Wie KI das Internet vermüllt

AI Slop: Der Letzte räumt das Internet auf

Generative KI überschwemmt das Internet mit minderwertigen Inhalten aus Wort, Bild und Musik. Kann man diesem Kulturbrei entgegenwirken? Oder ihm sogar etwas Gutes abgewinnen?

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Von Autor/in Caroline O. Jebens

Spaßige Technologie?

Es sei das unterhaltsamste Spielzeug, das Open AI bisher entwickelt hätte, schrieb der Unternehmens-Chef Sam Altman vor vier Jahren in seinem Blog. Damals erschien Dall-E 2, die verbesserte Version des Text-zu-Bild-Generators, und die, so Altman, fördere nicht nur die Kreativität: sondern sei endlich wiedermal eine Technologie, die Spaß mache. 

Mit wenigen Worten ein hochauflösendes Bild erstellen klang schon damals nicht nur nach spaßigem Werkzeug, sondern auch nach Büchse der Pandora: Niedrigschwellig lassen sich so jegliche Arten von visuellen Information erschaffen und bespielen, Intention: egal.

Längst hat Open AI eine dritte Dall-E-Version und das Programm Sora, das Videos produziert, auf den Markt gebracht. Midjourney, Stable Diffusion und Veo heißen die einschlägigen Programme, die Gleiches tun. Noch mehr unterhaltsame Spielzeuge also, die die Kreativität fördern und Spaß machen?

AI Slop: Unendlicher KI-Müll?

So viel sich KI-Enthusiasten von einer gut trainierten KI versprechen, so ernüchternd sind die massenhaften Produkte, die seit dem Erscheinen dieser Programme im Netz generiert werden. Die verheißungsvolle Technik halluziniert unfundierte Aussagen, produziert eine generische Ästhetik und seelenlose Muzak, Hintergrundmusik, in Dauerschleife. 

„AI Slop“ nennt sich der massenhafte KI-Müll an Wort, Video, Bild und Musik, der das Internet überschwemmt: Kochrezepte, in denen angeraten wird, Käse auf Pizzateig zu kleben; Videos von Kaninchenrudeln, die des nachts auf einem Trampolin springen; der Papst in einer Daunen-Soutane; nicht-existente Countrysänger, die wirre Lieder singen.

Eine Version der "Shrimp Jesus"-Bilder, die 2024 auf Facebook verbreitet wurden. KI-erzeugtes Bild.
Eine Version der "Shrimp Jesus"-Bilder, die 2024 auf Facebook verbreitet wurden. KI-erzeugtes Bild. KI-erzeugtes Bild

Bilder für Propaganda

AI-Slop-Inhalte sind aber nicht nur vergleichsweise harmloser Clickbait oder Spam. Sie werden auch gezielt genutzt, um Propaganda und Desinformation zu erstellen, die das Netz überfluten. Besonders Rechtsgesinnte nutzen KI, um günstiges Propagadamaterial zu erstellen und es algorithmusgerecht in die Timelines junger Leute spülen zu lassen.

Auf YouTube und Tiktok finden sich zudem unzählige Videos, deren Bild-und-Tonspur Fake News wiedergeben, die die KI selbst erdacht hat. Oft geht es um Politiker, berühmte Persönlichkeiten, Naturkatastrophen oder Verschwörungserzählungen – alles, wozu bildlich und textlich bereits viel Material im Netz besteht, auf das die KI zurückgreifen kann. 

YouTube hatte zwar bereits letzten Juli angekündigt, AI Slop von der Monetarisierung auf der Plattform auszuschließen, doch KI-Clips grassieren weiterhin.

Musik für den Hintergrund

KI-generierte Massenware betrifft dabei nicht nur Text und Bild. Laut dem „12th Annual AlphaWise Audio Entertainment Survey” von Morgan Stanley Research, der kürzlich erschien, hören in den Vereinigten Staaten bereits 60 Prozent der 18- bis 29-Jährigen regelmäßig mehrere Stunden KI-Musik. 

Auf YouTube finden sich beispielsweise massenhafte Ambiance-Videos. Diese zweckmäßigen Stimmungsvideos von Fantasielandschaften, verträumten Cafés, Videogames oder Filmszenen, lassen sich mittlerweile allzu leicht durch KI erstellen und mit stundenlanger Muzak unterlegen.

Laut interner Studien von Spotify geht der Trend allgemein dazu, dass Musik nicht mehr aktiv gehört wird, sondern im Hintergrund läuft, während bestimmten Tätigkeiten nachgegangen wird. Die Musikplattform setzt auf Playlists mit Hintergrundmusik mit niedrigen Lizenzgebühren. Seichte KI-Musik fügt sich ideal ein in diese Entwicklung.

Mehrfach sorgte die Spotify dabei auch für Furore im Umgang mit KI: Wegen unautorisierter KI-Songs, die über echte Künstlerprofile ausgespielt wurden. Oder Fake-Profilen, die echten Künstlern die Tantieme streitig machen.

AI Slop: Ablehnen oder umarmen?

Eine SEO-Studie der KI-Agentur „The Graphite” ergab, dass seit Ende 2024 mehr KI-erzeugte, als menschengemachte Artikel im Netz finden lassen. Die Hälfte aller Artikel online sind mittlerweile KI-generiert – wobei sich das Verhältnis seitdem eingependelt hat.

Die AI Slop verbreitete Ästhetik ruft zudem Gegenreaktionen hervor: Statt bearbeiteter und inszenierter Bilder werden auf Instagram heute „photo dumps”, vermeintlich wahllose Schnappschüsse gepostet. In der bildbearbeitungsaffinen Kosmetikbranche wiederum wird sich neuerdings um eine betont „menschliche” Ästhetik bemüht, die sich möglichst weit von der glatten KI-Oberfläche wegbewegt.

Zudem gibt es Kunstschaffende, die AI Tools nutzen, um die Absurdität der AI-Slop-Bilder subversiv für dadaistische Konzepte zu nutzen. Oder Creatoren, die in ihren Unterhaltungsclips die surrealen Abläufe von AI-Slop-Videos nachspielen und damit ihren halluzinatorischen Charakter herausstellen. 

Alles „sloppy“?

Die Kritik an AI Slop richtet sich dabei nicht nur an die Verbreitung minderwertiger Inhalte, die Unmengen an Serverenergie verschwenden und den digitalen Raum verstopfen. Die Sorge geht auch dahin, dass die Programme sich wie ein Uroboros mit Inhalten füttern, die sie selbst produziert haben. Bestimmte Ästhetiken und Fehler werden so immer weiter perpetuiert.

KI-Unternehmen wie Open AI, Alphabet, Meta oder Oracle bemühen sich, immer wieder neue Versionen ihrer Programme herauszubringen, die es immer schwerer machen, KI-Bilder von echten zu unterscheiden. Ziel ist es, Bilder und Ton immer realer erscheinen zu lassen, um die Film- und Werbebranche für sich zu gewinnen. 

Doch je überzeugender KI-Inhalte werden, desto stärker müssen ethische Überlegungen mitgedacht werden. Erst kürzlich gab es einen Eklat um sexualisierte Inhalte von Frauen und Kindern, die unreguliert auf der Plattform X durch das interne KI „Grok“ erstellt werden konnten.

Social-Media-Beitrag auf Instagram

Das Utopische, das die Spielwiese Internet einst repräsentierte, scheint sich mit mit neuen KI-Technologien vollends aufgelöst zu haben. In die einst geteilte Realität, die das Netz darstellen sollte, ist die große Skepsis eingezogen: Was ist noch echt? Und wie interagiert man mit Inhalten, die es offensichtlich nicht sind?

Manche vermuten, dass AI Slop immer mehr Menschen dazu bringen könnte, sich aus dem Internet zurückziehen. Das wäre dann doch eine bemerkenswerte Leistung einer neuen Technologie.

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