Mehr als nur Bollywood

Indisches Filmfestival Stuttgart: Was ist eigentlich Mollywood?

Das Indische Filmfestival legt dieses Jahr seinen Fokus weitab vom Bollywood-Klischee: Malayalam-Filme, international bekannt als Mollywood, haben es aus ihrer Nische zur internationalen Repräsentation geschafft.

Teilen

Stand

Von Autor/in Ines Kunze

"Lokah" (Filmbild)
In „Lokah“ (2025) geht es übernatürlich zu, die Protagonistin wird zur Superheldin gegen Korruption und Organhandel. Internationales Filmfestival Stuttgart

Mollywood zeigt indische Kultur fernab von Bollywood

Lange verband man hierzulange indisches Kino vor allem mit dem farbenfrohen, teils überdrehten Stil der Bollywood-Filme. Dieses Bild zu verändern, war auch den Organisatoren des Stuttgarter Filmfestivals wichtig: Bis 2011 hatte man sich noch „Bollywood and Beyond“ genannt, erst dann folgte der neutralere Name, der auf die Herkunft der gezeigten Filme verweist.

Was beim Indischen Filmfestival Stuttgart gezeigt wird, setzt Maßstäbe dafür, wie Indien auf diesem Kontinent wahrgenommen wird. Schließlich handelt es sich laut Veranstalter um Europas größtes Festival für indische Filme. Die mittlerweile 22. Ausgabe dauert wegen der Kulturkürzungen in Stuttgart dieses Mal nur vier Tage.

„Pukam Pukai" (Filmbild)
Auch familienfreundliche Filme sind dabei, wie hier „Pukam Pukai“ (2026) über einen Zwölfjährigen, der davon träumt, sich einen Swimmingpool zu bauen. Indisches Filmfestival Stuttgart

Tiefgründiger Effekt trotz kleinem Budget

Trotzdem versprechen die Veranstalter ein gleich starkes Programm mit zahlreichen Promi-Besuchen aus der indischen Filmszene. Der Fokus liegt dieses Jahr auf Malayalam-Filmen: ein Sammelbegriff für Filme in der gleichnamigen Sprache, die etwa in der südindischen Stadt Kerala gesprochen wird. Die dort angesiedelten Filmstudios prägten mit der Zeit einen ganz eigenen Filmstil.

„Nevermind" (Filmbild)
„Nevermind“ (2026) heißt die Bar in Kalkutta, in der die unglückliche Trina und Musiker Jude aufeinandertreffen - der mehr verbirgt, als er preisgibt. Indisches Filmfestival Stuttgart

„Kleinere Budgets, bessere Drehbücher“, so beschreiben die Veranstalter des Stuttgarter Filmfestivals Mollywood: Die Filmschaffendenden setzten weniger auf große Effekte und mehr auf Erzählkunst und Resonanz. „Ich würde sagen, so konnten wir das hier noch nie sehen und zeigen“, so Oliver Mahn, Leiter des Filmfestivals, im Gespräch mit SWR Kultur.

Mollywood begeistert Film-Fans

Genau diese Erzählkunst ist Thema des kürzlich erschienenen Mollywood-Films „Mollywood Times“. Mollywood selbst wird hier zum Schauplatz eines Kampfes um Identität und künstlerischen Anspruch. Der Film erzählt aus der Perspektive eines Filmschaffenden, der vom großen Durchbruch träumt – und der stattdessen feststellen muss, dass ein Kollege seinen persönlichen Stil kopiert.

„Roh, chaotisch und schmerzhaft nachvollziehbar“, schreibt ein Rezensent auf der Filmplattform IMDB. „Ein langsamer, aber ehrlicher Film“, ein weiterer Nutzer. Die Reaktionen fassen zusammen, was Mollywood von Bollywood abgrenzt und auszeichnet.

Mollywood Times - Official Teaser | Naslen | Abhinav Sunder | Ashiq Usman | Jakes Bejoy

Mollywood war mal für Softpornos bekannt

Dass Mollywood-Produktionen es aus ihrer Nische heraus geschafft haben, ist das Ergebnis eines längeren Selbstfindungsprozesses: Die ersten Filme in den 1930er- und 1940er-Jahren fanden nur mäßige Beachtung. Eine Zeit lang war der südindische Filmstandort vor allem für Softporno-Produktionen bekannt. Inzwischen zeigt ein Blick auf nationale und internationale Erfolge, dass Mollywood es bis ganz nach oben geschafft hat.

"Kangbo Aloti - The Lost Path" (Filmbild)
„Kangbo Aloti - The Lost Path“ (2025) thematisiert die Frage nach Wandel durch Gewalt oder Bildung. Indisches Filmfestival Stuttgart

So wurde 1997 mit „Guru“ das erste Mal ein malayalamischer Film als Indiens Kandidat für den besten fremdsprachigen Film bei den Oscars eingereicht. Mit „Grandmaster“ (2012) erschien zum ersten Mal ein Mollywood-Film auf Netflix. Den Titel für den erfolgreichsten Mollywood-Film hält bis heute „Lucifer“ (2019).

Mollywood zeigt eine Vielschichtigkeit, die Bollywood oft vermissen lässt. Eine Auswahl von dem, was die Szene in letzter Zeit hervorgebracht hat, gibt es jetzt in Stuttgart zu sehen.

Filmposter für Mollywood-Filme in Kerala, Indien.
Filmposter für Mollywood-Filme in Kerala, Indien. nurphoto
Stuttgart

Indisches Filmfestival Stuttgart Der Stuttgarter Filmemacher Shammi Singh über seinen Dokumentarfilm „Ein Leben für den Tee“

Nach einer Reise in die Heimat seines Vaters dreht Shammi Singh preisgekrönte Dokus. Seine neueste, „Ein Leben für den Tee“, feiert Premiere beim Indischen Filmfestival Stuttgart.

SWR Kultur am Abend SWR Kultur

Ludwigshafen

Erste Preisträgerin bei Filmfestival steht fest Ludwigshafen: Annette Frier soll Preis für Schauspielkunst bekommen

Das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen hat den ersten großen Namen rausgehauen: Annette Frier soll im August auf der Parkinsel den Preis für Schauspielkunst 2026 erhalten.

Rheinland-Pfalz

Kinofilme unter freiem Himmel Open-Air-Kinos in und um Rheinland-Pfalz

Einen spannenden Film schauen und sich dabei eine warme Sommerbrise um die Nase wehen lassen, das geht in einigen Open-Air-Kinos in und um Rheinland-Pfalz.

SWR1 Rheinland-Pfalz SWR1 Rheinland-Pfalz