- Memoiren einer Schnecke (2024)
- Flow (2024)
- Loving Vincent (2017)
- Die letzten Glühwürmchen (1988)
- Guillermo del Toros Pinocchio (2022)
- Tokyo Godfathers (2003)
- Isle of Dogs – Ataris Reise (2018)
- Der Brotverdiener (2017)
- Waltz with Bashir (2008)
Memoiren einer Schnecke (2024)
Grace Pudel ist eine Frau, die sich immer wieder am liebsten in ihr Schneckenhaus verkriechen würde. Ihr Leben war alles andere als einfach: Ihre Mutter stirbt im Kindbett, ihr Vater ist querschnittsgelähmt und alkoholsüchtig, andere Kinder hänseln sie, weil sie mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren wird.
Als der Vater stirbt, werden sie und ihr Zwillingsbruder jäh auseinandergerissen. Grace schottet sich ab: Sie flüchtet sich in Romanwelten und entwickelt eine exzessive Sammelleidenschaft für alles, was mit Schnecken zu tun hat.
Beim renommierten Animationsfilmfestival in Annecy wurde der Film des australischen Regisseurs Adam Elliot mit dem Preis für den besten Langfilm ausgezeichnet. Elliot zeichnet eine Welt, die gleichzeitig enorm bedrückend ist, aber immer wieder mit schwarzem Humor und ihren schrulligen und einfühlsam ausgestalteten Figuren das Hoffen auf bessere Zeiten neu lehrt.
Ab 24. Juli 2025 im Kino.
Flow (2024)
Es war in Lettland eine Sensation, als mit „Flow“ 2025 erstmals ein Film aus dem baltischen Staat für einen Oscar nominiert wurde – und schließlich auch die Trophäe für den besten Animationsfilm mit nach Hause nahm.
In einer von den Menschen verlassenen Welt wird eine Katze von einer plötzlich hereinbrechenden Flut überrascht. Schnell stehen der Wald und alle umliegenden Gebiete unter Wasser. Die Katze kann sich mit einem Labrador, einem Lemur, einem Capybara und einem Sekretärvogel auf ein Boot retten. Aus den so unterschiedlichen Tieren wird eine Überlebensgemeinschaft.
Worte braucht es keine in dieser Welt, die Regisseur Gints Zilbalodis entworfen hat. Und dennoch gelingt es „Flow“, nicht weniger zu beschreiben, als den Kreislauf des Lebens in einer Welt, die von der Sintflut ausgelöscht wurde.
Auf diversen Plattformen zum Leihen und Kaufen verfügbar.
Loving Vincent (2017)
Wie starb der große Maler Vincent van Gogh? Dieser Frage geht das Ehepaar und Regie-Duo Dorota Kobiela und Hugh Welchman in ihrer animierten Künstlerbiografie „Loving Vincent“ nach.
Das Besondere: Der Film versucht nicht nur, die Vita des berühmten Post-Impressionisten nachzuerzählen, wie es auch ein klassisches Biopic tun könnte. Van Goghs Bilder vom berühmten Selbstbildnis bis hin zur Sternennacht und den provenzalischen Landschaften werden zum Schauplatz der Handlung.
„Loving Vincent“ ist nicht nur eine bildgewaltige Hommage an das Werk van Goghs, er setzt auch neue Standards, wie mit moderner Animationstechnik Kunst in Film übersetzt werden kann.
Auf diversen Plattformen zum Leihen und Kaufen verfügbar.
Die letzten Glühwürmchen (1988)
Japan in der Endphase des Zweiten Weltkriegs: Bei einem Bombenangriff verlieren der 14-jährige Seita und vierjährige seine Schwester Setsuko ihre Mutter und ihr Zuhause. Ihre Tante lässt sie spüren, dass sie ihr zur Last fallen. So beschließt Seita, mit seiner Schwester in einer Höhle Unterschlupf zu suchen. Als die Vorräte knapp werden, versucht der Junge panisch, seine Schwester am Leben zu erhalten.
„Die letzten Glühwürmchen“ war der erste Film, den Regisseur Isao Takahata (1935 – 2018) für das renommierte Animationsstudio Ghibli verantwortete. Takahata verarbeitete in dem Film, der auf einer Kurzgeschichte von Akiyuki Nosaka basiert, auch seine eigene Erinnerung an den Krieg und die Bombardierung der Stadt Okayama.
Bis heute zählt Takahatas Film zu den eindrücklichsten filmischen Beschreibungen des Kriegsleids von Kindern – und ist nichts für Menschen, die auf ein Happy End hoffen wollen.
U.a. auf Netflix zum Streamen verfügbar.
Guillermo del Toros Pinocchio (2022)
Denkt man an Märchen im Animationsfilm, geht der erste Gedanke wohl unweigerlich an Walt Disney. Doch auch wenn dieser mit „Pinocchio“ im Jahr 1940 unweigerlich Filmgeschichte schrieb, hat der spanische Regisseur Guillermo del Toro eine nicht minder bedeutende Neufassung der Geschichte um die sprechende Holzpuppe geschaffen.
Del Torro versetzt den Roman von Carlo Collodi ins faschistische Italien der 1930er-Jahre. Der Schreiner Geppetto hat seinen Sohn bei einem Bombenhagel im zweiten Weltkrieg verloren. Aus einem Pinienbaum, der auf dem Grab des Kindes wächst, fertigt der alkoholkranke und verzweifelte Mann die Puppe, die zum Leben erwacht.
Der kantig-groteske Stil des Stop-Motion-Films und die Handlungstiefe, die der Film durch den unterschwellig omnipräsenten Benito Mussolini erhält, machen den Film von Guillermo del Toro und Mark Gustafson zu einem eindrücklichen Filmerlebnis, das seinesgleichen sucht.
Auf Netflix zum Streamen verfügbar.
Tokyo Godfathers (2003)
Drei Obdachlose stehen im Zentrum von Satoshi Kons Weihnachtsfilm „Tokyo Godfathers“: Gin ist Alkoholiker, Hana eine frühere Drag Queen und Miyuki von zu Hause ausgerissen. Am Heiligabend finden sie zwischen Müllsäcken ein Findelkind. Die Suche nach den Eltern wird für alle drei auch zur Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.
Bis heute gelten die Filme von Satoshi Kon, der 2010 im Alter von 46 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb, als künstlerische Meilensteine in der japanischen Animation. Immer wieder verwob der Regisseur die Härte der japanischen Gesellschaft mit surrealen Traumwelten und tiefgründigen psychologischen Fragen.
In „Tokyo Godfathers“ stellte er drei Ausgestoßene der japanischen Gesellschaft in den Mittelpunkt und porträtiert sie als nahbare Verlierer der Gesellschaft – mit Wärme, Empathie und einer gehörigen Portion Humor.
Auf diversen Plattformen zum Leihen und Kaufen verfügbar.
Isle of Dogs – Ataris Reise (2018)
Nach dem Ausbruch einer Hundegrippe-Pandemie werden alle Hunde Japans auf Geheiß eines katzenliebenden Clans auf eine Insel aus Müll verbannt. Dort leben die Tiere unter extrem schwierigen Bedingungen: Es gibt nicht genug Futter, sie werden aggressiv.
Atari, der Sohn eines korrupten Bürgermeisters, macht sich auf den Weg zur Insel, um seinen Hund Spot wiederzufinden. Dort freundet er sich mit einem Rudel von Hunden an, angeführt vom Rüden Chief. Gemeinsam versuchen sie, die Flucht von der Insel der Hunde zu ermöglichen.
Cineasten ist die besondere Ästhetik im Kino des texanischen Regisseurs Wes Anderson bestens vertraut. Mit Filmen wie „Die Royal Tenenbaums“, „Moonrise Kingdom“ und „Grand Budapest Hotel“ setzte er in Sachen Filmsprache neue Standards. Seine Animationsfilme, insbesondere „Isle of Dogs“ stehen seinen anderen Werken diesbezüglich in nichts nach.
U.a. auf Disney+ zum Streamen verfügbar.
Der Brotverdiener (2017)
Kabul im Jahr 2001: Die 11-jährige Parvana lebt mit ihrer Familie unter dem Terrorregime der Taliban. Als ihr Vater verhaftet wird, steht die Familie vor dem Ruin, denn ohne männliche Begleitung dürfen sich Frauen nicht in der Öffentlichkeit bewegen.
Parvana schneidet sich die Haare ab und wird als Kael zum männlichen Oberhaupt und Brotverdiener der Familie – und stellt fest, dass sie nicht die Einzige ist, die in Männerkleidern das Frauenverbot der Taliban umgeht.
Die irische Animationskünstlerin Nora Twomey hat mit „Das Geheimnis der Kells“ und „Wolfwalkers“ ihren unverwechselbaren Stil etabliert. „Der Brotverdiener“ zeichnet das Bild einer Kindheit in einem unterdrückten Land und schafft den Spagat zwischen erzählerischer Leichtigkeit und emotionaler Tiefe mit Bravour.
Auf diversen Plattformen zum Leihen und Kaufen verfügbar.
Waltz with Bashir (2008)
Wenn der Kriegsgräuel zu schlimm wird, bietet die Animation eine Möglichkeit, das Unzeigbare im Gezeichneten zu abstrahieren. Kaum ein Film hat dies zu ähnlicher Perfektion gebracht wie Ari Folmans animierter Dokumentarfilm „Waltz with Bashir“.
Der israelische Regisseur verarbeitete im Film seine Erinnerungen an den ersten Libanonkrieg, den Folman während seinem Militärdienst als Mitglied der israelischen Armee erlebte. Langsam kehren im Film die verdrängten Erinnerungen an Kriegsereignisse und Schauplätze zurück, darunter das Massaker an palästinensischen Flüchtlingen in den Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila.
Folmans Film verbindet Zeitzeugen-Interviews mit greifbarer Animation und surrealen Traumsequenzen und schafft es so, die fragmentarische Erinnerung seines Protagonisten in Bildern einzufangen, die einen noch lange nach Ende des Films beschäftigen.
Auf DVD erhältlich.