Schon damals überfällig
Heute erscheint ein eigenständiges Umweltministerium selbstverständlich. Doch gegründet wurde es erst 1986, im Jahr der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.
In SWR Kultur erklärt der Umwelt- und Technikhistoriker Frank Uekötter, dass Tschernobyl zwar der unmittelbare Anlass gewesen sei, die Einrichtung eines solchen Ressorts aber längst überfällig war. Andere Bundesländer und Nachbarstaaten seien bereits vorangegangen.
Vom„Dagegen-Ministerium“ zum Gestalter von Wandel
In den 1980er Jahren verstand sich das Umweltministerium vor allem als Korrektiv gegen Umweltzerstörung. Seine Aufgabe sei gewesen, „dem ökologischen Unsinn möglichst effektiv entgegenzutreten“, sagt Uekötter.
Unter Minister Klaus Töpfer wurden Umweltauflagen verschärft und Praktiken beendet, die heute kaum vorstellbar erscheinen, etwa das Verklappen von schwermetallhaltigen Industrieabfällen in der Nordsee.
Mit der deutschen Wiedervereinigung änderte sich die Rolle des Ministeriums grundlegend. Statt vor allem zu bremsen, musste es gestalten: Altlasten in Ostdeutschland sanieren, moderne Umweltstandards etablieren und den Umbau von Energie- und Wirtschaftssystemen begleiten. Umweltpolitik wurde komplexer und erforderte zunehmend Abstimmung mit anderen Ressorts.
Symbol mit anhaltender Bedeutung
Auch wenn wichtige Zuständigkeiten wie Klima- oder Energiepolitik zeitweise in andere Ministerien verlagert wurden, bleibt das Bundesumweltministerium für Uekötter ein starkes politisches Symbol.
Seine Existenz signalisiere bis heute, dass ökologische Fragen gesellschaftlich und politisch ernst genommen werden. „40 Jahre lang nehmen wir das jetzt richtig ernst“, fasst er die historische Entwicklung zusammen.
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