Überrascht sei er von den Ergebnissen nicht, sagt Richter. Wikipedia sei zwar die größte und beste Wissenssammlung, die wir haben, aber eben auch nicht fehlerfrei. Daher hätten sich die Wikipedianer, wie sich die Angehörigen der Wikipedia-Community nennen, gleich an die Arbeit gemacht: Rund ein Drittel der 400 fehlerhaften Artikel sei bereits korrigiert worden. Das sage viel aus über den Spirit, der unter den Ehrenamtlichen herrsche.
Kritik bei Wikipedianern sehr willkommen
Tatsächlich zeigt ein Blick in die öffentlich einsehbaren Diskussionen der Wikipedianer: Viele sind eher dankbar dafür, das die FAS-Studie einen entscheidenden Anstoß gegeben hat:
Wikipedia-Bashingmit eingebundener Werbung an die FAS-Leser, sich doch bitte bei der Wikipedia zu beteiligen, wenn man den gegenwärtigen Zustand für unbefriedigend hält? So ein Bashing könnten wir alle Tage gebrauchen.
Ein anderer User bedauert, dass es sich nur um eine Stichprobe handelt und hätte sich mehr Zusammenarbeit gewünscht:
Bringt nur leider wenig, da es sich um nur 1000 zufällig ausgewählte Artikel von über drei Millionen handelt. Statistisch gesehen kann man in den restlichen Artikeln eine ähnliche Fehlerquote vermuten. Besser wäre es, man hätte die KI-Prompts veröffentlicht, um dann zufällige Artikel selber zu überprüfen.
Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber
Es sei wichtig, findet auch Richter, dass die Recherche der FAS Aufmerksamkeit auf das Thema lenke. Schließlich würden Daten von Wikipedia aktuell viel genutzt, um KI-Modelle zu trainieren. Dementsprechend spricht Richter von einer Verpflichtung der Wikipedianer, dass das, was in der Online-Enzyklopädie steht, auch stimmt.
Immer mehr KI-generierte in Wikipedia
Eine aktuelle Herausforderung für die Wikipedia seien KI-generierte Texte, die immer mehr ihren Weg ins System finden würden. Von daher sei er von dem Engagement der Community in Reaktion auf die Studienergebnisse positiv überrascht gewesen.
Ich dachte, dass Wikipedia sowieso schon so ein bisschen von den KIs abgelöst worden wäre, aber dem scheint ja nicht so zu sein.
Mehr automatisierte Fehlerkorrektur nötig
Bei allem Lob gebe es aber durchaus Punkte, in denen das System dringend reformiert werden müsse: Mehr Automatisierung fordert Richter etwa, um den Bestand zu pflegen und systematisch nach Fehlern zu durchsuchen. Außerdem brauche es ein besseres Gatekeeping, also einen Kontrollmechanismus, der verhindert, dass Inhalte ungebremst oder ungeprüft veröffentlicht werden.
Der Einsatz von KI in der Wikipedia sei in der Community umstritten. Er persönlich, so Richter, würde zwar nicht glauben, dass KI Texte schreiben könne – als Assistenz sehe er aber Potential.
Wikipedia von verschiedenen Seiten unter Druck
Auch schon ohne den Einfluss von künstlicher Intelligent hatte Wikipedia mit den eigenen Mechanismen zu kämpfen, wie der SWR Kultur-Podcast „Sockenpuppenzoo“ zeigt. Denn Wikipedia funktioniert demokratisch: Jeder darf schreiben, was er will, aber am Ende bleibt das stehen, auf das sich die Community einigen kann. User aus der rechten Szene hatten das ausgenutzt, indem sie nicht nur mit einem, sondern gleich mehreren Accounts – sogenannten „Sockenpuppen“, an Diskussionen teilnahmen – und so mit einer vorgetäuschten Mehrheit ihre Ansichten durchsetzten.
Der jüngste Fall zeigt dennoch, wie unermüdlich sich die Community trotz aller Widrigkeiten für das einsetzt, das Wikipedia sein soll: Eine Wissenssammlung für alle, frei, fair und unabhängig.
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Ihre Themen sind:
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- KI macht nicht dumm, sie macht nur kognitive Schulden (10:12)
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- Mails an die Redaktion: Mehr von den Riemchensandalen der Römer (28:05)
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Beyond predator and prey: First evidence of an association between ocelot and opossum individuals
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Idee: Christoph König
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Maschinen lernen nicht selbständig. Sie brauchen große Datenmengen, die der Mensch vorgibt. Dabei müssen wir reduzieren, wie viele Informationen in einem Datenpunkt stecken. Denn je mehr Informationen pro Datenpunkt es gibt, desto mehr Möglichkeiten gäbe es, nach Mustern zu suchen. Das kann die Maschine irgendwann nicht mehr leisten. Dann fällt sie auch auf Zufälligkeiten herein. Von Katharina Zweig | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.
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