zeit hervorgebracht hat, gibt es jetzt in Stuttgart zu sehen.