Ein Unfall und seine mörderischen Folgen
Dieses Jahr kam ein neuer Film ins Kino: In einer Sommernacht töten fünf Freunde bei einem Autounfall einen Mann. Um sich ihre Zukunftschancen nicht zu verbauen, vertuschen sie den Unfall. Doch plötzlich erhalten alle bedrohliche Briefe. Der Text: „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast.“ Die Täter werden selbst zu Opfern in einer bestialischen Mordserie.
Wer ein Déjà-vu hat, der braucht sich nicht wundern: „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ aus dem Jahr 1997 gilt heute als Kultklassiker unter den sogenannten Teenie-Slashern. Im Sommer 2025 brachte Regisseurin Jennifer Kaytin Robinson die Geschichte für eine neue Generation von Kinogängerinnen und -gängern wieder auf die Leinwand.
Slasher-Filme funktionieren nach festen Schemen
Dass die Handlung des neuen Films wie ein direkter Abguss der Vorlage klingt, gehört bei Slashern fast schon zum Markenkern. Seit den Ursprüngen in den 1970er-Jahren funktionieren Slasher – der Name leitet sich vom englischen Wort für „aufschlitzen“ ab – wie kein anderes Filmgenre nach festgelegten Formen und stereotypen Handlungsschemen.
Fast immer geht es um eine Gruppe junger Menschen, die von einem monströsen Killer verfolgt und schließlich nach und nach umgebracht werden. Der Einflussbereich des Killers ist auf einen Ort beschränkt, etwa eine Kleinstadt.
Hilfe durch Erwachsene oder die Polizei können die Opfer nicht erwarten. Oft tötet der Killer, um seine Opfer für ein moralisch verwerfliches Verhalten zu bestrafen – sei es die Vertuschung einer Straftat wie in „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ oder einfach sexuelle Freizügigkeit.
Am Ende schafft es eine meist weibliche Figur, bekannt als „Final Girl“, den Killer in die Flucht zu schlagen – zumindest bis zum nächsten Film.
Was Slasher von Hitchcock und Agatha Christie lernten
Dem „Master of Suspense“ Alfred Hitchcock wird ein nicht unerheblicher Einfluss auf den Slasher-Film zugesprochen: Mit „Psycho“ drehte der britische Regisseur 1960 einen legendären Horrorfilm über einen psychopatischen Messermörder. Als Inspiriration diente ihm der reale Fall des Mörders und Leichenschänders Ed Gein. Dessen Taten wurden kürzlich auch von Netflix in der dritten Staffel der Serie „Monster“ verfilmt.
Die Art und Weise, wie Hitchcock mit der Kamera arbeitete, Tabuthemen aufgriff und durch einen gezielt eingesetzten Soundtrack Schockmomente schuf, revolutionierte das Horrorgenre maßgeblich.
Auch in der klassischen Krimiliteratur finden sich Vorbilder für den Slasher-Film: Im schematischen Handlungsverlauf und seiner kammerspielhaften Atmosphäre erinnert das Genre stark an die Romane von Agatha Christie.
Hervorzuheben ist der vielfach verfilmte Erfolgsroman „Und dann gabs keines mehr“ von 1939: Eine Gemeinschaft von zehn Menschen wird auf eine einsame Insel gelockt. Jeder von ihnen hat ein dunkles Geheimnis. Sukzessive werden auch sie einer nach dem anderen von einem geheimnisvollen Mörder zur Strecke gebracht.
Echte Mordserien befeuern das Genre
Der erste moderne Slasher kommt 1974 mit „The Texas Chain Saw Massacre” in die Kinos, in dem Kettensägenmörder Leatherface und eine Kannibalenfamilie Jagd auf eine Gruppe Jugendlicher machen. Bis heute gilt der Film als einer der einflussreichsten Horrorfilme aller Zeiten.
Mit dem maskierten Michael Myers in John Carpenters „Halloween“ folgt 1978 eine der nach wie vor beliebtesten Figuren des Slasher-Genres.
Zur Popularität des Genres trägt auch die Sensationslust bei, mit der Mordserien in den frühen 1970er-Jahren in der amerikanischen Presse verhandelt werden, darunter die Manson-Morde im Jahr 1969, bei denen unter anderem die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate umgebracht wurde, oder die Mordserie um den bis heute unbekannten Zodiac Killer.
Mit Selbstironie in die Neunziger
In den 1990er-Jahren sind die Slasher der 1970er-Jahre bereits Kult und werden insbesondere als Mutprobe bei Filmabenden unter Jugendlichen geschaut. Entsprechend selbstreferentiell geben sich die Slasher-Filme dieser Dekade.
Wes Cravens „Scream“ (1996) zitiert etwa immer wieder aus etablierten Slasher-Filmen und macht sich über die klischeehafte Erzählweise des Genres lustig, insbesondere das Stereotyp der jungfräulichen Heldin, hier gespielt von Neve Campbell.
Beim Publikum kam die Mischung aus Horror und Selbstironie so gut an, dass sie mit „Scary Movie“ (2000) ihre eigene Filmparodie erhielt. Auch diese erhält fünf Fortsetzungen, eine sechste soll im Juni 2026 ins Kino kommen.
Slasher-Filme setzen heute auf etablierte Killer
Nach 50 Jahren und unzähligen Filmen könnte man meinen, das Genre habe sich auserzählt. Falsch gedacht: Noch immer erfreut sich der Slasher-Film großer Beliebtheit an den Kinokassen.
Doch wie so häufig in Zeiten von Streaming und einem immer härter umkämpften Filmmarkt lautet auch im Horrorfilm die Devise: Der Wiedererkennungswert bekannter Figuren übertrumpft neue und mitunter innovative Ansätze, die dem Genre frischen Wind einhauchen könnten.
Lieber setzt die Filmindustrie auf etablierte Franchises: „Halloween“ bringt es auf bislang 13 Filme, „Freitag der 13.“ auf zwölf und „Scream“ auf bald sieben Teile.
Für das Reboot von „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ durften auch Freddie Prinze Jr. und Jennifer Love Hewitt nach fast 30 Jahren nochmal in ihre Rollen aus dem Film von 1997 schlüpfen. Ob das ihre letzte Begegnung mit dem Fischer war? Ideen für einen weiteren Teil scheint es zumindest schon zu geben.