Nervenaufreibende Wetterprognose
An dieser Wettervorhersage hängt das Leben zehntausender Soldaten, der Verlauf des Zweiten Weltkriegs und das Schicksal Europas. Auf dem britischen Chefmeteorologen James Stagg lastet eine riesige Verantwortung.
Im Jahr 1944 kann die Wissenschaft das Wetter seriös nur 24 Stunden im Voraus prognostizieren. Doch General Eisenhower, der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, will von Stagg eine eindeutige Antwort: Lässt das Wetter die Landung in der Normandie wie geplant drei Tage später zu oder nicht?
Unter Hochdruck sammelt Staggs Team alle verfügbaren Messdaten von Wetterstationen, um daraus eine belastbare Prognose für die Normandie abzuleiten. Das Ergebnis gefällt den Generälen allerdings gar nicht, denn Stagg sagt eine hohe Wahrscheinlichkeit für Sturm, Regen und tiefhängende Wolken voraus. Er rät dazu, den Angriff zu verschieben.
Ein intensives Kammerspiel
In „Pressure“ komprimiert Regisseur Anthony Maras die 72 Stunden vor dem D-Day zu einem intensiven Kammerspiel, in dem das Risiko der größten Seeinvasion der Geschichte immer wieder neu vermessen wird.
Staggs Lage wird umso schwieriger, als sein Rivale, der amerikanische Meteorologe Irving Krick, Sonne voraussagt. Allerdings leitet Krick lediglich Analogien aus historischen Wetterkarten ab, statt die aktuellen Daten zu interpretieren.
Dass das mit Wissenschaft nicht viel zu tun hat, will der Generalstab nicht hören. Denn den Alliierten läuft die Zeit davon, wenn sie die Deutschen mit ihrem Angriff überraschen wollen.
Der Meteorologe als stiller Held
Als Gegenspieler von Brendan Fraser als lauter, hochfahrender Eisenhower lässt Hauptdarsteller Andrew Scott seinen Stagg zu einem stillen Helden wachsen, der für seine Überzeugungen einsteht. Mit äußerster Zurückgenommenheit spielt er ihn als verschlossenen, humorlosen Nerd, der dafür kämpft, dass diese schwere Entscheidung auf Grundlage wissenschaftlicher Fakten getroffen wird.
Auch wenn es hier „nur“ ums Wetter geht und nicht ums Klima – in diesen Szenen scheint die Gegenwart mitzuschwingen, in der es wissenschaftliche Erkenntnisse in politischen Entscheidungsprozessen immer schwerer haben, sich durchzusetzen.
Wissenschaft in politischen Entscheidungsprozessen
Am Ende bricht das Weltkriegsdrama aus seinem kammerspielartigen Setting aus und zeigt die Invasion. Diese hat man in anderen Filmen allerdings schon deutlich spektakulärer gesehen.
Die Stärke von „Pressure“ liegt in den Szenen weitab des Schlachtfelds und dem Greifbarmachen des Drucks, unter dem die Verantwortlichen diese folgenreiche Entscheidung treffen mussten. Nie war eine Wettervorhersage im Kino so nervenaufreibend.
Trailer „Pressure“. Ab 17.9.2026 im Kino.
Historische Aufnahmen zum D-Day
6.6.1944 Ansprachen von Roosevelt und Eisenhower zum "D-Day"
6.6.1944 | Am Morgen der Invasion in der Normandie, am 6. Juni 1944, spricht der Oberbefehlshaber der Alliierten Landungstruppen, Dwight D. Eisenhower, zu den Menschen in Westeuropa. Sie würden bald befreit werden. An die unabhängigen Widerstandskämpfer appelliert er, sich jetzt in Disziplin zu üben und nicht ihr Leben zu riskieren. Sie würden noch gebraucht werden. Die französische Bevölkerung ruft er auf, den Anweisungen ihrer Anführer zu folgen.
US-Präsident Franklin D. Roosevelt wiederum hält eine kurze Ansprache an das Volk der Vereinigten Staaten. Er habe am Vortag noch über den Untergang Roms gesprochen – da habe er schon gewusst, dass in dieser Nacht Truppen der Vereinigten Staaten und ihrer Alliierten den Kanal überqueren würden. Bisher sei die Operation erfolgreich verlaufen. Die tausenden Toten, die sie gekostet hat, erwähnt er nicht. Und er bietet die Hörerinnen und Hörer, mit ihm zusammen zu beten.
6.6.1944 Deutsche Nachrichten über die Invasion in der Normandie
6.6.1944 | Am Morgen des 6. Juni 1944 landen die alliierten Truppen an der Küste der Normandie. Auch die von der NS-Regierung kontrollierten Nachrichten im Großdeutschen Rundfunk berichten darüber. Nach ihrer Darstellung hat die Wehrmacht die Küste erfolgreich verteidigt und sei auf die Invasion gut vorbereitet gewesen – was nicht stimmt. Befehlshaber Generalfeldmarshall Erwin Rommel etwa ist an jenem Tag auf Heimaturlaub in Württemberg.
Reichspressechef Otto Dietrich bezeichnet in den Nachrichten die West-Allierten als "Helfer des Bolschewismus", die "auf Befehl Moskaus" ihren "Opfergang" in der Normandie angetreten hätten. "Wir werden ihnen einen heißen Empfang bereiten".