Polemik als Lebenselixier
„Nur halbgebildete Idioten wissen nicht, was Polemik heißt. Nämlich die Grundlage jeder Art von Erkenntnisgewinn“, sagte Bazon Brock 2022 gegenüber dem RBB. Die Polemik ist sein Lebenselixier, aus der Bazon Brock unerschöpflich seine Energie zieht.
Die Universitäten sind erledigt. Der Zustand ist desaströs. Wo ist noch ein letzter Fetzen deutscher Universität – nirgends mehr.
Unter diesen kategorischen Verdammnisurteilen macht es Bazon Brock nicht mehr. Nicht umsonst hatte er über den Eingang seiner „Kreuzberg Denkerei“ ein Schild mit der Aufschrift „Limbo-Lounge“ angebracht, man betrat also eine Art Vorhöllen-Separee. Das muss wissen, wer sich mit Bazon Brock auf ein Gespräch einlässt, falls man dann überhaupt noch zu Wort kommt.
Bazon heißt „Schwätzer“
Sein bürgerlicher Name war Jürgen Johannes Hermann Brock. Doch als Bazon, das heißt Schwätzer, wurde er im Griechischunterricht getadelt, so dass er dies zu seinem Vor- und Ehrennamen wählte, dem er sogar anfangs als junger Lyriker in DADA-Nachfolge ein „phönix phlebas“ hinzufügte.
Bei den antiken Griechen, den Sophisten und noch mehr den Kynikern, wie Diogenes in der Tonne, hat er auch seine geistige Heimat. Das Denken entsteht im Reden und das Reden im Gehen.
„Action Teaching“ – gehend die Welt erklären
Silbermähne, roter Schal, mit einem wippenden Rohrstöckchen in der Hand auf und ab gehend, erklärt Bazon Brock die Welt im Paukerstil. Oder, wie er es nennt, als „Action Teaching“.
Berühmt wurde Brock in den frühen 1960er-Jahren mit seinen Vorträgen, die er im Kopfstand hielt. Er gründete zahlreiche Institute, darunter unter anderem das Institut für Rumorologie /Gerüchteverbreitung, das Labor für Universalpoesie und Prognostik, das Pathosinstitut Anderer Zustand, die Prophetenschule und zuletzt eben die Denkerei.
Brock knetet Gedankenkonzepte
„Es ist wie bei der Bäckerei: Es gibt den Backmeister, die Backgesellen und die Bäckerlehrlinge, um Brot zu backen. Wir machen hier die Gedankenkonzepte, mit denen man sich vielleicht besser ernähren kann als mit viel Weißbrot“, sagt Bazon Brock.
Als Zuhörer fühlt man sich dabei eher wie der Teig, der geknetet wird und nun aufgehen soll. Insofern ist die Denkerei mit Nietzsche als einem ihrer Paten vielleicht doch eher eine Züchtigungsanstalt zum Erlernen des furchtlosen Selbstdenkens.
Hier spielt doch seine eigene Kindheitserfahrung eine Rolle: geboren in Pommern, aufgewachsen im Zweiten Weltkrieg; der Vater erschossen, die beiden Brüder nach der Flucht im dänischen Internierungslager gestorben.
Information braucht Verkörperung
Ein grundlegender und vor allem sehr aktueller Gedanke: Information braucht Verkörperung, deswegen ist für Bazon Brock das gesamte digitale heutige Wissen eben keine Information. Information braucht vielmehr Handlung.
Ein großer Irrtum wäre es freilich, in Brock eine Art Hofnarren sehen zu wollen. Man darf vielmehr seiner Provokation nicht ausweichen. Unter keinen Umständen.
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